#desisnetmeiverein

Keine Sorgen Arena Ried

Ich wollte eigentlich niemals inflationär über die SV Ried schreiben. Daher will ich mich prophylaktisch für zwei Beiträge innerhalb von vier Tagen entschuldigen. Aber die Ereignisse rund um die Trainersuche bei der SV Ried haben sich im Laufe der aktuellen Kalenderwoche mehrmals überschlagen. Somit fühlte ich mich jetzt am Abend kurzfristig dazu gezwungen, einen neuen Eintrag in mein Logbuch des Wahnsinns schreiben zu müssen.

So viel vorab: zur Amtszeit von Stefan Reiter war im Vorhinein stets wenig oder gar nichts über Transferpläne oder konkrete Transferziele (Spieler und Trainer) bekannt. Dies änderte sich im Sommer 2017 unter der Führung Daxl/Schiemer drastisch – man möchte sogar sagen um 180°. In der Sommerpause war bei so gut wie jedem Transfer bereits am Vortag (oder noch länger davor) bekannt, welcher Spieler neu in den Verein eintreten würde.

Bei den verschiedensten Trainerkandidaten der letzten Woche war selbiges der Fall. Die Vermutung liegt nahe, dass Reiter sein Netzwerk (welches u.a. aus Managern, Agenten, Fußballfunktionären und Journalisten besteht) hinsichtlich Informationssperren (besser) im Griff hatte. Denn die peinliche Reality Soap der letzten Tage wäre bei der SV Ried noch vor zwei Jahren kaum vorstellbar gewesen.

Kandidat 1: Frenkie Schinkels

Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Frenk „Frenkie“ Schinkels am Dienstag als neuer Cheftrainer bei der SVR installiert werden solle. Der Dancing Star aus Niederösterreich (am 14. August auf dem feuchtfröhlichen Copa Pele Kickerdampfer unterwegs) hatte sich am Sonntag bereits mit Franz Schiemer getroffen und die Details schienen geklärt. Als die Information der bevorstehenden Verpflichtung von Schinkels jedoch am Montagnachmittag an die Öffentlichkeit durchsickerte, hatte dies einen massiven Shitstorm in sozialen Medien und Fanforen zur Konsequenz. Die Vereinsführung rund um Roland Daxl, durch diese Geschehnisse offensichtlich stark verunsichert (überrascht? gehemmt?) nahm infolgedessen Abstand an einer Verpflichtung des aktuellen Sportdirektors von Krems.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, hat Schinkels dann am Mittwoch übrigens auch noch selbst abgesagt ;- )

Kandidat/en 2: Paul Gludovatz & Gerhard Schweitzer

Ohne (zumindest für den Laien) erkennbare Linie wandte man sich noch am Montagnachmittag einem altbekannten Duo zu. Paul Gludovatz und Gerhard Schweitzer – das Erfolgsduo rund um den Cupsieg 2011 –  hätten für eine dritte Amtszeit im Innviertel reaktiviert werden sollen. Nach einer kurzen (nächtlichen) Bedenkzeit hagelte es jedoch bereits am Dienstagvormittag schallende Absagen, sowohl vom Burgenländer als auch vom Vöcklamarkter (der als Sportdirektor bei der UVB derzeit Tabellendritter in der Regionalliga Mitte ist).

Der mittlerweile 71-Jährige Gludovatz trat auch verbal nach: in einem Interview mit den OON (Anm: in dem er die SVR mit „wir“ und „unser“ bezeichnete) gab er zu Protokoll, dass er bereits in der Länderspielpause mit einem Anruf gerechnet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hätte er seiner Aussage nach auch noch die notwendige Zeit gehabt, um Dinge wirklich zu bewegen. Die verlorenen Sechspunkter gegen die direkte Konkurrenz aus Hartberg und Wiener Neustadt sowie das inferiore 0-0 in Kapfenberg fallen übrigens genau in die Zeit zwischen der Länderspielpause und heute.

Paul Gludovatz im Rieder Stadion

Deswegen auch vollstes Verständnis meinerseits, dass sich Gludovatz dieses Himmelfahrtskommando nicht antun wollte. Auch mit dem Hintergrund, dass er von Daxl während seiner letzten Amtszeit in Ried (2015/2016 nach der Beurlaubung des glücklosen Helgi Kolvidsson) auch nicht ins Klare darüber gesetzt wurde, dass hinter seinem Rücken nach einem anderen Trainer für die Nachfolgesaison 2016/2017 gesucht wurde. Zudem wurde bei der aktuellen Trainersuche auch Schinkels zuerst kontaktiert. Ein mehrfacher Vertrauensbruch, der nicht zu kitten ist.

Kandidat 3: Heimo Pfeifenberger

Nach den Absagen von Gludovatz/Schweitzer und der Distanzierung von Schinkels sickerte am frühen Abend des Dienstags durch, dass Heimo Pfeifenberger nun Favorit auf das Amt des Trainers während der acht letzten Saisonrunden sein solle. Der ehemalige Coach von Grödig und Wiener Neustadt war nach seiner Entlassung beim Wolfsberger AC auf dem Trainermarkt. Die oberösterreichische Medienlandschaft schrieb in den mittwöchlichen Ausgaben mehr oder minder unisono darüber, dass der Salzburger am Mittwochvormittag nach Ried kommen werde, dort einen Vertrag unterschreiben und am Nachmittag bereits das Training leiten solle. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Aus derzeit noch unbekannten Gründen konnte man sich mit dem Ex-WAC-Trainer nicht einigen. So verging der Mittwoch ohne jegliche Vollzugsmeldung.

Kandidat 4: Thomas Weissenböck

Am Mittwochnachmittag machte dann ein Gerücht die Runde, dass Thomas Weissenböck (aktuell Akademieleiter in Ried) und Miron Muslic (AKA 18 Trainer) die Mannschaft bis Saisonende übernehmen würden.

Thomas Weissenböck SV Ried

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies klang zunächst nach einer internen (und verhältnismäßig kostengünstigen) Lösung, welche auch dafür spräche, dass die liquiden Mittel knapp bemessen sind. Es kann natürlich auch sein, dass sich nach dem Chaos der vergangenen Tage niemand mehr die (sportliche) Selbstmordmission antun wollte. Dass falsches Timing mittlerweile zur Vereinsphilosophie gehört, habe ich bereits am Sonntag ausführlich beschrieben.

Das Nachmittagstraining am Mittwoch leiteten übrigens Dieter Alge und Tamasz Tiefenbach (die ehemaligen Co-Trainer von Lassaad Chabbi). Thomas Streif hat heute am Nachmittag in den OON geschrieben, dass die Trainerfrage noch ungeklärt sei.

Sieger: Kandidat 4

Knapp nach 19:35 wurde Thomas Weissenböck dann per Pressemeldung (Anm.: Nein, das ist kein Fake. Kein(e) Grafiker(in) dieser Welt sollte bitte auf diesen Link klicken) offiziell bestätigt. Er wird morgen um 14:00 im Trainingszentrum am Voglweg der Öffentlichkeit präsentiert.

In seiner ersten Amtszeit in Ried erreichte er zusammen mit Gerhard Schimpl in 18 Spielen einen Schnitt von 0.78 Punkten/Spiel (10 Niederlagen standen nur 3 Siegen gegenüber). Dies ist ziemlich genau 10 Jahre her – am 5. April 2008 wurde er drei Spieltage vor Saisonende entlassen und durch den damaligen Trainernovizen Michael Angerschmid ersetzt.

Die letzte Chance (schon wieder)

Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Mannschaft unter neuer Führung am Freitag gegen Austria Lustenau nochmal mit einer „Jetzt erst recht“-Einstellung in das Spiel der letzten Chance geht. Vorstellen kann ich mir dies freilich nicht mehr. Das Hin und Her der letzten Tage kann auch an der Mannschaft nicht spurlos vorübergegangen sein. Wohlgemerkt an der massiv verunsicherten Mannschaft, die unter Druck sowieso nicht reüssieren kann und eigentlich mehr als genug mit sich selber zu kämpfen hat. Auch wenn das Training heute bemerkenswert gut gelaunt absolviert worden ist.

Genug ist genug

Auf den sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter hagelt es seit Tagen bzw. Wochen unerbittlichen Spott bzw. mittlerweile sogar Mitleid (was noch schlimmer ist). Ironischerweise hat Laola1 heute einen Podcast über den Lokalrivalen aus Linz mit dem Titel „Vom Chaos-Klub zum Vorzeige-Verein“ veröffentlicht. Das Timing könnte kaum passender sein.

Denn anders als undurchschaubares Chaos und kollektives Versagen der sportlichen Vereinsführung (wie einst bei Peter-Michael Reichel beim LASK) kann man die Zustände bei der SVR nicht mehr bezeichnen.

Krisenmanagement und richtiger Umgang mit den Medien sind zwei Fremdwörter in diesem überregional bekannten Unternehmen mit Millionenumsatz. Aber gut – polemisch formuliert wird dieses auch nebenberuflich von einem Autohändler und hauptberuflich von einem Berufseinsteiger geleitet. In der realen Wirtschaft wäre eine solche Konstellation undenkbar.

Auch mein Vertrauen (und nicht nur meines) gegenüber den agierenden Personen ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Sollte dieser Verein durch den drohenden Nichtaufstieg nicht sowieso zu Grunde gehen, dann sollten der gesamte Vorstand und der Sportdirektor eigentlich den gebührenden Anstand besitzen und zurücktreten.

Apropos reale Wirtschaft: seit Sommer 2017 wird für Marketingzwecke der Slogan „Des is mei Verein“ eingesetzt. Noch nie war dies jedoch unpassender als zum aktuellen Zeitpunkt. Der Ruf des früheren Vorzeigevereins aus dem Innviertel wurde im Laufe der letzten Monate durch planlosen Aktionismus nachhaltig ruiniert. Dies kann auch ein Aufstieg nicht mehr retten.

Wie Harald Bartl von den OON heute in einem Kommentar richtigerweise bemerkt hat, wenn sich selbst Sir Paul von der SVR abwendet, dann ist dies nicht mehr der uns bekannte Verein. Also #desisnetmeiverein.

In diesem Sinne beende ich meinen Beitrag diesmal mit einem Zitat, dessen Urheber unbekannt ist. Dieses kann man auf Fans, Sympathisanten und auch (langjährige) Sponsoren anwenden:

Trust takes years to build, seconds to break, and forever to repair.

 

Bilderquelle:
Paul Gludovatz: (c) GEPA
Thomas Weissenböck: (c) Daniel Scharinger

Die Kunst des Scheiterns

Julian Wießmeier von der SV Ried

Nach dem 0-1 in Wiener Neustadt liegt die SV Ried (der selbsternannte Aufstiegsfavorit #1) exakt 40 Tage vor Saisonende nur mehr auf dem 5. Tabellenplatz. Der Meistertitel wird nach Innsbruck gehen, Hartberg ist aufgrund der Form klarer Favorit auf den Vizemeistertitel (der gleichbedeutend mit dem Aufstieg ist). Wiener Neustadt ist nach dem Sieg im direkten Duell nun im Vorteil beim Kampf um den Relegationsplatz gegen St. Pölten. Diese werden nach der Verpflichtung von Didi Kühbauer ein ziemlich unguter Gegner sein.

Die Selbstdemontage beim ehemaligen Vorzeigeclub scheint kein Ende zu nehmen. Im Laufe der letzten beiden Monate wurde alles zerstört, was im Herbst mühevoll aufgebaut wurde.

Pausenloses Schönreden

Die neueste Edition der Rückrundentabelle zeichnet ein Bild des Grauens. Mit einem erbärmlichen Schnitt von 0.9 Punkten pro Spiel liegt man nur marginal über den 0.83 Punkten pro Spiel, die man in der Rückrunde der Abstiegssaison erreichen konnte.

Rückrundentabelle Erste Liga 2018

Nur der FAC (der im Kalenderjahr 2018 bisher ein Tor erzielen konnte: beim 1-1 in Ried) und der KSV haben weniger Tore erzielt. Rechnet man das Cup-Out gegen Rapid mit ein, dann wurde seit dem 17. November 2018 (das ist ziemlich genau fünf Monate her) nur eines von elf Spielen gewonnen. Der Bonus des besten Torverhältnisses wurde vollständig aus der Hand gegeben, mittlerweile hat Hartberg neben dem Vorsprung von sechs Punkten auch einen Vorsprung von fünf Toren, was den Abstand quasi auf sieben Punkte erhöht.

Und trotzdem nimmt das bereits unter Chabbi kritisierte pausenlose Schönreden der Ergebnisse kein Ende. Man sollte Chuzpe zeigen und klar formulieren, dass Punkteausbeute und Ergebnisse einfach nicht gut genug sind. Die ohne Zweifel fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen (gegen Wacker, gegen Hartberg und nun auch gegen Wiener Neustadt) werden thematisiert um vom viel wichtigeren Thema abzulenken.

Denn der Manager Schiemer müsste den Trainer Schiemer nach den „Leistungen“ gegen das inferiore Kapfenberg und das ebenfalls formschwache Wiener Neustadt eigentlich beurlauben. Doch man befindet sich bei weitem nicht nur in einer Ergebniskrise.

Moderner Fußball…?

Auch die Art des Fußballspielens ist einfach nicht anzuschauen. Wenn das moderner Fußball sein sollte, dann habe ich erstens keine Ahnung davon und will zweitens auch nichts damit zu tun haben. Der Versuch, den Red-Bull-Fußball nachzuahmen, ist für mich schon länger gescheitert. Früher wurde in Ried die Taktik stets an den vorhandenen Spielerkader angepasst (man erinnere sich nur an das 3-3-3-1 unter Paul Gludovatz), unter Schiemer wird hingegen der Kader der Taktik angepasst. Und was nicht passt, soll passend gemacht werden – wenn nötig auch mit der Dampfwalze.

Lediglich 13 Tage sind seit der Trainerentlassung von Lassaad Chabbi vergangen. Drei Spiele, vier Punkte und zwei Tore später ist augenscheinlich, dass der Vorarlberger vermutlich ein Bauernopfer der Vereinsführung rund um Franz Schiemer und Roland Daxl war. Die Entlassung war notwendig, aber folgende Fragen muss man sich mittlerweile stellen: konnte Chabbi seine Art des Fußballspielens nicht umsetzen, weil ihm ständig vom Sportdirektor dazwischengefunkt wurde? Oder war beim Amtsantritt von Chabbi fix definiert, welche Art von Fußball man in Zukunft spielen wolle? Dann mangelte es bei Chabbi aber an der notwendigen Kompatibilität. Summa summarum sind die Personalentscheidungen der letzten 15 Monate zumindest fragwürdig.

Schlechtes Timing als Vereinsphilosophie

Bei diesen stets im Fokus: Roland Daxl und Franz Schiemer. Im Februar 2017 wurde der Verein ohne wirklich notwendigen Anlass destabilisiert. Und zwar durch den Rauswurf von Langzeitmanager Stefan Reiter durch den Finanzvorstand. Dem Vernehmen nach hatte letzterer über längere Zeit hinweg am Stuhl des ersteren gesägt. Dies dürfte Reiter zunehmend entnervt bzw. aus dem Konzept gebracht haben, sodass er vielmals ratloser und handlungsunfähiger denn je erschien. Mitten im Abstiegskampf hatte Daxl damals phantasiert, dass man in naher Zukunft wieder um die Europacupplätze mitspielen wolle und daher ein belebendes Element brauche. Die Quittung für diesen Realitätsverlust kassierte man am Ende der Saison.

Das Timing bei dieser Entmachtung hätte schlechter nicht sein können – nur wenige Tage vor Beginn der Rückrunde stand der Verein plötzlich ohne seinen größten Kenner da. Als Nachfolger wurde von Daxl zur Überraschung aller Franz Schiemer ernannt, zu diesem Zeitpunkt als Co-Trainer in Liefering aktiv. Der unerfahrene Schiemer (um mich hier nicht der Tonalität von Georg L. anzunähern, verzichte ich auf das Wort „Lehrbub“) hatte in seiner Karriere zuvor noch keine strategisch verantwortliche Position bei einem Profiverein bekleidet.

Der damalige Trainer Christian Benbennek hatte nach dem Rauswurf von Reiter seine Rückendeckung im Verein verloren. Man war als Tabellenachter in die Winterpause gegangen, der Vorsprung auf das Schlusslicht Mattersburg betrug sechs Punkte. Nach einem verpatzten Start (dem Vernehmen zufolge hatte Schiemer mehrmals die Kabinenansprache für seinen de-facto entmachteten Trainer übernommen) wurde jedoch nicht nach einem 1-6 Heimdebakel gegen RB Salzburg reagiert. Nach einem solchen Spiel ist eigentlich kein Trainer mehr haltbar. Reagiert wurde erst eine Woche später nach einem 0-1 in der Südstadt gegen die Admira. Ich weiß bis heute nicht, was man sich damals in dieser Woche erwartet oder erhofft hatte.

Und dennoch wurde ein Jahr später der gleichen Fehler begangen. Lassaad Chabbi wurde nicht nach dem 1-3 gegen Wacker Innsbruck beurlaubt, sondern erst nach dem Sechspunktespiel in Hartberg, welches dann ebenfalls verloren ging. Schlechtes Timing (egal ob bei Aussagen oder Aktionen) wurde zur Vereinsphilosophie gemacht.

Keine Fehlerkultur

Doch nicht nur das Timing ist schlecht. Man gesteht auch keine Fehler ein. In der Halbzeitpause des Heimspiels gegen Wattens hat Daxl dem Pay-TV-Sender sky ein Fernseh-Interview gegeben. In diesem hat er eine persönlich positive Bilanz der letzten Jahre gezogen. Dies ist aus zweierlei Gründen verheerend. Zum einen gibt es das englische Sprichwort „There is no I in TEAM„, welches auf den Finanzvorstand offensichtlich nicht zutrifft. Und zum anderen ist dies doch extrem wundersam, wie man nach einem mitverschuldeten Abstieg und einem Katastrophenfrühjahr (der den Klub in eine existenzielle Krise führen könnte) auch nur irgendwie von einer positiven Bilanz sprechen kann.

Das Nichteingestehen von Fehlern trifft übrigens nicht exklusiv auf Daxl zu. Auch von Schiemer hat man bisher kaum ein selbstkritisches Statement gehört (das Schönreden wurde bereits thematisiert) und auch Chabbi hatte vor seiner Entlassung (zumindest in der Außendarstellung) eine zweifelhafte Beziehung zur fußballerischen Realität.

Grad darf keine Option sein

Bei einem Nichtaufstieg ist Daxl übrigens mit ziemlicher Sicherheit weg – dies hat er am 23. Februar in einem Interview mit den OON angekündigt. In diesem Szenario würde wohl ein massiver Umbruch im Vorstand eingeleitet werden. In der letzten Woche hat ein großes Boulevardblatt über ein finanzielles Interesse von Franz Grad an der SV Ried berichtet. Für alle Menschen, die sich mit Fußball eher wenig befassen: wo auch immer der 79-jährige in den Fußball eingegriffen hat, wurde nichts als verbrannte Erde hinterlassen.

Franz Grad SV Ried

Der Totengräber des Fußballs in Oberösterreich ist für die de-facto Auflösung des FC Linz (nach der „Fusion“ mit dem LASK), für die Übersiedelung des FC Pasching nach Klagenfurt und die Eliminierung des Traditionsvereins St. Magdalena verantwortlich. Und demnächst werden wohl auch im beschaulichen Oedt die Lichter ausgehen.

Selbst wenn davon gesprochen wird, dass es sich um „reines Sponsoringinteresse ohne aktiver Rolle im Verein“ handelt – dieser Mann würde seine Finger trotzdem im Spiel haben – egal was er behauptet. Bevor man einen Pakt mit dem Teufel eingeht, ist es besser, dieser Verein tritt den Gang in die Fünftklassigkeit an. Kommt Grad, gehe ich. Und da bin ich nicht der Einzige.

Das Vertrauen ist weg

Apropos gehen. Die Vorfreude auf Heimspiele ist mittlerweile inexistent. Mittlerweile scheut man den Freitagabend, ähnlich wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Die Geisterstimmung beim Match gegen Wattens war deprimierend und wird am kommenden Freitag gegen Austria Lustenau wohl ein Revival finden. Natürlich werde ich bei den fünf verbleibenden Heimspielen im Stadion anwesend sein, dies hat aber mehr mit Freunden und Bekannten zu tun als mit dem Verein an sich.

Ich habe im Lauf der letzten Wochen mit vielen langjährigen Anhängern gesprochen – Ratlosigkeit, Verzweiflung und Wut über die aktuelle Situation waren lange Zeit prädominante Gefühlslagen.

Doch mittlerweile ist es noch schlimmer. Ein Freund, West-Kollege und langjähriger Fan, der die SVR ebenfalls schon zu Landesligazeiten begleitet hat, ist im Grunde der größte Optimist den ich kenne. Dieser hat am Freitag attestiert, dass ihm mittlerweile alles gleichgültig ist. So sehr haben die letzten 15 Monate geprägt und selbst den größten Optimisten gebrochen.

Das Band des Vertrauens zwischen dem Verein und mir ist nach mehr als einem Vierteljahrhundert bedingungsloser Unterstützung zum ersten Mal (zumindest temporär) zerschnitten. Die verantwortlichen Akteure (auf dem Platz, in den Logen) haben ihren Kredit vollständig aufgebraucht. Selbst ein unvorhergesehener Erfolgslauf würde dies nur mehr marginal beeinflussen. Denn selbst wenn der Aufstieg noch gelingen sollte (womit ich derzeit nicht rechne), ginge man vermutlich ohne die dazugehörige Euphorie in die kommende Saison.

Eure letzte Chance

Ich weiß mittlerweile, dass meine Gedanken auch ihren Weg zum Vereinsgebäude am Volksfestplatz 2 finden.  Daher will ich abschließend noch einen Hinweis platzieren und ändere dabei die Ansprache:

Ihr habt noch acht Runden Zeit, um das Worst Case Szenario abzuwenden. Es brennt lichterloh. Wir wollen keine Plattitüden mehr hören sondern nur mehr Taten auf dem Platz sehen. Wenn ihr versagt, werdet ihr als Hauptakteure der womöglich dunkelsten Stunde in die Rieder Vereinsgeschichte eingehen. Und dies wird man euch nicht vergessen.

Update 16. April 2018

Dem Vernehmen nach steht Frenk „Frenkie“ Schinkels als neuer Trainer ante portas. Der gebürtige Rotterdamer war zuletzt als Sportdirektor bei St. Pölten im Einsatz, diese Position bekleidet er derzeit bei Krems in der Regionalliga Ost. Wie es scheint, bleibt uns Riedfans derzeit wirklich nichts erspart. Aber wie heißt es so schön im österreichischen Welthit aus 2013? „Never give up, never give up, machmal kommt es knüppelhart„.

 

Titelbild: (c) GEPA-Pictures via nachrichten.at
Franz Grad: (c) 
ligaportal.at/Heiduck/LUI

Grace Under Pressure

Fußball auf Rasen

Today I looked for the quittance of the postal office in order to verify my claims for the money from the Keane-ticket I had sold four weeks ago. With its help I was able to look up the way of transportation of the ticket via the Internet-page of EMS. And guess what – I was right and he was wrong, the ticket had been delivered right in time, 30 minutes before noon on the 18th of March. Well, bad luck for him, but as far as he completes the bank transfer I am quite satisfied.

Tomorrow I have got an appointment at the oral surgeon, he has to remove the sutures deriving from my wisdom teeth surgery last week. Furthermore I will arrange an appointment for the next surgery – the one of my left jaw, which will be great fun because my wisdom tooth in the lower left jaw underlies the gingival. That means he has to cut it off with a scalpel first – another job for those marvellous painkillers I will get by recipe again. Alright, have to stop talking about it now, since the pain descending from my right jaw has disappeared some days ago, I can enjoy everyday life pretty well again and so I wanna do until the next surgery.

Right now I am back in Ried – because of the reason mentioned before, but I have to get back to Salzburg tomorrow at about 10am again because of some lectures. After that we’ll practice for the OÖ-football-tournament next week in Hagenberg, where our FH will participate as a guest team from another federal state. I am looking forward to playing out in the grass again – football in the hall is quite funny, but it’s just – as said before – football in the hall. As you may have already recognized, football plays some role in my life. I watch approximately 250-300 matches every year, a combination of live football and football on TV. If somebody would ask me for the best three matches I have ever seen, I gave him following answer:

Live at a stadium:

  1. SV Ried vs. FC Tirol Innsbruck 5:0 (1999 – Tirol was leading the table and unbeaten since that day, the standing at half time break was 0:0 – in the 2nd half we sent them back to the Alps)
  2. GAK vs. SV Ried 3:2 (2004 – although we lost, it was a heroic fight against 12 opponent players, including the referee, against the later Austrian champion and cup winner)
  3. SV Ried vs. FC Linz 1:0 (1995 – maybe not a great match, but maybe the most important in the history of Ried, a thrilling game that secured us the place in the Austrian Bundesliga)
  4. LASK vs. SV Ried 0:1 (2004 – first victory against the arch enemy on their own territory – sealed by a header after a corner kick in the first minute of injury time – right in front of the fans from Ried)
  5. SV Ried vs. Austria Wien 1:0 (2003 – the big city against the small village. 25 millions against 4 millions. glorious win against the later champion, even if it was a bit lucky)

Live on TV:

  1. Chelsea vs. Vicenza Calcio 3:1 (1998 – cup of cupwinners, semifinals. Chelsea needed a 2-0 after a 0-1 loss in Vicenza. At the standing of 1-1 it was maybe one of the fastest played games I ever saw)
  2. Czech Republic vs. Netherlands 3:2 (2004 – the best game during the EM in Portugal – by far – after trailing a 0-2, our neighbours came back and turned the game to their favour)
  3. Arsenal vs. Manchester United 2:4 (2005 – unbeaten at Highbury, the Gunners suffered a defeat that was highly impressive because of the strength and the will United had shown that day)
  4. Manchester United vs. Bayern Munich 2:1 (1999 – the legendary Champions League final where the Germans were in front until injury time – losing it thanks to two goals after corner kicks in the 91st and 93rd minute)
  5. Can’t think of a fifth match right now, probably I will complete this line later.

Gotta go now, need to see Bayern Munich losing against Chelsea (even though I don’t like the Blues neither).

* quotation in the topic by Ernest Hemingway