Best of 2025: Filme
Im Jahr 2025 habe ich zum zweiten Mal exakt mitprotokolliert, welche und wie viele Filme ich wann gesehen habe. Es waren exakt 54 (neue) Filme (und damit um 15 mehr als im letzten Jahr), die ich (zum ersten Mal) gesehen habe. Teilweise im Kino, teilweise auf Streaming-Plattformen (sky, Netflix, Amazon Video, Disney+, Apple TV, Paramount+), teilweise auch per PPV. In meinem Wertungssystem von 1 bis 10 habe ich als Höchstnote eine 9 vergeben, drei Filme wurden von mir mit 4.5 bewertet. Bevor ich mein Kinojahr 2025 Revue passieren lasse, wie üblich eine Übersicht meinen #1-Filme der letzten 12 Jahre:
#1-Liste von 2013 bis 2024
| 2024 | Poor Things |
| 2023 | Oppenheimer |
| 2022 | The Banshees Of Inisherin |
| 2021 | Promising Young Woman |
| 2020 | Parasite |
| 2019 | Once Upon A Time In Hollywood |
| 2018 | Bohemian Rhapsody |
| 2017 | Manchester By The Sea |
| 2016 | Arrival |
| 2015 | Inside Out |
| 2014 | Whiplash |
| 2013 | Drive |
Modus und Erklärung zu meiner Top-10-Liste
Wie üblich beginne ich mit einer kurzen Erklärung zu meinem persönlichen Modus: ich inkludiere wie immer alle Filme, welche ich zwischen 1.1. und (im heurigen Fall) 29.12 gesehen habe. Egal ob diese schon Ende 2024 in den amerikanischen Kinos oder irgendwo anders als limited release angelaufen sind. Wie im Vorjahr stammen auch heuer nicht alle Filme aus der Awards-Season 2026. Dazu habe ich immer auch die Plattform angegeben, auf/in der man den jeweiligen Film aktuell sehen kann.
Die Bewertungen von IMDb (= Zuschauerwertung) und Metascore (= Kritikerwertung) lasse ich wie mittlerweile schon traditionell in meinen Reviews bewusst weg, weil sich jeder selber eine Meinung über diese Filme bilden soll. Ich habe jedoch jeden Filmtitel mit der dazugehörigen IMDb-Seite verlinkt, die relevanten Zahlen sind also maximal einen Klick entfernt.
Auch wieder mein Disclaimer – ich bin weder (Film-)Journalist noch will ich hier irgendwie einen auf Film-Kritiker oder Film-Experte machen – ich bin lediglich ein Filmliebhaber und dies seit mehr als 30 Jahren, daher freue ich mich jedes Jahr wieder über positives Feedback zu meinen kleinen Rezensionen :)
Die Weltlage hat sich vermutlich irgendwie im Kinoprogramm manifestiert, denn in meiner heurigen Liste befinden sich zwischen fünf und sechs Filme, welche man dem Horror-Genre zuordnen kann – ein Genre dem ich nicht ganz abgeneigt bin, das allerdings normalerweise auch nicht zu meinen Lieblingsgenres gehört.
10. Black Bag
| Regie | Cast | Plattform |
| Steven Soderbergh | Michael Fassbender, Cate Blanchett, Gustaf Skarsgard, Naomie Harris | sky |
Die hochrangige Geheimdienstagentin Kathryn Woodhouse gerät unter Verdacht, die Nation zu verraten. Ihr Ehemann George, ebenfalls ein legendärer Agent, steht plötzlich vor der unmöglichen Aufgabe, herauszufinden, ob die Frau, die er liebt, tatsächlich eine Verräterin ist – während Kollegschaft und Vorgesetzte ihn drängen, sie zu überwachen und zu verhören. In einem Kammerspiel aus Täuschung, Misstrauen und psychologischen Spielen wird jedes Wort und jede Geste zur Waffe, während George zwischen ehelicher Loyalität und professioneller Pflicht zerrissen wird.
Regisseur Steven Soderbergh (Oscar für Beste Regie bei „Traffic“ – sowie bekannt für die „Ocean’s“-Reihe) inszeniert den Spionagethriller mit dem für ihn bekannten charakteristischen visuellen Minimalismus und psychologischer Präzision. Michael Fassbender (oscarnominiert für „12 Years a Slave“ und „Steve Jobs“) verkörpert George Woodhouse mit einer Mischung aus emotionaler Verletzlichkeit und kalter Professionalität. An seiner Seite überzeugt Cate Blanchett (Oscarpreisträgerin für „Blue Jasmine“ und „Aviator“) als Kathryn in einem vielschichtigen Spiel aus Andeutungen und Ambiguität. Ex-Bond Pierce Brosnan und Naomie Harris (die Monnypenny aus den Craig-Bonds) komplettieren die hochkarätige Besetzung.
Soderberghs „Black Bag“ nutzt das Spionage-Genre für eine Geschichte über Vertrauen in einer Beziehung, in der beide Partner beruflich darin geschult sind, zu lügen und zu täuschen. Der Film stellt die zentrale Frage, ob man jemandem wirklich nahestehen kann, dessen Job es ist, Geheimnisse zu bewahren, selbst wenn man jahrelang verheiratet ist. Die „Black Bag“ – ein Ort für Dinge, die nie (wieder) erwähnt werden – wird zur Metapher für all die unbequemen Wahrheiten, die in jeder Ehe vergraben liegen. George und Kathryn sind gleichzeitig Liebende und potenzielle Feinde, gefangen zwischen ehelicher Loyalität und professionellem Misstrauen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass in einer Welt der permanenten Täuschung niemand jemals sicher sein kann, den Menschen neben sich wirklich zu kennen.
09. Nosferatu
| Regie | Cast | Plattform |
| Robert Eggers | Nicholas Hoult, Lily-Rose Depp, Bill Skarsgard, Aaron Taylor-Johnson, Willem Dafoe, Emma Corrin | sky |
Im Jahr 1838 reist der junge Angestellte Thomas Hutter in die Karpaten, um dem mysteriösen Grafen Orlok beim Kauf eines Anwesens zu helfen. Während Thomas im düsteren Schloss gefangen gehalten wird, lockt seine Frau Ellen durch eine psychische Verbindung unwissentlich genau jenes monströse Wesen an, das nun auf dem Weg zu ihr ist. Als Orlok mit dem Schiff nach Wisborg reist und eine Plage über die Stadt hereinbricht, muss Ellen eine furchtbare Entscheidung treffen.
Robert Eggers (bekannt für „The Witch“, „The Lighthouse“, „The Northman“) liefert eine düstere Neuinterpretation des expressionistischen Stummfilm-Klassikers von 1922. Bill Skarsgård (Pennywise in „Es“, „Barbarian“) inszeniert den Vampir Graf Orlok als monströse, animalische Kreatur, während Lily-Rose Depp (ja genau, die Tochter von Johnny und Vanessa Paradis) die von Visionen geplagte Ellen spielt. Nicholas Hoult (als Kind für seine Rolle als Bub in „About A Boy“ bekannt geworden, später in „Mad Max: Fury Road“ nicht mehr ganz so lieb) verkörpert ihren verzweifelten Ehemann Thomas, unterstützt vom vierfach Oscarnominierten Willem Dafoe („Poor Things“, „The Lighthouse“) als Professor von Franz.
Eggers‘ „Nosferatu“ ist kein klassisches Horrorfilm-Remake – es handelt sich um eine Betrachtung von Obsession, Opferbereitschaft und die dunkle Seite weiblicher Sexualität im viktorianischen Zeitalter. Während der Film oberflächlich die klassische Vampir-Erzählung bedient, geht es in seinem Kern um weibliche Selbstbestimmung – Ellen ist keine passive Opferfigur, sondern trifft bewusst die Entscheidung, sich dem Monster zu stellen, um andere zu retten. Wie die anderen Filme von Eggers ist „Nosferatu“ stellenweise äußerst brutal und nichts für schwache Nerven.
08. Sinners
| Regie | Cast | Plattform |
| Ryan Coogler | Michael B. Jordan, Hailee Steinfeld, Jack O’Connell, Saul Williams, Delroy Lindo | sky |
Mississippi, 1932: Die kriminellen Zwillingsbrüder Smoke und Stack (beide verkörpert durch Michael B. Jordan) kehren in ihre Heimatstadt im Delta zurück, um dort einen illegalen Nachtclub zu eröffnen und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch kaum haben sie ihr Lokal eröffnet und eine Gruppe von Künstlern, Köchen und Musikern um sich versammelt, wird die nächtliche Feier von einer noch größeren Bedrohung überschattet: Ein irischer Vampir namens Remmick und seine Gefolgschaft suchen – ausgerechnet im Tanzclub der Zwillinge – Zuflucht vor Choctaw-Vampirjägern.
Ryan Coogler (Oscarnominierung für „Black Panther“, „Creed“-Reihe) inszeniert einen visuell beeindruckenden Horror-Western, der Blues, Geschichte und Vampir-Mythologie miteinander verschmilzt. Sein Langzeitbegleiter Michael B. Jordan (ebenfalls „Creed“, „Black Panther“) brilliert in der Doppelrolle als die ungleichen Zwillingsbrüder Smoke und Stack und liefert damit eine seiner vielschichtigsten Leistungen ab.
Hailee Steinfeld (bekannt aus „Pitch Perfect“, die auch als 14-jährige für „True Grit“ oscarnominiert wurde und deren Schwangerschaft mit ihrem Partner, dem Buffalo Bills-Quarterback Josh Allen unlängt bekannt wurde) spielt Mary, Stacks Ex-Freundin. Jack O’Connell („Unbroken“, „Ferrari“) verkörpert den irischen Vampir Remmick, während der legendäre Delroy Lindo („Da 5 Bloods“, „Malcolm X“) als Blues-Pianist Delta Slim auftritt (und das wohl beste Zitat des Films liefert).
Coogler nutzt das Vampir-Genre als Vehikel für eine Geschichte über Freiheit, Unterdrückung und den Preis des amerikanischen Traums im rassistischen Süden der 1930er Jahre. Die Vampire sind dabei nicht nur Monster, sondern auch Metaphern für die unterschiedlichen Formen von Ausbeutung und Gewalt, denen die Black Community ausgesetzt war: Der weiße Vampir Remmick verkörpert den äußeren Terror, während das System aus Sharecropping und Company Scrip – das die Menschen ökonomisch versklavt hält – als ebenso blutsaugend dargestellt wird. Die Blues-Musik, die den Film durchzieht, fungiert dabei als spirituelle Gegenkraft – ein Ausdruck von Trauma, aber auch von Widerstand und Überlebenswillen.
07. Caught Stealing
| Regie | Cast | Plattform |
| Darren Aronovsky | Austin Butler, Zoe Kravitz, Regina King, Liev Schreiber, Vincent D’Onofrio | pay-per-view (u.a. Amazon, Apple) |
New York, 1998: Hank Thompson war ein vielversprechendes Baseball-Talent, doch ein von ihm im betrunkenen Zustand verursachter Autounfall beendete nicht nur seine Karriere, sondern kostete auch seinen Freund das Leben. Nun schlägt er sich als Barkeeper in NYC durch, kämpft gegen seine Alkoholsucht und versucht, seine Vergangenheit zu vergessen. Als sein zwielichtiger Punk-Nachbar Russ ihn bittet, für ein paar Tage auf seine Katze Bud aufzupassen, ahnt Hank nicht, dass er damit in einen blutigen Strudel aus russischen Gangstern, chassidischen Drogenbaronen und korrupten Cops gerät.
Darren Aronofsky (Oscar-Nominierung für die Beste Regie in „Black Swan“ sowie bekannt für The Wrestler“, „Requiem for a Dream“, „The Whale“) inszeniert den stellenweise überaus brutalen Crime-Thriller nach dem Roman von Charlie Huston mit der ihm bekannten Mischung aus Härte und emotionaler Tiefe. Austin Butler (vor zwei Jahren oscarnominiert als „Elvis“, außerdem „Dune: Part Two“) liefert als gebrochener Hank eine physisch wie emotional intensive Performance ab.
An seiner Seite brilliert Zoë Kravitz (die Tochter von Lenny, bekannt aus „The Batman“ und „Mad Max: Fury Road“) als seine Freundin Yvonne – und sorgte während der Dreharbeiten für Schlagzeilen, als Gerüchte über eine mögliche Romanze zwischen ihr und Butler die Runde machten. Charaktergesicht Matt Smith („House of the Dragon“, „The Crown“, „Doctor Who“) gibt den schrillen Punk-Nachbarn Russ, während Regina King (Oscar für Beste Nebendarstellerin in „If Beale Street Could Talk“), Liev Schreiber („Ray Donovan“) und Vincent D’Onofrio („Full Metal Jacket“, „Daredevil“) die hochkarätige Besetzung komplettieren.
Aronofsky erzählt in gewohnter Manier eine Geschichte über Schuld, Selbstzerstörung und die verzweifelte Suche nach Erlösung. Hank ist ein Mann, der bereits am Boden liegt, bevor die eigentliche Handlung überhaupt beginnt. Die Katze Bud wird zur unfreiwilligen MacGuffin, die Hanks chaotische Odyssee durch die New Yorker Unterwelt auslöst. Der Film zeigt einen Mann, der so tief in Selbsthass und Alkoholismus versunken ist, dass er glaubt, jede Strafe verdient zu haben. Die ultragewalttätigen Begegnungen mit Gangstern (von russischen Schlägern über ultraorthodoxe Drogenbosse bis zu korrupten Cops) sind Ausprägungen von Hanks innerem Kampf.
06. Wake Up Dead Man – A Knives Out Mystery
| Regie | Cast | Plattform |
| Rian Johnson | Daniel Craig, Josh O’Connor, Glenn Close, Josh Brolin, Mila Kunis, Jeremy Renner, Kerry Washington, Andrew Scott, Cailee Speany | Netflix |
Der aus „Knives Out“ und „Glass Onion“ bereits bekannte Detektiv Benoit Blanc wird in ein verschlafenes Dorf in der Nähe von Montauk (Bundesstaat New York) gerufen, wo in der Kirche „Our Lady of Perpetual Fortitude“ ein scheinbar unmöglicher Mord geschehen ist. Der charismatische, aber bittere Monsignor Jefferson Wicks wurde während einer Karfreitags-Messe in einem verschlossenen Raum mit einem Messer erstochen. Als Hauptverdächtiger gerät der reformierte Ex-Boxer Jud. Blanc ist jedoch von seiner Unschuld überzeugt rekrutiert ihn als Assistenten.
Regisseur Rian Johnson („Knives Out“, „Glass Onion“, „Looper“ und außerdem die 10.0 Breaking Bad-Folge „Ozymandias“) liefert mit dem dritten Teil seiner Whodunit-Reihe den bisher dunkelsten und persönlichsten Fall für seinen Meisterdetektiv. Daniel Craig kehrt als Benoit Blanc zum zweiten Mal zurück und zeigt den Detektiv erstmals emotional verwundbar und in einem inneren Konflikt gefangen. Für 43 Minuten Screentime und einem 55-Millionen-Salär kann man ihm übrigens zu einer der bestbezahlten Auftritten der Filmgeschichte gratulieren. Josh O’Connor (letztes Jahr mit „Challengers“ auf Platz 10 meiner Liste und ebenso brilliant in „La Chimera“) brilliert als gebrochener Priester Jud Duplenticy.
Josh Brolin („No Country for Old Men“, „Dune“, „Sicario“) gibt den manipulativen Monsignor Wicks, während Glenn Close (u.a. „Fatal Attraction“, „Dangerous Liaisons“ – sie wurde bisher 8x für den Oscar nominiert, hat jedoch immer verloren) als Martha Delacroix, Wicks‘ treueste Anhängerin, auftritt. Die hochkarätige Ensemble-Besetzung wird durch Mila Kunis („Black Swan“) als Police Chief Geraldine Scott, Jeremy Renner (Hawkeye aus dem Marvel-Universum, der für „The Hurt Locker“ für den Oscar nominiert wurde), Kerry Washington („Django Unchained“), Andrew Scott („Fleabag“, „All of Us Strangers“) und Cailee Spaeny („Priscilla“, „Civil War“) komplettiert.
Johnson nutzt das Whodunit-Format diesmal für eine Auseinandersetzung mit Glauben, Schuld und der Frage, was wahre Gerechtigkeit bedeutet. Die Kirche als Setting ist kein Zufall. Hier prallen Vergeltung und Vergebung, weltliche Gesetze und göttliche Gnade aufeinander. Blancs Ermittlung wird zur persönlichen Reise: Erstmals in der Trilogie entwickelt sich der Detektiv selbst weiter und muss sich fragen, ob die bloße Aufklärung eines Verbrechens ausreicht oder ob Empathie und Verständnis manchmal wichtiger sind als kalte Fakten. Am Ende geht es nicht nur darum, wer den Monsignor getötet hat, sondern auch darum, ob manche Menschen eine zweite Chance verdienen – und wer das Recht hat, darüber zu urteilen.
05. Frankenstein
| Regie | Cast | Plattform |
| Guillermo Del Toro | Oscar Isaac, Jacob Elordi, Mia Goth, Christoph Waltz, Felix Kammerer | Netflix |
Der brillante, aber narzisstische Wissenschaftler Victor Frankenstein erweckt in einem monströsen Experiment eine Kreatur zum Leben, die aus zusammengenähten Leichenteilen besteht und durch elektrische Impulse wiederbelebt wird. Doch kaum hat das Geschöpf die Augen geöffnet, läuft Victor voller Abscheu davon und überlässt seine „Schöpfung“ sich selbst. Die Kreatur, emotional wie ein Kind und körperlich übermächtig, beginnt eine verzweifelte Suche nach Zugehörigkeit in einer Welt, die sie als Monster abstößt. Als Victor die Verantwortung für sein Handeln weiterhin verweigert, nimmt die Tragödie ihren Lauf – und sowohl Schöpfer als auch Geschöpf steuern auf ihre gegenseitige Vernichtung zu.
Der mexikanische Fantasy-Experte Guillermo del Toro (Oscar für Bester Film & Beste Regie in „The Shape of Water“ sowie „Pan’s Labyrinth“, „Hellboy“) verwirklicht mit diesem Projekt sein jahrzehntelanges Traumprojekt und liefert gemäß den Expert:innen die bislang werktreueste und emotional packendste Adaption von Mary Shelleys Klassiker ab. Oscar Isaac („Dune“, „Ex Machina“, „Inside Llewyn Davis“) spielt Victor Frankenstein als fiebrigen, von Hybris getriebenen Wissenschaftler, der zwischen Genialität und Wahnsinn schwankt.
Die wahre Entdeckung ist jedoch Jacob Elordi (den ich zum ersten Mal in „Saltburn“ wahrgenommen habe), der als die Kreatur eine erschütternd vielschichtige Performance abliefert – voller Sehnsucht, Wut und tragischer Würde. Christoph Waltz (Oscars für „Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“) spielt Harlander, eine von Del Toro neu erfundene Figur und Financier von Frankenstein, sein Landsmann Felix Kammerer („Im Westen Nichts Neues“) lässt seine Aktien in Hollywood durch seine Rolle als William Frankenstein weiter steigen. Abgerundet wird die Hauptcast durch die Genre-erprobte Horror-Expertin Mia Goth („Pearl“, „X“, „Infinity Pool“) als Williams‘ Verlobte Elizabeth.
Del Toro (der handwerklich gesehen auf reale Sets statt CGI setzt) nutzt Shelleys Vorlage für eine empathische Betrachtung darüber, wer das wahre Monster ist: die Kreatur oder ihr Schöpfer. Victor wird nicht als tragischer Held inszeniert, sondern als narzisstischer Egoist, der Leben erschafft, ohne Verantwortung dafür übernehmen zu wollen. Also quasi ein „Vater“, der sein „Kind“ im Stich lässt, weil es nicht seinen Vorstellungen entspricht. Die Kreatur hingegen ist Del Toros typischer Außenseiter (eigentlich wie die Kreatur in „The Shape Of Water): sensitiv, intelligent und verzweifelt nach Zuneigung suchend, aber von einer Gesellschaft brutal zurückgestoßen, die nur seine äußere Hülle sieht.
04. Weapons
| Regie | Cast | Plattform |
| Zach Cregger | Julia Garner, Josh Brolin, Alden Ehrenreich, Amy Madigan, Benedict Wong | pay-per-view (ab Jänner bei sky) |
In einer Kleinstadt in Pennsylvania geschieht das Undenkbare: Alle Kinder einer Schulklasse verschwinden in derselben Nacht zur exakt gleichen Zeit spurlos. Nur ein einziger Junge bleibt zurück. Die Gemeinde steht unter Schock, niemand kann sich das Verschwinden erklären, und schnell richtet sich der Verdacht auf die Klassenlehrerin Justine. Der Film erzählt in nicht-linearer Form aus verschiedenen Perspektiven die Tage vor und nach der mysteriösen Katastrophe und deckt dabei Schicht um Schicht auf, wer (oder was) hinter dem Verschwinden steckt. Was man übrigens erst im letzten Drittel des Films erfährt.
Zach Cregger (verantwortlich für „Barbarian“, den Indie-Horror-Überraschungshit aus 2022, damals auch in meiner Top10-Liste) liefert mit seinem zweiten Regiewerk einen atmosphärisch dichten Folk-Horror ab, der Mystery, Spannung und schwarzen Humor meisterhaft miteinander verwebt. Julia Garner (dreifache Emmy-Gewinnerin für „Ozark“) spielt Justine, die Klassenlehrerin der verschwundenen Kinder. Josh Brolin verkörpert Archer, einen der betroffenen Väter, während Manchester-United-Fan Benedict Wong („Doctor Strange“) die Rolle des Schuldirektors nimt. Amy Madigan („Field of Dreams“, Oscarnominierung für „Twice in a Lifetime“) liefert als Gladys jedoch die bemerkenswerteste Performance ab und gilt auch als Kandidatin für eine Oscarnominierung.
Cregger nutzt das Verschwinden der Kinder als Metapher für die Paranoia und den moralischen Verfall einer Gemeinschaft, die unter Druck zerfällt. Wie in anderem vergleichbarem Folk-Horror (z.B. „The Wicker Man“ oder „Midsommar“) geht es weniger um Jump Scares (die es aber de facto gibt!!) als um die schleichende Erkenntnis, dass etwas Fundamentales in dieser Kleinstadt nicht stimmt – und zwar schon lange vor dem übernatürlichen Ereignis.
Die nicht-lineare Erzählstruktur, die verschiedene Perspektiven der Tage vor und nach dem Verschwinden zeigt, enthüllt systematisch die Abgründe der Charaktere: Jeder trägt Geheimnisse, jeder hat Schuld, jeder ist fehlbar. Der Titel „Weapons“ deutet an, dass Menschen selbst zu Waffen werden können: gegen sich selbst, gegen ihre Nachbarn, gegen die eigene Moral. Am Ende bleibt die beklemmende Unsicherheit, ob das Böse wirklich besiegt wurde.
03. Bugonia
| Regie | Cast | Plattform |
| Yorgos Lanthimos | Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Alicia Silverstone, Stavros Halkias | Kino |
Der Eigenbrötler Teddy Gatz lebt am Stadtrand in einem heruntergekommenen Haus, verzweifelt über das Bienensterben und die Pflege seiner komatöse Mutter. Teddy ist überzeugt, dass hinter beiden Tragödien eine außerirdische Spezies namens „Andromedaner“ steckt – und dass die eiskalte Auxolith-CEO Michelle Fuller in Wahrheit eine getarnte Alien-Agentin ist, die die Menschheit auslöschen will. Gemeinsam mit seinem autistischen Cousin Don entführt Teddy die Geschäftsführerin und beginnt ein grausames Verhör, um die „Wahrheit“ aus ihr herauszukitzeln.
Yorgos Lanthimos („Poor Things“, „The Favourite“, „The Lobster“) inszeniert in seiner bereits fünften Zusammenarbeit mit Emma Stone eine absurd-schwarze Science-Fiction-Komödie als englischsprachiges Remake des südkoreanischen Films „Save the Green Planet!“. Die zweifache Oscarpreisträgerin Emma Stone („La La Land“, „Poor Things“) spielt Michelle Fuller als eiskalte Manipulatorin, die zwischen professioneller Kälte und wachsender Panik hin- und herwechselt.
Jesse Plemons (bekannt geworden als Todd in „Breaking Bad“, später oscarnominiert für „The Power of the Dog“) stiehlt in diesem Film jedoch als die Schau. Auf Basis der Quoten darf er sich heuer über seine zweite Oscarnominierung freuen. Er spielt Teddy als Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs, zerrissen zwischen Gewaltphantasien und tragischer Verzweiflung. Newcomer Aidan Delbis gibt in seinem Filmdebüt den autistischen Don, Alicia Silverstone (ja, die gibt es auch noch – 90er-Star aus u.a.“Clueless“) spielt Teddys komatöse Mutter Sandy, während Komiker Stavros Halkias einen lokalen Cop verkörpert, der versucht, den Fall zu lösen.
Lanthimos‘ Remake ist eine bitterböse Satire über Verschwörungstheorien, Klassenkampf und die toxische Männlichkeit der Incel-Bewegung. Teddy ist das Paradebeispiel des modernen „Truthers“: ein einsamer, vom System enttäuschter Mann, der in wirren Verschwörungsmythen nach Sinn und Kontrolle sucht, weil die reale Welt ihm beides verweigert. Die Bienen (deren Tod er den Aliens zuschreibt) sind dabei Symbol für das Sterben von Gemeinschaft, Empathie und ökologischer Balance, während Michelle als CEO eines skrupellosen Pharmakonzerns für die reale, kapitalistische Zerstörung steht.
Der Titel „Bugonia“ verweist auf einen antiken griechischen Mythos, in dem Bienen aus Kadavern wiedergeboren werden – eine Metapher für Tod und Wiedergeburt, die sich durch den gesamten Film zieht. Lanthimos spielt ein perfides Spiel mit den Loyalitäten der Zuschauer:innen. Mal sympathisiert man mit Teddy (dem Underdog), mal mit Michelle (die entführt und gefoltert wird) – doch beide sind in ihren eigenen Systemen gefangen und unfähig zu echter Empathie. Im letzten Drittel eskaliert der Film übrigens völligens in Bezug auf Brutalität und makabre Szenen.
02. Train Dreams
| Regie | Cast | Plattform |
| Clint Bentley | Joel Edgerton, Felicity Jones, Kerry Condon, Clifton Collins Jr., William H. Macy, Will Patton | Netflix |
Idaho, 1917: Robert Grainier (als Vollwaise aufgewachsen) schlägt sich als Holzfäller und Eisenbahnarbeiter durchs Leben, ohne Richtung oder Zweck, bis er Gladys Olding kennenlernt. Die beiden heiraten, bauen sich eine Blockhütte am Moyie River und bekommen eine Tochter namens Kate. Der Film begleitet Robert über 80 Jahre hinweg, während er zusieht, wie die Moderne (Eisenbahn, Autos, Flugzeuge, Mondreise) unaufhaltsam voranschreitet und ihn, einen schweigsamen Mann der Wälder, immer mehr an den Rand drängt.
Der relativ unbekannte Regisseur Clint Bentley („Jockey“) adaptiert die gefeierte Novelle von Denis Johnson und schafft ein lyrisches, visuell betörendes Porträt des frühen 20. Jahrhunderts im pazifischen Nordwesten der USA. Der Australier Joel Edgerton („Warrior“, The Great Gatsby“) liefert als Robert Grainier eine enorm subtile Performance ab. Er kommuniziert mehr durch Schweigen als durch Worte. Seine Oscarnominierung heuer scheint mehr oder minder fix.
Felicity Jones (oscarnominiert für „The Theory of Everything“) spielt seine Frau Gladys als warmherzige Kraft, die Roberts Leben erst(mals) Sinn gibt. Kerry Condon (oscarnominiert für „The Banshees of Inisherin“) verkörpert Claire Thompson, eine Mitarbeiterin des Forstamts, die Robert in späteren Jahren begegnet. William H. Macy („Fargo“, „Shameless“) gibt den exzentrischen Sprengstoffexperten Arn Peeples, während Will Patton („Armageddon“) in der Geschichte als Erzähler fungiert.
Gleich vorweg: kein Film hat mich heuer so überrascht und sprachlos (und emotional) zurückgelassen wie „Train Dreams“. Regisseur Bentley nutzt Roberts stilles Leben als Gegenentwurf zum amerikanischen Fortschrittsmythos des 20. Jahrhunderts. Während die Moderne unaufhaltsam voranschreitet, bleibt Robert ein Mann der Wälder – jemand, der sich der Geschwindigkeit der Zeit nicht anpassen kann (oder will). Der Film zeigt, wie die Industrialisierung nicht nur Landschaften zerstört, sondern auch Menschen wie Robert marginalisiert, die in einer älteren, langsameren Welt verwurzelt sind. Beendet wird der Film mit Nick Caves gleichnamigen Titelsong, der für einen Golden Globe nominiert wurde und auch als Oscaranwärter gilt.
01. One Battle After Another
| Regie | Cast | Plattform |
| Paul Thomas Anderson | Leonardo Di Caprio, Chase Infiniti, Sean Penn, Benicio Del Toro, Teyana Taylor, Regina Hall | pay-per-view |
Kalifornien, 1990: Bob Ferguson lebt paranoid und zurückgezogen mit seiner Teenager-Tochter in der Sanctuary City Baktan Cross und versucht, seine Vergangenheit als radikaler Linksaktivist zu verdrängen. 16 Jahre zuvor war er Mitglied der militanten Gruppe „French 75“, die Immigranten aus der Einwanderungshaft befreite, bis ein ultrarechter Oberst namens Lockjaw die Gruppe zerschlug. Als Lockjaw, mittlerweile eine prominente Figur in den US-Sicherheitsbehörden, nach Jahren wieder auftaucht und Bobs Tochter bedroht, muss der ausgebrannte Ex-Revolutionär alte Verbündete reaktivieren und sich seiner Vergangenheit stellen.
Paul Thomas Anderson (oscarnominiert als Bester Regisseur für „There Will Be Blood“, „The Master“ und „Phantom Thread“) schrieb, produzierte und inszenierte den mitunter skurrilen Polit-Thriller, inspiriert von Thomas Pynchons Roman „Vineland“. Leonardo DiCaprio (den man wohl nicht näher vorstellen muss) spielt Bob als ausgebrannten Ex-Revolutionär zwischen Paranoia und väterlicher Verzweiflung. Sean Penn (Oscarpreisträger für „Mystic River“ und „Milk“) gibt den obsessiven Colonel Lockjaw, während Benicio del Toro (Oscar für „Traffic“) als mysteriöser Katatelehrer Sergio auftritt. Beide gelten als Fixkandidaten für eine (verdiente) Oscarnominierung. Regina Hall (bekannt aus der „Scary Movie“-Reihe), Teyana Taylor (zuvor nur als Sängerin bekannt) und die Debütantin Chase Infiniti als Tochter (Oscarchancen!) komplettieren den Cast.
Die Geschichte des gebrochenen Revolutionärs Bob dient als Basis für eine Auseinandersetzung mit dem Scheitern der Gegenkultur und der Ironie politischer Radikalisierung. Bob ist das Paradebeispiel des 68er-Idealisten, der in den 90ern zur Karikatur seiner selbst geworden ist – ein dauerbekiffter Ex-Aktivist, der seine Tochter im Glauben lässt, ihre davongelaufene Mutter sei eine Heldin, während er selbst in Paranoia und Substanzmissbrauch versinkt. Die „French 75“ (benannt nach einem Cocktail) verkörpert die naive Militanz einer Generation, die glaubte, mit Gewalt eine bessere Welt schaffen zu können, nur um vom System (bzw. dem Militär) systematisch zerschlagen zu werden. Der Film zeigt die tragische Ironie, dass beide Seiten (linke Revolutionäre und rechte Milizen) letztlich in denselben Zyklen von Gewalt und Paranoia gefangen sind.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Musik. Sie stammt erneut von Andersons Stammkomponist Jonny Greenwood von Radiohead (für „There Will Be Blood“ und „The Power of the Dog“ oscarnominiert). Außerdem beinhält der Film die langweiligste aber gleichzeitig spannendste Autoverfolgungsjagd, die ich vermutlich jemals gesehen habe. Und eines der lustigsten Filmtelefonate, an die ich mich erinnern kann. In einem durchaus starken Filmjahr nimmt „One Battle After Another“ den verdienten ersten Platz meiner Top-10 ein.
Knapp außerhalb der Top10:
„It Was Just An Accident“ (Kino), der Gewinner der Goldenen Palme von Cannes aus Iran – ein Drama über einen Mann, der seinen vermeintlichen Peiniger kidnappt, aber dann nicht genau weiß, was er machen soll. Ein Film, dem auch ausgezeichnete Chancen auf den Auslandsoscar zugerechnet werden. Das gilt auch für „Sentimental Value“ (Kino) von Joachim Trier mit der fantastischen Renate Reinsve als Tochter eines alternden Regisseurs (Stellan Skarsgard).
„A House Of Dynamite“ (Netflix) von Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow („The Hurt Locker“) wäre auf Basis der ersten Stunde mit Sicherheit unter meinen Top10, hat aber dann leider (für meinen Geschmack) zu stark nachgelassen. „The Lost Bus“ (Apple TV) mit Matthew McConaughey als Busfahrer, das auf einer wahren Geschichte beruht, hat mich positiv überrascht. „A Complete Unknown“ (sky) mit Timothee Chalamet in der Rolle des Bob Dylan ist eine einwandfreie Biographie.
„A Real Pain“ mit Jesse Eisenberg (inkl. Drehbuch) und Kieran Culkin, der den Oscar für den besten Nebendarsteller dafür erhalten hat, regt zum Nachdenken an. „The Wild Robot“ war mein Lieblingsanimationsfilm des Vorjahres, ist jedoch meinem Wertungssystem zum Opfer gefallen, da ich ihn am 30.12. des Vorjahres gesehen habe. Regeln sind Regeln (auch wenn ich sie selbst aufstelle).
Andere nennenswerte Filme:
„Jay Kelly“ (Netflix) mit George Clooney als alterndem Filmstar und Adam Sandler als seinem Manager war kurzweilig, irgendwie hat im Endeffekt aber trotzdem das gewisse Etwas gefehlt. Bei der Groteske „Eddington“ (Kino) von Ari Aster mit einem Starensemble (u.a. Joaquin Phoenix, Pedro Pascal, Emma Stone) weiß ich noch immer nicht, ob das der beste Film des Jahres oder der schlechteste Film des Jahres war. Dementsprechend hat er es nicht in die Top10 geschafft.
„Mission Impossible: The Final Reckoning“ (Paramount +) war leider ein (für mich) enttäuschendes Ende der grandiosen M:I-Filmreihe. Man kann es – auch wenn man Ethan Hunt heißt – übertreiben. „Happy Gilmore 2“ (Netflix) war nett und kurzweilig, aber wird nicht annähernd als Kultkomödie wie der erste Teil in die Filmgeschichte eingehen.
Der schlechteste Film, den ich heuer gesehen habe, war unangefochten „Kraven The Hunter“ (sky) – eine hirnlose, sinnlose und absolut vergessenswerte Comicverfilmung, die den Markwert von Aaron Taylor-Johnson, Ariana DeBose und Russell Crowe wohl fallen hat lassen. Fast genau so schlecht waren „The Woman in Cabin 10“ (Netflix), der vor Logikschwächen nur gestrotzt hat. Und außerdem die Action-Flops „Havoc“ (Netflix – was tust du, Tom Hardy?), „Old Guy“ (sky – mit Christoph Waltz in seiner bisher schlechtesten Hollywood-Rolle) und „Elevation“ (Amazon).



Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!