Schiemer und Weissenöck

tl;dr – Thomas Weissenböck ist am 12. November als Cheftrainer der SV Ried zurückgetreten. Nach einer wochenlangen Offensiv- und Ergebniskrise ist der Aufstieg in die Bundesliga bereits im November in höchster Gefahr, der Abstand zum (aktuell einzigen) Konkurrenten aus Wattens liegt bei 6 Punkten. Wieder einmal war nur für wenige Monate Ruhe im Innviertel eingekehrt.


Es ist fast auf den Tag genau drei Monate her, als ich zum ersten Mal seit (gefühlten) Jahren einen positiven Beitrag über die SV Ried veröffentlicht hatte. Die SV Ried ist wieder ein Team hieß es von meiner Seite am 12. August 2018. Dieses Hochgefühl hielt auch danach noch einige Wochen an, denn Anfang September zeigte sich das nachfolgende Tabellenbild in der 2. Liga:

Formtabelle 2. Liga August 2018

Als eine von zwei ungeschlagenen Mannschaften der Liga hatte man zum damaligen Zeitpunkt die vermeintlich größten Titelrivalen aus Wattens (2-1) und Liefering (3-0) in die Schranken gewiesen. Besonders die Leistung an einem 35°C heißen Sonntagvormittag gegen Wattens hatte es allen Anhängern der SVR angetan. Durch viel Leidenschaft, Kampfgeist und auch spielerische Klasse konnten die Kristall-Buam mit einer Niederlage nach Tirol heimgeschickt werden. Man hatte das untrügliche Gefühl, dass im Innviertel wieder ein zartes Pflänzchen am gedeihen war.

Kaum jemand konnte zu diesem Zeitpunkt erahnen, dass nur drei Monate später eine Herbstdepression im Innviertel vorherrschen würde. Vergleicht man nämlich den Saisonstart mit den acht nachfolgenden Runden, so zeigt sich ein völlig konträres Tabellenbild:

SV Ried Formtabelle November 2018

Seit der Länderspielpause im September hat man neun Punkte gegenüber Wattens verloren, acht Punkte gegenüber BW Linz (die jedoch auf den Aufstieg verzichten und deswegen kein echter Konkurrent sind). Von acht Spielen wurden gleich drei verloren. Am unglaublichsten ist allerdings der Fakt, dass man mit einer reinen Profimannschaft mit vielen bundesligaerfahrenen Spielern seither die wenigsten Tore der Liga erzielt hat.

Ein Torverhältnis von 7:6 in acht Spielen erinnert an eine durchschnittliche Catenaccio-Mannschaft aus der Serie A der späten 80er-Jahre. Durch die drei Gegentore am Freitag im Heimderby gegen BW Linz kann man nicht einmal mehr auf die beste Defensive der Liga verweisen, auch dieses Prädikat muss man sich mittlerweile mit Wattens teilen (die aber gleichzeitig 12 Tore mehr erzielen konnten).

Daher kam kam die Pressemeldung der SV Ried am Nachmittag des 12. November 2018 (zumindest für mich) nicht ganz überraschend.

Nach 208 Tagen (bzw. 25 Spielen) trat Thomas Weissenböck freiwillig als Chefcoach der SV Ried zurück. Man muss ihm diese Entscheidung persönlich hoch anrechnen, denn (bei weitem) nicht jeder Trainer hätte zu diesem Zeitpunkt eine solche Entscheidung getroffen. Als Begründung gab er an, „der Mannschaft keine Impulse mehr geben zu können“.

Die schwachen, teilweise lethargischen Leistungen der vergangenen Wochen sind auch ein schlagkräftiges Indiz für seine Aussage. Mich hat zudem ziemlich verärgert, dass das unterirdische 0-0 bei Austria Klagenfurt mit „fehlender Spritzigkeit“ nach drei Spielen in einer Woche argumentiert wurde – in einer Saison mit so wenigen Pflichtspielen wie nie zuvor.

Auch waren einige Entscheidungen (wie etwa die kurzfristige Umstellung auf eine Dreierkette mit Thomas Reifeltshammer als linken Verteidiger gegen BW Linz, oder aber die Umstellung von Dreierkette auf Viererkette mit Flavio Dos Santos in der Startelf gegen den FAC) von außerhalb nur schwer nachzuvollziehen.

Nebenbei war bis zuletzt keine spielerische oder taktische Weiterentwicklung erkennbar – eher im Gegenteil, die Leistungen wurden zuletzt immer dürftiger obwohl zuletzt erstmalig der gesamte Kader zur Verfügung stand. Deswegen hat Weissenböck auch mein persönliches Vertrauen, das Ruder noch herumreißen zu können, im Laufe der letzten Wochen verloren.

Der gebürtige Grieskirchner wird den Verein jedoch nicht verlassen, sondern in das 2. Glied zurück rücken und wieder im Nachwuchs der SV Ried tätig sein. Auch dies ist für mich eine gute Entscheidung, weil Weissenböck zweifelsohne ein harter Arbeiter ist, welcher über die letzten Jahre hinweg auch nachhaltige Arbeit im Nachwuchsbereich geleistet hat und dort nicht mehr im Rampenlicht steht.

In die Rolle des Cheftrainers wurde er nach dem Hinauswurf von Lassaad Chabbi mehr oder weniger hinein gedrängt, auch weil Sportdirektor Franz Schiemer sich im Frühjahr von allen anderen Kandidaten nur Absagen einfing. Zu dieser Farce („Schinkels-Gate“) habe ich damals meine klare Meinung abgegeben.

Im Sommer kam es für viele nach dem verpassten Aufstieg auch überraschend, dass Weissenböck trotzdem den Vertrauensbeweis erhielt und das Amt weiterhin ausführen durfte. Dies wurde mitunter auch als Indiz für eine vermeintlich schwierige finanzielle Lage des Vereins nach dem kolportierten „All-In-Poker“ rund um den Aufstieg angesehen.

Für die Kaderplanung zeichnen sich andere verantwortlich

Anders als die Oberösterreichischen Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 13. November behaupten, muss Weissenböck in den Augen vieler Fans jedoch nicht als Alleinschuldiger für die sportliche Ergebniskrise im Herbst herhalten.

Es waren nämlich immer noch Roland Daxl und die anderen Vorstandsmitglieder, die im Februar 2017 den Novizen Franz Schiemer in einer schwierigen Situation zum neuen Sportdirektor bestellt hatten. Und es sind immer noch der Finanzvorstand und der Sportdirektor, welche den Kader der Vorsaison und der aktuellen Saison zusammengestellt haben.

Dabei wurden auch heuer wieder einige fragwürdige Entscheidungen getroffen. Mit Thomas Fröschl wurde etwa ein verdienter Spieler, welcher die Rieder Tugenden beispielhaft symbolisiert hat, im Sommer kommentarlos gegangen. Und genau solche Fußballarbeiter fehlen im aktuellen Kader. Ebenso fehlt ein Leadertyp oder Routinier in Defensive und/oder Mittelfeld, welcher den jungen Teamkollegen in schwierigen Situationen am (und auch neben dem Feld) sagen kann, wo es lang geht.

Im letzten Winter ließ man Marko Stankovic nach Indien ziehen, was sich im Nachhinein als Fehler entpuppte. Mit Cabrera, Mader, Grünwald (und auch Dober) verfügt Wattens übrigens gleich über mehrere dieser Spielertypen, welche für eine gute Balance mit den jungen Talenten sorgen.

Doch man muss nicht weiter als nach Linz blicken. Wie man für einen Umbruch binnen eines Sommers sorgen kann, hat BW Linz heuer mit einer Mischung aus arrivierten Oberösterreichern (Hartl, Fröschl, Grasegger) und talentierten Legionären (Canillas, Alan) bewiesen. Wie man Mario Ebenhofer (letzte Saison bei Wiener Neustadt 5 Tore und 10 Assists) als Tabellenletzter der Vorsaison ohne Gegenwehr ablösefrei verpflichten konnte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Wie auch immer, in Ried wäre ein ähnlicher Umbruch im Sommer wohl an den (vergleichsweise) hochdotierten Bundesliga-Verträgen von Derzeit-Nicht-Leistungsträgern wie Wießmeier, Ziegl oder Reifeltshammer gescheitert, welche [also die Verträge] man mitschleppen muss. Immerhin konnte man im Sommer das Gehalt von Thomas Gebauer an den LASK abgeben und dafür mit Johannes Kreidl eine ohnehin jüngere und bessere Nummer Eins verpflichten.

SV Hollywood Ried

Apropos LASK. Jahrelang (jahrzehntelang) nahmen die Linzer dankenswerterweise die Rolle des FC Hollywood Oberösterreich ein: Die Affäre rund um Wolfgang Rieger, die „Fusion“ mit dem FC Linz, der Abstieg 2001 (inkl. sechs Jahren in der Zweitklassigkeit), die Präsidentschaft von Peter-Michael Reichel, der erneute Abstieg 2011, der Zwangsabstieg in die Regionalliga im darauf folgenden Jahr, der Nichtaufstieg in die Bundesliga als Aufstiegsfavorit – zwischen 1998 und 2015 sorgten die Linzer für viel (Schaden-)Freude unter den Anhängern der SV Ried.

In der gleichen Zeit holte die SV Ried zweimal den österreichischen Pokal, wurde Vizemeister der Bundesliga, spielte mehrfach im Europacup und galt in der Ära Paul Gludovatz unter vielen Experten aufgrund jahrelanger kontinuierlich guter Arbeit sogar als inoffizieller Bestandteil der „Top 5“ der Bundesliga (neben Rapid, Salzburg, Sturm und Austria).

Doch wie bereits erwähnt schlägt das Pendel seit wenigen Jahren (massiv) in die andere Richtung. Seit der Übernahme der Linzer durch die Freunde des LASK leistet man in Linz (bzw. Pasching) kontinuierlich gute Arbeit. Dies muss man bei aller Abneigung anerkennen.

Seit der Abgang von Oliver Glasner von Ried zum Erzrivalen nach Linz am Pfingstwochenende 2015 an die Öffentlichkeit drang, entfernen sich beide Mannschaften diametral zueinander. Der LASK ist aktuell die zweitbeste Mannschaft Österreichs. Handschrift, Taktik und Konzept des Trainers sind stets klar erkennbar. Die Kaderplanung von Glasner (der ebenfalls Sportdirektor ist) war während der letzten Jahre nahezu unfehlbar (Goiginger, Trauner, Joao Victor usw.) – in etwa wie dies vor einem Jahrzehnt noch bei Stefan Reiter in Ried der Fall war.

Seit die ehemalige Ried-Legende das Traineramt bei den Linzern übernommen hat, haben Trainer in Ried circa die gleiche Lebenszeit wie eine Heuschrecke. Schwarz auf weiß untermauert dies eine nachfolgende Aufstellung der Trainer, welche seit Mai 2015 (das sind 42 Monate) in Ried im Amt waren (vielen Dank an den ASB-User „meniqo“ für diese detaillierte Aufstellung):

Trainer Amtsdauer Punkteschnitt
Thomas Sageder (Interim) 6 Tage (1 Spiel) 1.00
Helgi Kolvidsson 76 Tage (6 Spiele) 0.76
Paul Gludovatz II 274 Tage (33 Spiele) 1.33
Christian Benbennek 272 Tage (25 Spiele) 0.92
Lassaad Chabbi 397 Tage (42 Spiele) 1.55
Franz Schiemer (Interim) 16 Tage (3 Spiele) 1.33
Thomas Weissenböck II 208 Tage (25 Spiele) 1.88
Miron Muslic (Interim) ??? ???

Selbst wenn man die Interimslösungen aus der Gleichung nimmt, kommt man immer noch auf fünf verschiedene Trainer in knapp dreieinhalb Jahren. Kontinuität Fremdwort, wie Wolf Haas es vielleicht formulieren würde. Doch wer ist an dieser fehlenden Kontinuität der „neuen Nummer 3“ von Oberösterreich nun wirklich verantwortlich?

Aus viel wird wenig gemacht

Bis jetzt ist (zumindest offiziell) nicht klar, was das heurige Saisonziel ist. Mitunter hat man als Saisonziel eine „Entwicklung“ (ugh) der Mannschaft genannt. Mit dem höchsten Gesamtbudget der Liga sollte man jedoch zumindest im November noch annähernd um den Titel mitspielen. Dies ist aktuell nicht der Fall. Weder tabellarisch und spielerisch schon gar nicht.

Fun fact: seit dem Abstieg war die SVR in exakt 50 Ligaspielen auch 50x der Quotenfavorit auf den Sieg bei den Wettanbietern (Quelle = bwin). Dies kommt nicht von ungefähr – letzte Saison verfügte man über den teuersten Kader der Liga und auch heuer befindet man sich auf einer Stufe mit Wattens (lt. Schiemer verfügt man über das zweithöchste Kaderbudget nach den Tirolern).

An dieser Stelle muss auch die verhältnismäßig überragende Infrastruktur angeführt werden, welche man in Ried vorfindet: ein voll-überdachtes Stadion mit Rasenheizung in Vereinsbesitz, eines der modernsten Trainingszentren in Österreich, eine Nachwuchsakademie. Nicht nur in der 2. Liga sondern sogar auch in der Bundesliga würde man hiermit aktuell weit vorne mitspielen. Doch Infrastruktur schießt ebenso wie Geld keine Tore.

Wenn von den äußeren Bedingungen her alles passt, dann muss man sich die Entscheidungsträger genauer ansehen. Die allgemeine Kritik und Unzufriedenheit fokussiert sich immer wieder auf den Finanzvorstand Roland Daxl, den so genannten „starken Mann“ der SV Ried. Mehreren Quellen zufolge kam es am vergangenen Freitag nach dem Derby im VIP-Club der josko Arena bis in die frühen Morgenstunden zu (freundlich ausgedrückt) intensiven Diskussionen zwischen VIP-Club-Besuchern und den Vorstandsmitgliedern Daxl sowie Thomas Gahleitner.

Während der vergangenen Saison hatte ich Daxl und auch Sportdirektor Franz Schiemer in meinen Blogartikeln mehrmals (stark) kritisiert. Vor allem, weil vor Saisonbeginn ein nahezu unmenschlicher Erfolgsdruck auf die Mannschaft auferlegt wurde, an dem man letztendlich zerbrach.

Heuer hat man diese Taktik um 180° geändert, aus Erfolgsdruck wurde (zumindest in der Kommunikation nach außen) Montessoripädagogik. Denn von Daxl hört und liest man gar nichts mehr, von Schiemer kamen zumeist nur lapidare Kommentare. So nach dem Motto „sind eh alle brav“.

Es ist offenbar nicht möglich, Ergebnisse oder Entwicklungen in der Außenkommunikation halbwegs realistisch einzuschätzen. Kein Mensch mit Affinität für die SVR (weder Anhänger noch Sponsor) glaubt der Führungsriege, wenn behauptet wird, dass man mit dem aktuellen 3. Platz zufrieden sei.

Wer hat Angst vor den Amateuren? (Wir)

Zum Thema Außenkommunikation: in der Woche vor dem Cup-Ausscheiden gegen Wiener Neustadt wurde die Defensive in den Himmel gelobt – blieb man doch immerhin sechsmal en suite ohne Gegentor. Dass man in den letzten vier dieser sechs Spiele jedoch selber nur zwei Tore erzielen konnte, wurde beiläufig unter den Tisch gekehrt.

Die Gegner in diesen vier Spielen lauteten Wacker Innsbruck II, SV Lafnitz, Austria Lustenau und Austria Klagenfurt. Das sind drei Aufsteiger und zwei Halbprofiteams. Der Sieg gegen Wacker II fiel letztendlich glücklich aus, selbiges gilt für die beiden inferioren Auswärtsspiele in Lafnitz und Klagenfurt, welche jeweils mit 0-0 endeten. Lediglich (ausgerechnet?) beim 1-0 gegen Lustenau wurde eine wirklich ansprechende spielerische Leistung geboten.

Für mich grenzten diese Aussagen daher teilweise an Realitätsverweigerung (noch dazu von einem Sportdirektor wie Schiemer, der vergangene Saison noch RB-Offensiv-Power-Fußball spielen lassen wollte).

Generell zieht sich das „Amateurproblem“ durch die gesamte Saison. Von sieben Spielen gegen Amateurteams konnten nur die Heimspiele gegen Horn und Wacker II gewonnen werden. In Steyr, Amstetten, Lafnitz und Klagenfurt setzte es jeweils Unentschieden, gegen die Young Violets Austria Wien verlor man zuhause sogar.

Die möglichen Gründe für den Leistungsabfall gegenüber den Spielen gegen Topteams (gegen Wattens, Liefering, Kapfenberg, Austria Lustenau und Wiener Neustadt konnte man jeweils gewinnen) kann man sich wohl bis heute nicht erklären.

Hat man die vermeintlich schwächeren Gegner unterschätzt? Kommt man mit einer Dorfplatz-Atmosphäre (wie in Lafnitz) nicht zurecht? Hat man sich von den teilweise hart agierenden Mannschaften die Schneid abkaufen lassen? Hat man die Gegner nicht gut genug oder oft genug beobachtet? Fragen über Fragen – was auch immer die richtige(n) Antwort(en) sind, für viele dieser Ergebnisse kann ich dann Thomas Weissenböck doch nicht aus der Verantwortung nehmen.

Die eigenen Amateure

Im schlimmsten Fall geht man aufgrund dieser unterdurchschnittlichen Ergebnisse mit einem Rückstand von neun Punkten (und dem schlechteren Torverhältnis) gegenüber Wattens in die dreimonatige Winterpause. Sollte man in der zweiten Runde des Frühjahres das direkte Duell in Tirol verlieren, so kann man bereits Ende Februar für die nächste Saison in der Zweitklassigkeit planen.

Ob man am Ende der Saison Platz 2 oder Platz 13 belegt, spielt in dieser Liga keine Rolle. Und sollte der vorher genannte worst case eintreten, so kann man nur auf einen radikalen Umbruch im Team hoffen. Dass man Mannschaften binnen kurzer Zeit auch (wirklich) weiterentwickeln kann, beweist heuer Miron Muslic (siehe Foto unten) bei den Ried Amateuren (ich verbitte mir den Ausdruck „Junge Wikinger„).

Miron Muslic

Nachdem man vergangene Saison unter Florian Königseder dem Abstieg erst in der allerletzten Runde entgehen konnte, so spielt die (verjüngte) Truppe des gebürtigen Tirolers heuer um den Titel mit. Mit 29 Punkten zur Winterpause liegt man nur um 3 Punkte hinter dem Endwert der vergangenen Saison.

Wer den Ried Amateuren heuer einmal (oder mehrmals, wie in meinem Falle) bei der Arbeit zugesehen hat, der weiß bei welcher Mannschaft im Herbst in der josko Arena der bessere Fußball gespielt wurde. Aggressiver, direkter Offensivfußball mit einstudierten Spielzügen führten zu bemerkenswerten Ergebnissen wie einem 7-0 gegen Weißkirchen, einem 1-1 gegen den übermächtigen Meister aus Oedt oder zuletzt einem 2-1 gegen den Fast-Herbstmeister von Donau Linz.

Deswegen bin ich auch auf die kommenden (Trainings-)Tage in Ried gespannt. Unter Interimstrainer Muslic wird nämlich dort ein anderer Wind wehen – basierend auf den sechs Spielen welche ich im Herbst gesehen habe, steht er nämlich ab und zu nicht an der Seitenlinie, sondern er brodelt wie ein Vulkan. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich einige vermeintliche Stammspieler im letzten Spiel der Hinrunde gegen die OÖ Juniors nicht im Kader wiederfinden werden.

Und sollte es ab März wirklich nur mehr um die Goldene Ananas gehen (unter welchem Cheftrainer auch immer), dann kann man nur hoffen, dass Nachwuchstalente wie beispielsweise Belmin Cirkic (ein technisch überragender Spielmacher mit Freistoßqualitäten), Felix Seiwald (linker Verteidiger) oder Daniel Pointner (defensiver Mittelfeldspieler) vermehrt zum Einsatz kommen und dafür Profi-Treibholz (ich will hier keine Namen nennen) abgegeben wird.

Denn im Gegensatz zu einigen lethargischen Profis geben diese Nachwuchsspieler jedes Mal 90 Minuten Vollgas für ihre Mannschaft und sind dem Verein auch (viel tiefer) verbunden. Abgesehen davon will ich aus dem aktuellen Profikader auch Johannes Kreidl (22) sowie Constantin Reiner (21), Kennedy Boateng (21), Arne Ammerer (22) und Ante Bajic (23) positiv hervorheben. Bei diesen Spielern hat man immerhin das Gefühl, dass sie nicht stagnieren (oder abbauen) – ganz im Gegenteil zu den so genannten Ried-Urgesteinen oder fast allen verbliebenen Neuverpflichtungen aus der Ära Chabbi.

Die Zuschauer bleiben da

Der (im Endeffekt völlig verdiente) Abstieg vor zwei Jahren war ein Tiefpunkt der Rieder Fußballgeschichte. Dieser wurde im vergangenen Jahr vom Nichtaufstieg jedoch noch einmal (im negativen Sinne) getoppt. Doch ganz egal wo gespielt wird: „Ob erste oder zweite Liga – wir sind alle treue Rieder“ heißt es in einem bekannten Fangesang. Und dieser Inhalt wird nicht nur gesungen, denn auch heuer halten die (meisten) Anhänger der SV Ried weiterhin unerbittlich zu ihrer Mannschaft. Dies beweist ein Blick auf die Zuschauerzahlen der aktuellen Saison:

2. Liga 2018/2019 Zuschauer

Mit einem Zuschauerschnitt von 3.424 Zuschauern nach sieben Heimspielen hat man bei jedem Heimspiel im Schnitt 1.400 Zuschauer mehr als der zweitbeste Verein aus dieser Aufstellung. Auf die gesamte Liga gerechnet waren sogar 19% der Gesamtzuschauer der bisherigen Saison in der josko Arena zu Gast.

Der aktuelle Schnitt übertrifft auch jenen der Admira und Mattersburg aus der Bundesliga, vom Sensationsaufsteiger aus Hartberg und der Überraschungsmannschaft aus St. Pölten ist man nicht weit entfernt. Im Gegensatz zu den Bundesligisten durfte man in Ried jedoch nicht Rapid, Salzburg oder den LASK begrüßen, sondern Horn, Young Violets und Liefering.

Es ist durchaus bemerkenswert, wie treu und leidensfähig eine Vielzahl an Anhängern ist. Nach der zweiten Chance (nach dem Abstieg) gaben die meisten der Mannschaft und Verein auch heuer eine dritte Chance (nach dem verpassten Wiederaufstieg). Ob es jedoch eine vierte Chance geben wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Denn auch Leidensfähigkeit und Geduld der treusten Fans haben irgendwann ihr Ende. Bereits vergangenen Freitag hallten „Trainer raus“ und „Schiemer raus“ Sprechchöre durch das Stadion. Der Unmut und die Unzufriedenheit unter den Fans (und Fanclubs) ist aktuell auf einem noch nie da gewesenen Level. Dies bemerkt man bei jedem Gespräch mit langjährigen Ried-Anhängern. Eine Mischung aus Resignation und Wut hat sich im Laufe der vergangenen Wochen im Innviertel breit gemacht.

Vor allem das völlig unnötige Cup-Out im Heimspiel gegen Wiener Neustadt (mit einem Mann mehr am Platz hat man beim Stand von 1-1 einen Elfmeter verschossen und anschließend noch verloren) war bezeichnend für die aktuelle Situation des Vereins. Hier wurde fahrlässig ein etwaiges Heimspiel gegen Rapid, Salzburg oder den LASK verspielt. Ein volles Stadion hätte neben dem Startgeld und TV-Geldern einen segenreichen Obolus in sechsstelliger Höhe für die Vereinskasse bedeutet.

Quo vadis SV Ried, schon wieder.

Fehlende bzw. sinkende Zuschauereinnahmen sind (neben fehlenden TV-Geldern) auch ein großes finanzielles Problem für die SV Ried. Im Laufe der letzten Tage habe ich auch Gerüchte vernommen, dass die Saison 2018/2019 zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht ausfinanziert sei. Die Substanz hinter diesen Gerüchten kann ich freilich nicht verifizieren.

Aufgrund der diversen Ausgangsbedingungen der 2. Liga dürfte es allerdings nicht einfach sein, den Profibetrieb (auf mittelfristige Sicht in der Zweitklassigkeit) aufrecht zu erhalten.

Im vergangenen Sommer wurde der Sparstift notgedrungen nicht nur bei der Kaderplanung angesetzt, sondern u.a. auch bei Angestellten (z.B. Co-Trainer, Nachwuchstrainer) oder etwa Auswärtsspielen (bei kürzeren Anreisen verzichtet man auf die Anreise am Vorabend inkl. Übernachtung). Welche Konsequenzen ein erneuter Nichtaufstieg auf die kommende Saison haben würde, will ich mir derzeit (noch) nicht einmal vorstellen.

Denn wäre der Aufstieg letzte Saison theoretisch so leicht wie nie zuvor (zwei Aufstiegsplätze, ein Relegationsplatz) realisierbar gewesen, so wäre es heuer ebenfalls noch relativ einfach (gewesen?). Ab kommender Saison wird der Aufstiegskampf wieder deutlich schwieriger werden, mit der Admira, Altach, Mattersburg oder Innsbruck (diese Vereine sind am wahrscheinlichsten) wird die Liga nämlich wieder durch einen namhaften Verein bereichert werden.

Ein zweiter namhafter Gegner wird höchstwahrscheinlich GAK heißen, die Grazer liegen derzeit mit Respektabstand an der Tabellenspitze der Regionalliga Mitte. Durch den Absteiger aus der Bundesliga, BW Linz, Austria Lustenau und dem GAK würde man kommende Saison dann wohl auch zum ersten Mal nicht mehr der (Quoten-)Favorit auf den Aufstieg sein.

Im Februar 2017 wurde als mittelfristige Zielsetzung eine Rückkehr in den Europacup angestrebt. Knapp eineinhalb Jahre und viele unglückliche Entscheidungen später ist die SV Ried hingegen so weit entfernt vom Europacup wie schon seit 28 Jahren nicht mehr. Die kommenden Monate und Entscheidungen der Vereinsverantwortlichen werden es zeigen, ob das Fußballwunder Ried (zumindest vorerst) Geschichte ist oder doch noch ein neues Kapitel geschrieben werden kann.

 


Quellenangabe:
Titelbild: (c) Foto Scharinger
Bild von Miron Muslic: https://theworldnews.net/at-news/druck-fur-thomas-weissenbock-wurde-zu-gross
Screenshot Formtabellen: transfermarkt.at

Screenshot Zuschauerschnitt: weltfussball.at

 

Stadion Lafnitz

„Oben (in der Bundesliga, Anm.) ist es Freizeitdienstleistung, Glitzer, Glamour, Show, Schampus und Scampi. Unten ist es Leberkäse und Bier.“
Bundesligavorstand Reinhard Herovits, 24. Juli 2018

Gleich mal vorweg: wenn man bodenständige Vereine wie Mattersburg, Hartberg oder die Admira betrachtet, dann sind Schampus und Scampi in dieser Aussage genau so deplatziert wie Skirennen im Oktober. Und wenn die 2. Liga heuer Leberkäse und Bier symbolisieren soll, dann handelt es sich dabei mehrheitlich um abgestandenes Bier und Leberkäse über dem Verfallsdatum.

Nach diesem etwas polemischen Einstieg in meinen Blogbeitrag gehe ich sofort in medias res. 12 von 30 Runden der „neuen“ 2. Liga sind absolviert, Grund genug mir die augenscheinlichsten Trends und Auffälligkeiten der letzten vier Monate anzusehen.

Ein Disclaimer vorweg: es handelt sich dabei um meine persönliche Meinung, welche durch Empfindungen, Gesprächen mit anderen ligainteressierten Menschen und Artikeln untermauert ist.

Zurück ins 20. Jahrhundert

Besonders schlimm ist der technische Rückschritt beim Übertragungsstandard. 2003 hat sky (damals noch als Premiere) die zweithöchste Spielklasse als Red Zac Erste Liga (später ADEG Erste Liga, noch später skyGo Erste Liga) in ein neues Zeitalter gehievt. Von einer Saison auf die andere gab es plötzlich Liveübertragungen von allen Spielen, fixe Spieltermine am Freitag um 18:30 bzw. 20:30 und kompetente Kommentatoren bei jedem Spiel. Die Liga wurde zur Marke, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Bundesliga wurde gesteigert und dadurch konnten die Aufsteiger in die Bundesliga auch meistens unmittelbar auftrumpfen – egal ob jetzt Grödig bzw. Altach unter Hütter, Ried unter Hochhauser oder der WAC unter Bjelica.

Der Ausstieg von sky aus der 2. Liga war für mich persönlich mehr als verständlich. Weder das Ligaformat noch die Vereinsstruktur kann als Premiumprodukt bezeichnet werden (und soll es auch nicht gemäß Herovits-Aussage). Die Laola1-Streams der Spiele sind zwar nett gemeint, meistens aber technisch ungenügend (auch mit Premium-Abo) umgesetzt (mit zwei Kameras und Übertragungsrucksack). Die Qualität des Kommentars ist im Vergleich mit den Kapazundern von sky wie etwa Trukesitz, Paternina oder Konrad leider ungleich schlechter (und teilweise werden auch halblustige Kabarettisten als „Experten“ verpflichtet) und wirkt bei weitem nicht so vorbereitet und/oder souverän.

Mir war Laola1 und viele seiner Reporter wirklich immer sehr sympathisch, aber mit dem Spieltermin am Sonntag und der Umsetzung der Ligarechte wurden viele Sympathien verspielt.

Ebenfalls gab es dank Opta Sports vielfältige Statistiken aus der 2. Liga (bzw. damals noch Erste Liga) – Ballbesitz, Fouls, durchschnittliche Feldpositionen, Zweikampfwerte usw. – im Grunde alles, was das Statistikerherz begehrte. Dies ist seit heuer passé. Der Vertrag mit dem Dienstleister wurde nicht verlängert (oder gekündigt?). Seit heuer liefert Sportradar/Laola1 die Statistiken: nämlich Tore, Assists und Karten. That’s it. Ein Zustand wie in grauer Vorzeit des Fußballsports. Ohne eigenes Equipment (wie etwa FieldWiz bei Ried) hätten die Vereine sämtliche wichtigen Informationen hinsichtlich der Performance der eigenen Spieler verloren.

Abgesehen davon schafft es nicht einmal die eigene Website der 2. Liga, die Zuschauerzahlen anzuzeigen. Diese muss man sich über Portale wie weltfussball.at oder alternativ direkt bei fussballoesterreich.at besorgen. Vermutlich hat dies auch taktische Gründe, dass die Zuschauerzahlen auf der offiziellen Seite nicht angezeigt werden, auf diese Weise muss sich niemand über die deprimierenden Zahlen schämen. Dies bringt mich direkt zur Zuschauerentwicklung.

Das Zuschauerinteresse ist begrenzt

12 von 16 Vereinen der Liga konnten im Vergleich zum Vorjahr bislang zwar einen leichten Anstieg der Zuschauerzahlen verzeichnen. Weil die Zuschauerzahlen in meiner initialen Berechnung etwas kontrovers diskutiert werden, habe ich mich am 2. November im Nachhinein zu einer separierten Darstellung entschlossen. Zunächst die Zuschauerzahlen der Vereine, die bereits in der Vorsaison in der 2. Liga agierten (Quelle für die Zahlen = weltfussball.at):

Verein Zuschauerschnitt 17/18 Zuschauerschnitt 18/19 (nach 12 Spielen) Veränderung
SV Ried 3.595 3.188 – 407 [-11.3%]
Austria Lustenau 2.079 1.620 – 459 [22.1%]
Blau Weiß Linz 1.159 1.458 + 299 [+25.8%]
WSG Wattens 1.194 1.067 – 127 [-10.7%]
Kapfenberger SV 719 794 + 75 [+10.4%]
Floridsdorfer AC 526 617 + 91 [+17.3%]
Wiener Neustadt 1.070 566 -504 [-47.1%]
FC Liefering 343 393 + 50 [14.6%]
GESAMT (Bestand) 1.336 1.213 -123 [-9.2%]

Vier Vereine weisen Negativtendenzen auf, vier Vereine konnten den Zuschauerschnitt steigern. Insgesamt ist der Schnitt dennoch um knapp 10% gesunken, da es sich bei den Zuwächsen bei Kapfenberg, Floridsdorf und Lieferung jeweils nur um zweistellige Zahlen handelt. Wirklich merklich positiv nur der Zuwachs bei BW Linz, der allerdings der Tabellensituation geschuldet ist.

Zurücklaufend ist sie größtenteils auch genau bei jenen Vereinen, welche letzte Saison die höchsten Zuschauerzahlen vermeldeten. Bedenklich ist die Situation beim Aufstiegsfavoriten aus Wattens, der (wohl hauptsächlich wegen des Ligenwechsels von Wacker Innsbruck) als Tabellenführer einen niedrigeren Zuschauerschnitt aufweist als in der Vorsaison.

Noch viel dramatischer schaut es beim SC Wiener Neustadt aus, bei dem nach dem Nichtaufstieg die Luft komplett raus sein dürfte, die Zuschauerzahlen haben sich jedenfalls halbiert. Aber auch Kapfenberg hat am vergangenen Samstag beim Spiel gegen Wiener Neustadt mit 330 (!) Zuschauern negativ aufhorchen lassen.

Nachfolgend die Entwicklung bei den Aufsteigern (vielen herzlichen Dank vor allem an @richard_TRK aber auch an @jemerich8 für die Organisation der letztjährigen Zuschauerzahlen der ehemaligen Regionalligisten):

Verein Zuschauerschnitt 17/18 Zuschauerschnitt 18/19 (nach 12 Spielen) Veränderung
Vorwärts Steyr 1.236 (RLM) 2.133 + 897 [+73%]
SKU Amstetten 961 (RLO) 1.380 + 419 [+43.6%]
SV Horn 732 (RLO) 743 + 11 [+1.5%]
SV Lafnitz 517 (RLM) 736 + 219 [+42.3%]
Austria Klagenfurt 275 (RLM) 650 + 375 [+136%]
OÖ Juniors 167 (RLM) 375 + 208 [+124%]
Young Violets 258 (RLO) 370 + 112 [+43.3%]
Wacker Innsbruck II 120 (RLW) 254 + 134 [+116%]
GESAMT (Aufsteiger) 533 830 + 297 [+35.8%]

Alle Aufsteiger konnten eine Zuschauerzuwachs verzeichnen, teilweise um mehr als 100%. Wirklich markant ist allerdings nur der Zuwachs von durchschnittlich 897 Zuschauern in Steyr. Dafür hauptverantwortlich zum Teil auch die Auslosung, zwei der drei interessantesten Heimspiele der Saison (die beiden Derbys gegen Ried und Amstetten) sind bereits absolviert.

Um einen ligaweiten Gesamtvergleich machen zu können, rechne ich die Zuschauerzahlen von Wacker Innsbruck (3.627) und Hartberg (1.180) zu den Bestandsvereinen. Auf dieser Basis ist der Schnitt der Liga (nach 12 Runden) um 35% zurück gegangen.

Die dreistelligen Zuschauerschnitte ab Kapfenberg werden mitunter auch in der letzten österreichischen Spielklasse erreicht. Was sind nun also die Gründe für den Zuschauerrückgang (der sich mit fortlaufendem Herbst noch drastischer auswirken wird)?

Beispielsweise machen es die unterschiedlichen Anstoßzeiten (u.a. Freitag 19:00, Freitag 19:10, Freitag 20:30, Samstag 14:30, Samstag 20:20, Sonntag 10:30, Sonntag 14:30) und relativ kurzfristigen (übertragungsbedingten) Verschiebungen dem passionierten Stadiongänger nahezu unmöglich, eine langfristige Freizeit- bzw. Matchplanung zu vollziehen.

In der Bundesliga gibt es heuer genau drei verschiedene Spieltermine an zwei verschiedenen Wochentagen. Auf Formel 1 oder Schifahren muss dank des Rechteverlusts des ORF endlich keine Rücksicht mehr genommen werden.

Sonntag 10:30

Ein besonderer Dorn im Auge ist für viele Menschen aus der aktiven Fanszene die Sonntagsmatinee um 10:30, welche als das „Laola1 Top-Spiel der Woche“ vermarktet wird. Hier wird keinerlei Rücksicht auf Auswärtsfans genommen und Terminisierungen wie etwa BW Linz gegen Austria Lustenau (470 km), Ried gegen Lustenau (375 km), Ried gegen Wattens (240 km) oder Wiener Neustadt gegen Ried (270 km) angesetzt.

Als Lustenauer muss man also durchschnittlich um 04:00 in der Früh wegfahren, um seinen Verein in die Fremde begleiten zu können. Mit den traditionellen Sonntagsmatineen in der Wiener Stadtliga mit einer Anreise von wenigen Kilometern ist dies nur schwer (bzw. eigentlich gar nicht) vergleichbar. Man könnte diesen Termin auch verwenden, um Lokalduelle (z.B. FAC – Young Violets, Lafnitz – Kapfenberg, OÖ Juniors – Vorwärts Steyr) anzusetzen, welche auch anreisetechnisch vertretbar wären. Eine mangelnde Attraktivität von Übertragungen durch Geisterkulissen scheint jedoch kein Problem für die Bundesliga zu sein.

Schenkt man Angestellten aus der Wettbranche Glauben, dann gibt es diesen Spieltermin sowieso nur, weil um diese Zeit ansonsten wenige bis gar keine anderen Spiele stattfinden und man damit auch den asiatischen Markt bedienen kann.

Einem Insider zufolge erreichen die Sonntags-Streams auf Laola1 nur manchmal vierstellige Zahlen, verbleiben jedoch zumeist im dreistelligen Bereich. Dies kann ich nicht verifizieren, klingt jedoch glaubhaft, weil auch die Streamingzahlen von A1 in der Bundesliga nicht viel besser sind.

Fernsehgelder von Laola1 an die Vereine gibt es übrigens (meinem Wissensstand nach) keine. Die Übertragungen werden als Service für den interessierten Nutzer vermarktet. Nur als Vergleich: Hartberg und Wacker Innsbruck kassieren durch den Aufstieg in die Bundesliga heuer knapp 2 Millionen mehr an TV-Geldern als die Vereine in der 2. Liga. Für den Großteil der Zweitligaclubs stellen diese Summen mehr als das Jahresbudget dar.

Viele unattraktive Gegner .. und Amateurteams

Den Vereinen entgehen durch diese Sonntagstermine nicht nur Zuschauereinnahmen (in Ried wären am letzten Wochenende am Freitag sicherlich 400-600 Zuschauer mehr gekommen) sondern auch (Mehr-)Einnahmen aus der Gastronomie. Kaum jemand konsumiert am Sonntagvormittag auch nur annäherend so viel wie an einem Freitagabend – weder vor noch nach dem Spiel – und schon gar nicht im Herbst bei Regen und 5C°.

Die Heimspiele und damit die Zuschauereinnahmen sind insgesamt weniger geworden (18 statt 15), dafür sind die Gegner gleichzeitig unattraktiver geworden – sowohl für die bestehenden Zweitligavereine als auch für die Aufsteiger. Nur um ein Beispiel zu nennen, Lafnitz hätte gegen Bad Gleichenberg und Weiz sicherlich mehr Zuschauer als gegen Horn und Lustenau. Eine lose-lose-Situation für alle Beteiligten.

Noch schlimmer verhält sich dies mit den Zweitclubs der Bundesligisten. Dass diese Mannschaften nicht nur die Liga verzerren (die Aufstellung von Liefering erfolgte letzte und vorletzte Saison auf Basis der Youth League Spiele von RBS), sondern auch überaus unattraktiv (auch für „Heimfans“) sind, beweist die Statistik.

Die Zweitteams (egal ob Mogelpackung oder echter Zweitverein) belegen die vier letzten Plätze der Zuschauertabelle, abgeschlagen vom Rest der Liga. Der Kniefall der Bundesliga vor den großen Teams wie Rapid, Austria oder Sturm (die eigenen Talente müssen nicht mehr verliehen werden) hat also genau im Bezug auf Zuschauerzahlen und Attraktivität genau jene Auswirkungen mit sich gebracht, welche von jeglichen Menschen mit Fußballverstand prophezeit wurden.

Kein einheitliches Erscheinungsbild

Ein einheitliches Erscheinungsbild lädt einen Markenkern positiv auf und steigert somit den Markenwiedererkennungswert. Wenn man an große Marken wie Apple, Coca Cola oder Audi denkt, denkt man automatisch an bestimmte Formen, Farben und Schriftarten. In größeren Ligen wie etwa in der Premier League wird es schon seit einem Jahrzehnt so gehandhabt, dass Inserts stets gleich aussehen, egal ob ein Spiel (oder Spielausschnitt) bei Sky Sports, BT oder BBC gezeigt wird.

Die Bundesliga hat selber schon seit längerer Zeit eine CI (Corporate Identity) und damit eingehend ein CD (Corporate Design). Dieses wird seit heuer in der Bundesliga von Sky Sport Austria auch perfekt umgesetzt. Man beachte am nachfolgenden Bild das Wasserzeichen der Bundesliga im rechten unteren Eck, das Bundesligalogo im rechten oberen Eck sowie die Schriftart der Spielstandanzeige, welche ebenfalls an den Bundesligastandard angepasst ist. (Bildquelle = 90minuten.at).

CI Bundesliga sky

Nun im Gegensatz dazu ein Screenshot (via laola1.tv) aus der 2. Liga:

2. Liga Insert

Das Wasserzeichen der 2. Liga im rechten unteren Eck ist vorhanden. Abgesehen davon hat man sich anscheinend dazu entschlossen, die alten Inserts von ORF Sport+ als Standardinserts für die 2. Liga zu verwenden. Wo liegt hier der Wiedererkennungswert mit der CI der Bundesliga?

Es werden keinerlei Farben, Formen oder Schriftarten verwendet, welche man auf der offiziellen Website der Liga findet. Und weil die 2. Liga offiziell ein Teil der Bundesliga ist, sollte doch auch ein einheitliches Bild abgegeben werden. Oder sehen die Verantwortlichen dies anders? Weil solche Feinheiten (die eigentlich klar definiert sein sollten) nicht berücksichtigt werden, sollte auch mein nächster Punkt keine Überraschung sein.

Die Medienpräsenz liegt irgendwo bei null

Vergeblich suchte ich am Sonntagnachmittag einen redaktionellen oder APA-Bericht von Ried gegen Austria Lustenau auf derstandard.at. Kaum einmal schafft es ein Ereignis in der 2. Liga in einen Bildbericht bei sport.orf.at. Abgesehen von den Stadiongängern und den wenigen 100 Zuschauern bei Laola1 bekommt man also als Sponsor eines Zweitligisten (egal ob auf einem Trikot oder auf einer Bande) keine Reichweite.

Man könnte natürlich entgegnen, dass man mit einem Engagement im österreichischen Fußball sowieso keine Markenbekanntheit steigern kann. Dem ist aber nicht so, denn wer kannte vor einem Jahr schon Profertil? Durch Hartberg erreicht dieser Sponsor nun seit Monaten regelmäßige Medienpräsenz in Print und Web. Auch Josko konnte mit seinem langjährigen Engagement in Ried die Markenbekanntheit gemäß eigener Aussage überregional steigern.

Wie auch immer – wenn es sich nicht gerade um einen traditionellen Sponsor oder Sponsor mit regionaler bzw. lokaler Zielgruppe handelt, dann würde ich mir als Sponsor ein Engagement in dieser Liga doppelt und dreifach überlegen. Es ist einfach keine kein ausreichender Werbewert gegeben. Die Markenbekanntheit eines Sponsors kann durch ein Engagement in der 2. Liga kaum gesteigert werden, darüber hinweg können auch die punktuellen fünfstelligen Zuschauerzahlen bei den Liveübertragungen auf ORF Sport+ nicht helfen. Immerhin gibt es die Highlights im ORF jetzt nicht mehr am Freitag nach Geisterstunde, sondern am Samstag bzw. Sonntag im Rahmen der Bundesligasendung. Doch dies ist der einzige Fortschritt.

Weniger mal vier

Ich fasse also zusammen: professionell aufgestellte Vereine in der 2. Liga haben seit heuer:

  • weniger Zuschauereinnahmen durch unattraktivere Gegner und weniger Spiele,
  • weniger Fernseheinnahmen durch den Wegfall von sky,
  • weniger Sponsoreneinnahmen durch die geringere Reichweite der Liga
  • weniger Gastronomieeinnahmen durch manche Spielansetzungen, Stichwort Sonntag 10:30.

Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis es einzelne Vereine mit ambitionierten Zielen implodieren. Auch Traditionsvereine sind bei ausbleibenden Erfolgen langfristig nicht davor gefeit, den schweren Gang in die Unterklassigkeit antreten zu müssen. Dieses Stichwort bringt mich auch direkt zum letzten Punkt meiner Analyse.

(Fast) niemand will rauf

Dieser Satz trifft sowohl auf die aktuellen Regionalligisten als auch auf Blau-Weiß Linz zu. Das Überraschungsteam aus Linz hat sich letzte Woche dazu entschlossen, heuer trotz ausgezeichneter Tabellenposition den Aufstieg in die Bundesliga nicht anzustreben, weil zu viele Voraussetzungen nicht gegeben sind und man kein Roulettespiel mit der eigenen Existenz riskieren will.

Eine detaillierte Aufschlüsselung dieser Gründe findet man bei den OON. Mit Wattens, Ried, Austria Lustenau und Wiener Neustadt gibt es daher vermutlich nur vier Vereine, welche den Aufstieg in die Bundesliga antizipieren – alle notwendigen Erfordernisse hinsichtlich Infrastruktur, Akademie und rechtlicher Rahmenbedingungen erfüllt derzeit freilich nur Ried.

Wie schon in der letzten Saison, als Wacker Innsbruck II als Tabellenachter (!) der Regionalliga West aufsteigen durfte, weil die sieben Vereine davor verzichteten, gibt es auch heuer nur eine Handvoll an Vereinen, welche am Aufstieg in die 2. Liga interessiert sind.

Der GAK, Stadl-Paura, Gleisdorf und Weiz aus der RLM, Mauerwerk (ehemals FC Karabakh Wien) und Ebreichsdorf aus der RLO sowie Dornbirn und Anif aus der RLW. Die Intention bei den Grazern sowie Mauerwerk ist ein Durchmarsch in die Bundesliga. Die anderen Vereine sind bei ihren Aussagen hinsichtlich Aufstieg in die 2. Liga schon deutlich vorsichtiger bzw. skeptischer.

Es kann also durchaus sein, dass sich auch heuer am Saisonende keine drei Vereine finden, welche den Aufstieg in die 2. Liga anstreben wollen. Dadurch erhöhen sich die Chancen, dass sich mit den Rapid Amateuren oder Sturm Graz Amateuren kommende Saison ein drittes „echtes“ Zweitteam in der Liga wieder findet.

Neben den Mogelpackungen (Liefering und OÖ Juniors) sind übrigens maximal drei Amateurteams zugelassen. Sollten zwei Amateurteams den Aufstieg auf dem sportlichen Weg schaffen, dann müsste das schlechter platzierte Amateurteam der 2. Liga (also Young Violets oder Wacker II) automatisch absteigen – auch wenn man sich auf keinem Abstiegsplatz befindet. Klingt seltsam und kurios, passt aber daher irgendwie genau zu dieser Liga.

Was wird aus der 2. Liga?

Um die Bundesliga (noch) attraktiver zu machen, Vereine wie Rapid (hinsichtlich Verteilung der TV-Gelder) zu befrieden und den heiligen Gral der antizipierten 10.000 Zuschauer pro Spiel zu erreichen (von dem man derzeit mit einem Schnitt von 6.608 in etwa so weit entfernt ist, wie Rapid von einer Champions-League-Qualifikation), wurde bei der Bundesligareform der ehemals solide Unterbau der Liga geopfert. Durch eine inverse Robin-Hood-Mentalität wurden die Reichen noch reicher gemacht und die Armen noch ärmer gemacht. Kennt man auch von diversen Beschlüssen der aktuellen Bundesregierung und ist ein allgemeiner Trend quer durch alle Nationen und Bereiche.

In Zukunft wird es für einen Zweitligisten in 99 von 100 Fällen unmöglich sein, einen talentierten Eigenbauspieler länger als eine Saison zu halten, weil das finanzielle Gefälle (auch hinsichtlich Gehälter) gegenüber der Bundesliga einfach zu groß ist. Musste man früher als Ried oder Lustenau hauptsächlich nur Angst haben, Talente an die Austria, Rapid oder Salzburg zu verlieren, so besitzen in Zukunft auch „kleinere“ Vereine wie Hartberg oder Mattersburg das Potential, die zweite Liga nach den besten Spielern abzugrasen.

Über kurz oder lang werden in der 2. Liga auch keine Stars mehr spielen – erstens weil durch die 12er-Liga nun 50 Spieler mehr in der Bundesliga agieren und zweitens weil diese finanziell für 90% der Vereine nicht leistbar sein werden.

Daher prophezeie ich ebenfalls, dass in Zukunft kein Aufsteiger mehr direkt im oberen Playoff der Bundesliga mitspielen wird, weil der Kader aufgrund des Gefälles zwischen beiden Ligen mindestens um 50% erneuert werden muss. Vorbei die Zeiten, in den u.a. Ried (4.), Grödig (3.) oder Altach (3.) als Aufsteiger direkt in den Europacup kamen. Einen ersten Vorgeschmack auf den Klassenunterschied bekam man in der 2. Runde des ÖFB-Cups, als die Zweitligaspitzenmannschaft aus Wattens beim damals noch-nicht-erstarkten TSV Hartberg sang- und klanglos 0:3 unterging.

Andererseits wird der heurige Absteiger aus der tipico Bundesliga kommende Saison massive Probleme bekommen – man denke an die vorher genannten Fernsehgelder zurück, ein Verein wie Hartberg oder Mattersburg müsste wohl den gesamten Kader austauschen und/oder halbieren um den finanziellen Rückschritt auffangen zu können. Sollte es ein Überraschungsteam wie etwa Altach „erwischen“, dann könnten die Konsequenzen sogar noch dramatischer ausfallen. Der Betrag, welcher von Bundesliga an einen Absteiger ausbezahlt wird, wird diese Situation auch nicht vollends auffedern bzw. entschärfen können.

Mein persönliches Resümee

Persönlich war ich in dieser Saison bei jeder SVR-Heimpartie sowie in Steyr und Amstetten live dabei. Mein persönliches TV-Interesse an der zweithöchsten Spielklasse hat allerdings einen historischen Tiefstand erreicht, abgesehen von KSV-Ried habe ich mir bisher nur eineinhalb andere Spiele (Wattens – BW Linz am ORF sowie Steyr – Neustadt bei Laola1) im TV bzw. Internet angeschaut.

Der Anreiz, mir beispielsweise Wacker II gegen Lafnitz in einem Webstream mit antiquierter Qualität anzusehen, ist in etwa so groß wie mir meine Fingernägel einzeln herauszureißen. Im Gegensatz dazu habe ich während der letzten Jahre kaum eine EL-Konferenz bei sky verpasst (auch als die SVR noch erstklassig war). Ich behaupte, es wird nicht nur mir so gehen.

Bereits vor der Ligareform habe ich mit einigen Personen gewettet, dass es die 2. Liga in der aktuellen Form (16 Teams, Amateurmannschaften, Zweitteams) maximal zwei Jahre lang geben wird, bevor man die nächste Reform einleiten muss. Bei dieser Ansicht bleibe ich auch weiterhin. Die 2. Liga ist für Teams mit großen Zielen eine Art dauerhafter Limbus, aus dem man nur erwachen kann, falls der Aufstieg in die Bundesliga gelingt. Früher war sicher nicht alles besser, aber im Bezug auf die zweite Liga trifft dieses Sprichwort für mein Empfinden leider voll und ganz zu.

 


Titelbild: (c) Philipp Karesch 2011

 

denis kahrimanovic

Knapp 35 Tage sind seit meinem ersten Artikel der Saison rund um den Transfer von Ex-Kapitän Thomas Gebauer zum LASK vergangen. Nach vier Saisonspielen (eines im Cup sowie drei in der Liga) ist es jetzt Zeit für ein Kurzresümee mitsamt Ausblick auf die nächsten Wochen. Und ihr werdet euch eventuell wundern, denn zum ersten Mal seit Ewigkeiten kann ich auch wieder positive Dinge berichten.

Souveräner Einzug in die 2. Runde des ÖFB-Cups

Die Saison begann mit einem souveränen 6-0 Auswärtssieg in der 1. Runde des ÖFB-Cups beim Landesligisten HELLA Dornbirner SV aus der Vorarlberg-Liga. Neben der Neuerwerbung Darijo Pecirep (2 Tore) konnten sich auch Thomas Mayer (ebenfalls 2 Tore) sowie Lukas Grgic und Stefano Surdanovic in die Schützenliste eintragen. Nach einem etwas mühevollen Beginn mit einem Schockmoment (ein Tor der Dornbirner wurde wegen einer Abseitsstellung aberkannt) war der mehrfache Klassenunterschied in fast allen Aktionen erkennbar und am Ende hätte der Sieg auch noch höher ausfallen können bzw. müssen. Mit 1150 Zuschauern im Stadion lockte die SVR übrigens auch die fünftmeisten Heimfans ins Stadion. Nur die Gegner von RBS, Rapid, Austria Wien und dem LASK konnten noch mehr Menschen in die hochsommerlich heißen Stadien locken.

In der 2. Runde fällt die Reise für Team und Fans deutlich kürzer aus: mit dem UVB Vöcklamarkt (derzeit auf Platz 9 in der Regionalliga Mitte) kommt es zu einem echten Derbykracher. Mit Tobias Jetzinger, Wolfgang Schober, Philipp Rensch, Philipp Birglehner, Stefan Kirnbauer weisen gleich mehrere Akteure eine Ried-Vergangenheit auf. Außerdem handelt es sich bei den Vöcklamarktern um einen der härtesten SVR-Gegner der 80er-Jahre sowie Dauerrivalen um den Meistertitel (u.a. mit Neo-Oedt-Coach Gerhard Schweitzer). Trotz eines Dienstagstermins (25. September) sollten vielen Rieder Anhänger den nur 29km langen Weg ins 2.700 Plätze fassende „Black Crevice Stadion“ in Vöcklamarkt finden.

Heißer Saisonbeginn in der Liga

Einen sprichwörtlich heißen Saisonbeginn musste man in der Zweiten Liga (die jetzt endlich nicht mehr Erste Liga heißt) bewältigen. Beim 1-1 gegen den top-motivierten Aufsteiger aus Steyr sahen die 3.200 Zuschauer im Vorwärts-Stadion ein weitestgehend unterhaltsames Spiel. Nach einem Blitzstart mit einem durch Darijo Pecirep verwandelten Elfer nach nur 3 Minuten verabsäumten es die Spieler der SVR, ein zweites Tor nachzulegen. Nach einem Tausendguldenschuss zum Ausgleich knapp vor der Pause schafften es Christian Schilling und Stefano Surdanovic knapp nach der Pause jeweils nicht, zwei hundertprozentige Chancen im Tor unterzubringen. Gegen Spielende hin konnten die Rieder nicht mehr zusetzen und die Steyrer feierten ihren Premierenpunkt in der Liga daher zusammen mit den Fans verdientermaßen wie einen Sieg.

Vorwärts Steyr gegen SV Ried

Somit befand sich die SVR bereits in der 2. Runde unter Zugzwang – der selbsternannte Titelfavorit aus der Kristallstadt Wattens hatte mit einem 6-1 gegen Lafnitz in der 1. Runde bereits ein Statement gesetzt. In einem der heißesten Spiele (sowohl auf der Tribüne als auch auf dem Platz) der letzten Jahre feierte die SVR einen völlig verdienten 2-1 Sieg. Nach der Führung durch Thomas Mayer verabsäumte man es abermals, ein zweites Tor nachzulegen. Pech hatte man auch bei einem Lattenknaller von FAC-Neuerwerbung Mario Kröpfl aus einem Freistoß aus großer Distanz. Nach dem Ausgleich durch einen Konter konnte Darijo Pecirep jedoch fast postwendend mit einem Kopfball nach einer Kerhe-Ecke zum 2-1 Siegtreffer einköpfen.

Die 30C° am Vormittag setzten offensichtlich auch einigen Akteuren am Platz zu, so provozierte unter anderem Gäste-Keeper Ferdinand Oswald laufend die Fans auf der West, Andreas Dober ist sowieso für Scharmützel mit den gegnerischen Fans bekannt und wurde nach einer schauspielerischen Leistung der Extraklasse bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Außerdem wurde der Wiener auch vom Karma nach einer Provokation seinerseits direkt vor der Ecke zum 2-1 bestraft. Nach dem Spiel gab es auch noch eine Auseinandersetzung zwischen Ersatzkeeper Grünwald, einigen Ried-Fans und der szenekundigen Polizei. Dem 35-Jährigen droht lt. OON-Bericht sogar noch ein unangenehmes Nachspiel wegen Beamtenbeleidigung.

SV Ried gegen WSG Wattens

Impressionen von den Spielen gegen Vorwärts Steyr und WSG Wattens (Copyright = ich selber)

Egal wie diese Geschichte fortgesetzt wird, mit den Tirolern hat man definitiv einen neuen Rivalen gefunden, der nach den Verpflichtungen von Dober, Cabrera und auch Clemens Walch die mit Abstand älteste Mannschaft der Liga stellt. Beim Gastspiel in Ried lag das Durchschnittsalter der Startelf bei extrem hohen 27.2 Jahren. Warum genau die Kristallerbin Diana Langes-Swarowski mit ihrem Verein (letzte Saison im Schnitt 1.300 Zuschauer, wobei die beiden Derbys gegen Wacker Innsbruck diese Zahl größer erscheinen lässt als sie eigentlich ist) in die Bundesliga aufsteigen will, erschließt sich für den neutralen Beobachter nur bedingt. Neben Wattens wollen übrigens auch Wiener Neustadt (mäßig in die Saison gestartet) sowie Austria Lustenau und BW Linz um den Aufstieg mitspielen. Der aktuelle Tabellenführer Liefering spielt wie auch die OÖ Juniors sowie Wacker II und die Young Violets sozusagen außer Konkurrenz.

Nach einer unwetterbedingten Absage kam es gestern am frühen Nachmittag zum Nachtragsspiel in Kapfenberg. Bei einem Gegner, bei dem man in der Vorsaison nur einen einzigen Punkt holen konnte, geriet man als bessere Mannschaft wie aus dem Nichts durch einen Distanzschuss von KSV-Kapitän David Sencar in Rückstand. Doch der wiedergenesene Julian Wießmeier (er hatte die beiden ersten Saisonspiele nach einem Rippenbruch verpasst) erzielte knapp nach seiner Einwechslung einen Doppelpack. Er verwertete jeweils ein Zuspiel von Thomas Mayer einmal per Direktabnahme und einmal per Flugkopfball. Im Gegensatz zu Steyr und Wattens hielt die Rieder Abwehr zum Ende hin dem Ansturm der Falken recht gut entgegen.

Das Faktum, dass man zuletzt nach zwischenzeitlichem Ausgleich sowie nach Rückstand noch zwei Spiele gewonnen hat, bringt mich zu meiner nächsten Beobachtung.

Es menschelt wieder in Ried

Der Teamgeist, der über große Strecken der Vorsaison schmerzlich vermisst wurde, scheint wieder ins Innviertel zurückgekehrt zu sein. Einige Beweise dafür:

Nach dem Sieg in Kapfenberg gingen die Spieler unaufgefordert auf die Tribüne, um mit einem langjährigen Fan im Rollstuhl abklatschen zu können. Eine scheinbar kleine Geste, die aber viel Aussagekraft über die Moral in der Mannschaft zeigt. Ebenso nach diesem Spiel veröffentlichten einige Spieler auf Instagram ein Mannschaftsbild mit einem Motivationsposter für Denis Kahrimanovic, der sich im Abschlusstraining für das Kapfenberg-Spiel einen Wadenbeinbruch zugezogen hatte.

denis kahrimanovic

Foto via Instagram-Account von Lukas Grgic. Text: „Nach jeder Schwierigkeit kommt Erleichterung – kämpfen, Deno“

Und nach der Heimfahrt von Kapfenberg erschienen noch große Teile der Mannschaft in der josko Arena, um den letzten Minuten des Schlagerspiels der Ried Amateure gegen den Meister Oedt beizuwohnen und die junge Truppe damit moralisch zu unterstützen. Dies hatte ebenfalls ein happy end, denn die wieder einmal total neuformierte Truppe von Miron Muslic knöpfte dem Starensemble einen letztendlich verdienten Punkt ab. In der Startelf standen jede Menge 18-jährige und 17-jährige, mit 22 Jahren ist Jungprofi Felix Hebesberger der „Routinier“ bei der zweiten Mannschaft der SV Ried.

Der Partie wohnte auch Flavio Dos Santos bei, der nach der unendlichen Geschichte rund um seinen kapverdischen Pass endlich im Innviertel angekommen ist. Ich habe gestern nach Spielende auch noch ein Foto mit ihm gemacht und war binnen weniger Momente von seiner bemerkenswert positiven und freundlichen Aura fasziniert.

Wenige Tage vorher wurde er auch extrem herzlich von der Mannschaft empfangen. Ein sehr herzerwärmendes Video von diesem Empfang hat auch Thomas Streif per Video festgehalten.

Diese Aktionen wirken alle nicht gekünstelt. Der Teamgeist hat sich bereits jetzt positiv auf die Leistungen der Spieler ausgewirkt, denn bei Rückständen und Rückschlägen ist die Mannschaft der Vorsaison meistens umgehend auseinandergebrochen. Natürlich ist es noch viel zu bald und ich will die Saison nicht vor dem Saisonende loben, aber heuer scheint wieder eine Mannschaft im schwarzgrünen Trikot aufzulaufen, mit welcher man sich als Fan identifizieren kann, weil auch wieder alte Tugenden wie Zweikampfstärke und Aggressivität an den Tag gelegt werden.

Die Macher (bleiben) im Hintergrund

Franz Schiemer dürfte bei der Kaderzusammenstellung im Sommer einiges richtig gemacht haben und bei der Verpflichtung von Spielern mehr auf den Charakter als im Vorjahr geachtet haben. Unter den Abgängen befinden sich laut vertrauenswürdigen Quellen ebenfalls einige Spieler, welche für den Teamgeist nicht besonders förderlich waren, ohne hier konkrete Namen nennen zu wollen.

Außerdem hält sich Schiemer – wie auch Roland Daxl – heuer angenehm im Hintergrund. Das Saisonziel wurde mit „vorne mitspielen“ und „junge Spieler weiterentwickeln“ bewusst defensiv angesetzt um die Erwartungen nicht derart hoch wie in der Vorsaison zu schüren. Dass man vor einem Jahr bei jeder Gelegenheit anmerkte, dass man aufsteigen will/muss und die beste Mannschaft der Liga hat, habe ich in meinem Blog des Öfteren angemerkt und kann ich nach diesem Beitrag hoffentlich für immer ruhen lassen.

Mit Understatement ist man im Innviertel schon immer gut gefahren, vor allem weil große Töne auch keine zusätzlichen Zuschauer in das Stadion locken. Der SVR-Fan ist generell sehr resistent gegenüber Rückschlägen, die knapp 3.100 Zuschauer bei der Sommer-Matinee gegen Wattens haben wohl alle Erwartungen an die Zuschauerzahl in diesem Spiel deutlich übertroffen.

Spielsystem und Mannschaft

Die Gewinner aus der Systemumstellung – man in der letzten Saison noch meistens mit einem flachen 4-4-2 agiert – sind bereits nach wenigen Spielen erkennbar. So profitieren vor allem Thomas Mayer und Julian Wießmeier auf den offensiven Halbpositionen vom neuen 3-4-3 System. Letzterer dürfte seine Stärken in der Offensivzentrale deutlich besser ausspielen können als in der Vorsaison, in der er meistens auf den rechten Flügel ausweichen musste oder gar als defensiver Mittelfeldspieler aufgeboten wurde. Auch Christian Schilling, der in der letzten Saison nicht über die Backuprolle als linker Verteidiger hinaus kam, ist ein Gewinner der bisherigen Spiele. Mit Mario Kröpfl hat man eine bis dato exzellente Neuverpflichtung nach Ried gelotst. Der Wiener kann als Links- sowie Innenverteidiger agieren, das Spiel aufbauen und hat nebenbei wie bereits erwähnt auch einen starken Schuss/Freistoß.

Mit Johannes Kreidl (der Tiroler kam von der zweiten Mannschaft aus Nürnberg) und Filip Dmitrovic (der Serbe wurde vom LASK verpflichtet) verfügt man wohl über das talentierteste Tormannduo der Liga. Bei Kreidl sieht man bereits nach wenigen Spielen, wie wertvoll es im Jahr 2018 ist, einen Spieler zwischen den Pfosten stehen zu haben, der auch Fußball spielen kann. Bloß in punkto Kommunikation hat der junge Tiroler noch viel Aufholbedarf. Bei den Spielen gegen Steyr und Wattens kam es immer wieder zu Ungereimtheiten mit Abwehrchef Kennedy Boateng bei hohen Bällen.

Noch kein finales Urteil möchte ich über Darijo Pecirep und Edrisa Lubega abgeben. Die beiden Nachfolger von Seifedin Chabbi und Thomas Fröschl unterscheiden sich hinsichtlich Spielstil enorm von ihren Vorgängern. Pecirep arbeitet viel und hat (inkl. Cup) bereits vier Tore auf seinem Konto. Einzig hinsichtlich Schnelligkeit hat er meines Erachtens nach klare Defizite.

Diese Schnelligkeit bringt dafür Lubega ein. Der aus Uganda ausgeliehene Spieler hat vor allem beim 4-2 der SVR im April in Floridsdorf viel Eindruck erweckt, als er Peter Haring und Thomas Reifeltshammer schwindlig gespielt hat. Mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit war er auch bereits gegen die hüftsteifen Verteidiger von Wattens eine echte Waffe. Beim Auswärtsspiel in Kapfenberg gelang ihm hingegen gar nichts. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir in dieser Saison keinen Torjäger (wie im Vorjahr) haben werden, sondern die Last des Toreschießens auf viele Spieler verteilt sein wird – was die Mannschaft damit auch schwerer ausrechenbar macht.

Die Verlierer der bisherigen Saison sind Thomas Reifeltshammer und Marcel Ziegl, die jeweils nach einer schwachen Leistung in Steyr ihren Stammplatz in der Mannschaft verloren haben. Vor allem Arne Ammerer hat sich mit einer starken Leistung gegen Wattens wohl für längere Zeit in die Mannschaft gespielt und bildet zusammen mit Lukas Grgic die Mittelfeldzentrale. Der Welser hat in Abwesenheit der beiden Rieder Urgesteine auch die Kapitänsbinde übernommen (wie von mir in meiner Saisonanalyse gefordert).

Ausblick auf die nächsten Spiele

Das extrem schwierige Startprogramm der SV Ried wird am Freitag um 19:10 mit dem Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Liefering gebührend fortgesetzt. Generell kommt es hier zu einem echten reality check, weil die Jungbullen neben Wattens der einzige Verein dieser Liga sind, der im Sommer kadermäßig und finanziell nicht abspecken musste. Mit einem Sieg könnte man bei einem gleichzeitigen (aber nicht zu erwartenden) Punkteverlust von BW Linz (daheim gegen Amstetten) sogar die Tabellenführung übernehmen. Anschließend muss man eine Woche darauf die zweite Matinee in Amstetten bewältigen. Dort kommt es zum Wiedersehen mit Thomas Hinum, der vor dieser Saison zum Aufsteiger aus der RLO wechselte.

Generell dürfte sich in dieser Liga ein ziemliches Gefälle zwischen den Profiteams und den Amateurteams entwickeln, denn bereits nach drei Spieltagen befindet sich mit den Wacker Innbruck Amateuren nur ein einziger Aufsteiger unter den Top10 – mit den OÖ Juniors, den Young Violets, Amstetten, Austria Klagenfurt, Lafnitz, Steyr und Horn werden die sieben letzten Plätze durchwegs von Aufsteigern belegt. Nach einem Heimspiel gegen Horn, das getrost als Pflichtsieg bezeichnet werden kann, gibt es ein Wiedersehen für Edrisa Lubega, Mario Kröpfl sowie Flavio Dos Santos mit ihrem Ex-Verein in Floridsdorf.

Ein Heimspiel gegen die Young Violets sowie eine weitere Matinee in Wiener Neustadt runden das Programm bis Ende September ab. Zu diesem Zeitpunkt wird man auch bereits wissen, wer im Falle eines Weiterkommens im ÖFB Cup in der 3. Runde als Gegner wartet. Ein attraktives (Heim-)Los gegen einen Bundesligisten könnte ein ORF-Livespiel mit sich ziehen, welches aufgrund der massiv gesunkenen Fernsehgelder in dieser Saison zusätzlich attraktiv für die Vereinskasse wäre.

Die neue Zweite Liga

Apropos Vereinskasse – ursprünglich wollte ich zu Saisonbeginn einen allgemeinen Artikel über die Zweite Liga verfassen. Das neue Stiefkind der Bundesliga erfüllt bisher nämlich alle meine Befürchtungen. Die Vermarktung ist ziemlich amateurhaft, die Qualität der Streams von Laola1 versetzt den Zuschauer wieder in die 90er-Jahre. Es ist verständlich, dass sky bewusst auf diese Mischkulanz aus Profi- und Amateurteams verzichtet hat – ein Spiel zwischen Wacker Innsbruck II und Lafnitz vor 87 Zuschauern (im Stadion und vorm TV zusammengezählt) ist für den Konsumenten nicht wirklich sexy. Auch wenn ich noch immer die Meinung vertrete, dass es diese Liga in dieser Form vielleicht zwei, maximal drei Jahre geben wird, so möchte ich ihr jetzt noch eine Chance geben.

Klar ist jedoch, dass die Schere zwischen Bundesliga und Zweite Liga weit auseinander gegangen ist – Absteiger aus der obersten Spielklasse werden in Zukunft ums Überleben kämpfen (müssen) und auch Aufsteiger werden sich ziemlich weit unten in der Tabelle orientieren müssen. Der Spagat für die willigen Aufsteiger wie Ried, Wattens oder Wiener Neustadt wird auch wieder größer als zuvor – bei nur einem Aufstiegsplatz muss man investieren bzw. riskieren, obwohl zeitgleich die finanziellen Mittel weniger geworden sind. Die Vereinsleitung hat zwar versichert, dass es auch weiterhin Profifußball in Ried geben wird, auch wenn der Aufstieg heuer erneut nicht gelingt. Über kurz oder lang wäre es dennoch ziemlich wichtig, diese Liga wieder dauerhaft verlassen zu können. Sollte man in der Vereinsführung weiterhin die Bodenhaftung behalten und die Mannschaft den Teamgeist konservieren können, dann habe ich diesbezüglich ein gutes Gefühl.

 

Thomas Gebauer LASK

Knapp eineinhalb Monate sind seit dem Nichtaufstieg der SV Ried vergangen. Diese spielfreie Zeit war auch notwendig, um die Misserfolge der vergangenen beiden Spielzeiten aus dem Kopf zu bekommen. Abgesehen davon hat sowieso gerade die Fußball-WM in Russland die Welt in seinem Bann. Doch passend zur zweitägigen WM-Pause vor den Viertelfinalspielen gab es gestern und heute zwei Aufreger mit und rund um die SV Ried.

Aufreger #1 – Thomas Gebauer wechselt zum LASK

Wie aus heiterem Himmel wurde heute am Nachmittag bekannt gegeben, dass Thomas Gebauer die SVR mit sofortiger Wirkung verlässt und für die nächsten drei Jahren beim LASK unterschreibt.

Thomas Gebauer LASK

Dies kommt wohl für 99% aller Ried-Anhänger (und auch LASK-Anhänger) ziemlich überraschend. Besonders erfreulich bei diesem Wechsel, dass das Archiv auch die Rache des Hobbyjournalisten ist. Denn im März 2017 gab Gebauer bei einem Interview mit den OON folgenden Satz von sich:

Die Liga ist zweitrangig, mein Herz hängt an der SV Ried, und ich möchte in Österreich für keinen anderen Verein spielen.

So schnell kann man sich also um 180° drehen. Wenn man an unvermutete Wechsel nach Linz denkt, dann wurden bei einigen wohl auch Gedanken an den Nacht-und-Nebel-Wechsel von Oliver Glasner zum Lokalrivalen aus Linz vor das geistige Auge geführt. Doch diese beiden Wechsel unterscheiden sich massiv. Glasner war ein Anfänger als Profitrainer, dem von Stefan Reiter die Chance auf eine Trainerposition bei einem (wieder-)aufstrebenden Bundesligisten gegeben wurde. Er konnte seinen Kader nach Wunsch zusammenstellen (u.a. Thomas Murg, Stefan Lainer, Dieter Elsneg), seine eigene Spielphilosophie (das allseits beliebte RB-Pressing) verwirklichen und wurde auch im tiefsten Abstiegsschlamassel im Spätherbst nicht entlassen. Sein völlig überraschender Wechsel zum ASK in die zweite Liga am Pfingstwochenende fühlte sich damals für 100% der Rieder Fans wie Hochverrat an.

Gebauer ist nicht Glasner

Viel pragmatischer muss man dies bei Gebauer sehen. Ein 36-jähriger Tormann, dessen Leistungen in den letzten 2-3 Jahren maximal durchschnittlich waren, bekommt am Ende seiner Karriere nochmal die Chance auf ein nettes Fußballprofi-Gehalt und darf sich die Spiele der neuen 12er-Bundesliga aus nächster Nähe (von der Ersatzbank aus) ansehen. Außerdem kann die SVR gleichzeitig einen der Topverdiener von der Gehaltsliste streichen – der sportlichen Führung kam dies wohl nicht ungelegen, nachdem man den Sparstift sowieso an allen Ecken und Enden ansetzen muss.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dieser Wechsel für das Mannschaftsgefüge nur förderlich sein kann, weil hier alte Seilschaften eingerissen werden und eine neue organische Führungsstruktur im Team aufgebaut werden kann. Nächster Kapitän kann und muss ein Feldspieler werden, mit Lukas Grgic habe ich bereits in meinem Saisonrückblick einen „echten Typen“ für diese Funktion vorgeschlagen (welche er auch heuer bereits bei einem Testspiel ausübte). Sein Interview mit den OON im Juni bestätigten mir dieses positive Gefühl zusätzlich.

Thomas Gebauer war zwölf Jahre lang in Ried, wurde Cupsieger und Vizemeister. Aber trotzdem wird er mir als Symbolfigur für den Abstieg des Rieder Fußballs (damit meine ich den Abstieg sowie den Nichtaufstieg) in Erinnerung bleiben. Die unzähligen leidvollen Blicke in Richtung der Westtribüne, die unzähligen Versuche mit den verstimmten Fans zu kommunizieren. Dieses Bild hat sich in meinem Gehirn eingebrannt. Ich wünsche ihm gesundheitlich und privat in der Stahlstadt nur das Beste, sportlich aber eine Vielzahl von „Was macht Gebauer da draußen?“-Aktionen – so viel gesunde Rivalität muss sein.

Aufreger #2 – Meisterschaftsspiele am Sonntag um 10:30

Am gestrigen Tag wurden von der Bundesliga die Spieltermine der ersten vier Spieltage fixiert. Nach dem Meisterschaftsbeginn mit dem OÖ-Derby beim Aufsteiger in Steyr (27. Juli, 19:10, auch live auf ORF Sport+) trägt die SVR ihr erstes Heimspiel am Wochenende danach aus. Und zwar am Sonntag um 10:30 am Vormittag. Nein, dies ist kein Scherz. Der erste große Shitstorm auf Facebook (und auch in anderen sozialen Kanälen) ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Auch meine erste Reaktion auf Twitter fiel im Affekt wenig freundlich aus, stieß aber mit knapp 6000 Impressions und 70 Interaktionen auf viel Interesse und Zustimmung.

Die neue Zweite Liga (die nun endlich wirklich zweite Liga heißt) ist eine unausgegorene Mischung aus Profimannschaften (z.B. Ried, Wiener Neustadt, Lustenau), Halbprofimannschaften (z.B. Lafnitz, Amstetten), Amateurteams von Bundesligisten (z.B. Wacker II, Young Violets) und Fake-Amateurteams von Bundesligisten (Liefering, OÖ Juniors). Die Spiele dieser Stiefkind-Liga finden immer dann statt, wenn man die Bundesliga im Fernsehen nicht stört (und damit meine ich sowohl die österreichische als auch die deutsche).

Neben dem ORF hat auch Laola1 die Bildrechte und darf infolgedessen die wöchentliche Sonntagspartie diktieren. Aufgrund der relativen Attraktivität der SVR (schon in der letzten Saison übertrug ORF Sport+ die mit Abstand meisten Spiele der Rieder, noch vor Wacker Innsbruck) kann man jetzt schon davon ausgehen, dass auch nach Runde 4 die eine oder andere Sonntagspartie in Ried angesetzt werden wird.

Aber warum spielt man überhaupt an einem Sonntag um 10:30? Wie ein User mit Wett-Know-How im ASB geschrieben hat, hat der Termin vor allem einen globalen Hintergrund, so blöd dies auch klingen mag. Man kann dadurch nämlich asiatische Wettmärkte bedienen, denen sonst um diese Zeit relativ langweilig ist. Die Spiele werden auch auf dem TV-Sender von Laola1 (zu empfangen u.a. via A1 TV) sowie auf Laola1.tv live übertragen. Gemessen an YouTube-Übertragungen von ÖFB-Cup-Spielen kann man hier jetzt schon sagen, dass dies eventuell 100-700 Menschen sein werden, die manchen Vereinen wiederum die x-fache Anzahl an Stadionbesuchern wegnehmen werden.

Nachteile bei Auswärtsspielen

Manche haben schon gesagt, dies wäre nicht so schlimm, in der Wiener Stadtliga hätte dieser Termin sogar Tradition. Liebe Leute, dort haben die gegnerischen Mannschaften (und vor allem FANS) auch keine dreistündigen Anreisen zu bewältigen. Die Fahrtzeit von Wattens nach Ried beträgt gemäß Google Maps knappe 2:40. Damit muss ein Fanbus irgendwann vor 07:00 wegfahren. Hier kann man sich fast schon überlegen, ob man am Abend davor fortgeht und durchmacht.

In der 9. Runde erwischt es dann auch die Rieder Fans, denn an diesem Spieltag ist das Auswärtsduell mit Wiener Neustadt (gemessen an der Vorsaison eines der absoluten Topspiele dieser Liga) für Sonntag um 10:30 angesetzt. Bei 2:55 Fahrtzeit darf man mit dem Bus spätestens um 06:30 losfahren. Kurzum: bei diesem Spieltermin (und vor allem den Ansetzungen) wurde der Faktor Auswärtsfan vollkommen ignoriert bzw. eliminiert.

Nachteile bei Heimspielen

Doch auch für Heimmannschaften hat dieser Spieltermin einschneidende Nachteile. Neben fehlenden TV-Geldern und weniger Sponsoreneinnahmen wird auch die Stadiongastronomie diesen Spieltermin in punkto fehlende Einnahmen zu spüren bekommen. Ich selber (und wohl auch viele andere treue Stadiongänger) haben die letzten Jahre hinweg bei den Abendpartien wohl regelmäßig 2-12 Halbe Bier konsumiert. Dies ist mit diesem Termin an diesem Wochentag einfach nicht möglich. Theoretisch schon, aber ich persönlich habe keine Lust dazu, einen Frühschoppen in der Josko Arena (so heißt übrigens jetzt unser Stadion) zu zelebrieren und mich so durch den Sonntag (und folglich durch den Montag) zu quälen.

Auch hinsichtlich Leistungsfähigkeit der Spieler ist es alles andere als förderlich, wenn einmal um 10:30, einmal um 14:00 und einmal um 19:10 gespielt wird. Je mehr hier variiert wird, desto schwieriger ist es für den Biorhythmus, sich optimal auf ein Match einzustellen.

10:30 gab es auch in den 90ern

Übrigens wurde auch schon früher einmal am Sonntag um 10:30 gespielt. Zwischen 1991 und 1994 (die älteren Semester werden sich erinnern) musste die SVR in der 2. Division insgesamt sechsmal an diesem Termin antreten. Viermal beim FavAC, einmal bei der Vienna, einmal in Donaufeld und einmal bei LUV Graz. Also stets in Großstädten, wo die kleineren Vereine versuchten, den Granden (Rapid, Austria, Sturm, GAK) großräumig auszuweichen. Die Zuschauerzahlen damals übrigens stets majestätisch: 700 beim FavAC, 700 bei der Vienna und 400 bei LUV Graz. Historische Zahlen zu diesen Spielen findet man in diesem Archiv.

Wie auch immer: ich persönlich rechne beim Spiel gegen Wattens mit dem schlechtesten Heimspielbesuch seit der Saison 2003/2004 und eine Zahl über 2000-2500 Besucher würde mich stark überraschen (wobei auch das Ergebnis in Steyr eine Rolle spielen wird).

Abseits der Aufreger – der neue Mannschaftskader

Als Dauerkartenbesitzer hat man letzte Woche die Information erhalten, dass das Budget für die kommende bei 3.8 Millionen liegen wird. Das ist beispielsweise deutlich mehr als beim Bundesligisten in Hartberg, die mit 2.8 Millionen kalkulieren. So konnte man sich mit der erneuten Leihe (mit Kaufoption) von Kennedy Boateng auch einen Spieler leisten, der für die Oststeirer nicht leistbar war.

Nach den Abgängen von Seifedin Chabbi (Gazisehir Gaziantep Futbol Kulübü / TUR), Thomas Fröschl (BW Linz) und Philipp Prosenik (hoffentlich irgendwas ohne Fußball) hat man mit Darijo Pecirep (CRO) vom Wiener Sport Club (letzte Saison 17 Tore in der RLO) bisher nur einen Stürmer verpflichtet. Hier könnte bis zum Saisonbeginn noch eine Verpflichtung vollzogen werden, auch wenn Thomas Mayer (der fünffache Torschütze vom letzten Saisonspiel gegen Kapfenberg) offensiver spielen soll und auch die Rolle von Stefano Surdanovic offensiver angelegt sein soll. Felix Hebesberger und Belmin Crcic waren vergangene Saison zwei der offensiven Aktivposten bei den Ried Amateuren, ersterer hat für diese Saison auch einen Jungprofivertrag erhalten.

Mit Mario Kröpfl (der ehemalige Kapitän des FAC, also ein Leadertyp) hat man einen Defensivspieler verpflichtet, der Ronny Marcos schnell vergessen machen wird – neben der Linksverteidigerposition kann er auch auf der Position des linken Innenverteidigers agieren. Der Abgang von Peter Haring (Hearts of Midlothian) wurde mit der Verpflichtung von Bojan Lugonja (BIH) aus Liefering kompensiert (einem „Gschropp“, wie wir letzte Saison beim Auswärtsspiel in Grödig feststellen mussten – den man aber gerne in der eigenen Mannschaft hat).

Auch Flavio Dos Santos (CPV) hat endlich seinen Pass erhalten (man glaubt es kaum) und kann im Spätherbst wohl als Option im Offensivspiel gesehen werden, wo er die Rolle von Ilkay Durmus (Wacker Innsbruck) übernehmen könnte. Mit dem bereits erwähnten Lukas Grgic sowie Marcel Ziegl und Julian Wießmeier konnte die gesamte Mittelfeldzentrale gehalten werden. Dazu kommt mit Ante Bajic aus Gurten ein Perspektivenspieler, der letzte Saison 24x in der RLM auflief und im offensiven Mittelfeld variabel einsetzbar ist.

Auf der Torhüterposition bekommt mit dem Neuzugang Johannes Kreidl aus Nürnberg nun ein junger Torhüter die Chance auf einen Stammplatz. Der 22-jährige Tiroler war zuletzt auch zweimal für die U21 von Werner Gregoritsch im Einsatz. Nach dem plötzlichen Abgang von Gebauer kann man allerdings damit rechnen, dass auf dieser Position vereinsseitig wohl noch reagiert und ein zweiter (erfahrener) Tormann geholt werden wird.

SV Ried Neuzugänge

Alles in allem gefällt mir der Kader bisher nicht schlecht, weil anscheinend stärker auf die Einstellung und auf den Charakter geachtet wurde als in der Saison zuvor. Außerdem hat man auch anderswo dazu gelernt, statt Großkotzigkeit setzt man heuer auf Understatement, Ziel ist es „eine junge Mannschaft weiterzuentwickeln„. Keine Rede mehr vom Meistertitel als Muss, obwohl man mit diesem Budget und diesem Kader sicher wieder zu den Favoriten zu zählen ist.

Die Gegner im Kampf um den Aufstieg sind wohl (abermals) Austria Lustenau, Wiener Neustadt und eventuell auch Austria Klagenfurt (Peter-Svetits-Alarm). Alle anderen Mannschaften dürfen nicht aufsteigen (Liefering, OÖ Juniors, Wacker II, Young Violets) oder wollen teilweise nicht aufsteigen (Lafnitz).

„Muss“ die SVR heuer aufsteigen?

Sollte man den Aufstieg auch in dieser Saison nicht schaffen, dann könnte es über kurz oder lang (eher über kurz) schlecht mit dem Profifußball in Ried aussehen. Auf Dauer gesehen kann man sich in dieser unattraktiven Liga mit Gruselankick-Zeiten wohl kein Profitum leisten. Und ohne Profitum gibt es auch keine Akademie mehr. Und ohne Akademie hat man keine Chance mehr, sich wirklich hoffnungsvolle Talente selber heranzuzüchten.

Daher bin ich knapp zwei Wochen vor Saisonbeginn (im ÖFB-Cup wurde uns gerade zum gefühlt 17. Mal ein Auswärtsspiel in Dornbirn zugelost) positiv gestimmt (trotz aller Aufreger) und hoffe darauf, dass alle Verantwortlichen die richtigen Lehren aus dem Versagen der Vorsaison(en) gezogen haben und kommende Saison auch wieder EINE SV Ried auf dem Platz stehen wird. Denn wie viele Tiefschläge und Tiefpunkte auch noch kommen mögen – die SV Ried ist (leider?) trotzdem die Droge die uns gefangen hat.

 

Bildquellen:
– Thomas Gebauer via lask.at,
– Mannschaftsbild via svried.at
Keine kommerzielle Verwendung, die jeweiligen Rechte liegen bei den Urhebern.

Seit gestern 21:18 steht es endgültig fest. Die SV Ried hat den Aufstieg aus der sky Go Erste Liga in der Saison 2017/2018 völlig verdientermaßen nicht geschafft und bleibt weiterhin zweitklassig.

Wacker Innsbruck ist seiner Favoritenrolle (bei meinem ASB-Tipp im Juli hatte ich die Tiroler auf Platz 1 gesehen) nach einem Stotterstart gerecht geworden. Karl Daxbacher ist (nach dem LASK und St. Pölten) zum insgesamt dritten Mal in dieser Liga als Meister aufgestiegen. Nach einem durchwachsenen Herbst dominierten die Innsbrucker ihre Gegner im Frühjahr nach Belieben und konnten den Meistertitel bereits in der 34. Runde fixieren – pikanterweise gegen den vermeintlich größten Gegner aus Ried.

Der zweite Aufsteiger entscheidet sich am kommenden Montag. Hartberg (der sportliche Tabellenzweite) hat eindrucksvoll bewiesen, was man mit einem eingespielten Kollektiv mit viel Herz und Leidenschaft, gecoacht von einem aufstrebenden jungen Trainer alles erreichen kann. In Sachen Zuschauerinteresse und Infrastruktur wird Hartberg jedoch ein Sorgenkind bleiben – der nur fünftbeste Zuschauerschnitt (mit knapp über 1000 Zuschauern) und der Ausblick auf eine halbe Saison im 75 km entfernten Graz erzeugen wohl schon jetzt Sorgenfalten in den Gesichtern der Bundesligaverantwortlichen. Nebenbei bemerkt war Hartberg (neben Kapfenberg) die einzige Mannschaft, die in beiden Auswärtsspielen in Ried kumuliert keinen einzigen Zuschauer zur Präsenz im Fansektor bewegen konnte. Nicht einmal bei Wattens, Floridsdorf oder Liefering (!) war dies der Fall.

Zuschauer sky go Erste Liga

Wiener Neustadt (die aufsteigen, wenn Hartberg die Lizenz auch im dritten und letzten Anlauf nicht bekommt – ansonsten Relegation gegen St. Pölten spielen) hat mit der Verpflichtung von Hamdi Salihi im Sommer den perfekten Schritt gesetzt. Selbst als 34-jähriger wurde der ehemalige Ried-Goalgetter scheinbar mühelos Torschützenkönig in dieser Liga. Form is temporary, class is permanent – wie das englische Sprichwort so schön sagt. Auf seine Klasse hat in Ried freiwillig verpflichtet, denn der Albaner wäre dem Vernehmen zufolge an einer Rückkehr nach Ried interessiert gewesen. Allgemein verlief die Saison der Niederösterreicher in sehr unterschiedlichen Phasen – nach einem Wunderstart drohten die Neustädter im Spätherbst abzurutschen, kratzten aber immer wieder zum richtigen Zeitpunkt die Kurve und stehen nun verdienterweise in der Relegation und müssen sich im niederösterreichischen Duell mit St. Pölten beweisen.

Nach dieser kurzen Retrospektive rund um die Aufsteiger fokussiere ich mich in meinem Blogeintrag auf verschiedenste Faktoren, wieso die SV Ried meiner Meinung nach das oftmals deutlich und vehement formulierte Ziel (kläglich) verpasst hat. An dieser Stelle gleich noch eine tl;dr-Warnung: insgesamt umfasst dieser Artikel knapp 4900 Wörter.

Kapitel 1) Warum man den Aufstieg verpasst hat

Man kann Fehler machen (und jeder macht Fehler), aber die Anzahl an Fehlern, welche in dieser Saison wieder und wieder begangen wurden, waren schlicht und einfach zu viele.

1.1) Was Wacker Innsbruck besser gemacht hat

Wie schon mehrmals in meinen Blogs erwähnt, war es stets eine Tugend der Rieder Vereinsführung, die Spielphilosophie an den vorhandenen Kader bzw. die erhältlichen Spieler anzupassen.  Nur um ein Beispiel zu nennen, unter Paul Gludovatz wurde mit dem kompakten 3-3-3-1 selten ein Offensiv-Furioso abgefeuert, aber die Ergebnisse sprachen zumeist für sich. Ich wage zu behaupten, dass im bodenständigen Innviertel die meisten Zuschauer dann zufrieden sind, wenn sie mit dem Gefühl des Sieges aus dem Stadion gehen können. Ob das Gezeigte am Feld übermäßig attraktiv war oder nicht, ist kurz darauf vergessen. Denn die Spielweise einer Mannschaft kann noch so attraktiv sein, aber wenn unter dem Strich keine Punkte herauskommen, dann hat diese Mannschaft versagt. Fußball ist ein Ergebnissport. Für diese Aussage zahle ich auch gerne fünf Euro in ein Phrasenschwein.

Doch heuer änderte sich die Herangehensweise an die Spielphilosophie drastisch. Die Spieler wurden zumeist in ein starres 4-4-2-Korsett gesteckt, auch wenn essentielle Schlüsselspieler fehlten oder eine Unform mit sich herumschleppten. Auch nach der sieglosen Serie im Frühjahr hielt man es in der sportlichen Führung nicht für notwendig, etwas am Spielprinzip oder der Spielphilosophie zu ändern. Man könnte dies als Überheblichkeit bezeichnen, weil man die Klasse von Individualisten über die Stärke eines eingespielten Kollektivs (wie etwa bei Hartberg) stellte.

Wacker wurde (auch) deswegen Meister, weil man mit Karl Daxbacher einen erfahrenen und abgebrühten Trainer-Sir auf der Bank hatte, dessen bevorzugtes Spielprinzip eigentlich auf Ballbesitz beruht. Doch nach einem mäßigen Start in die Saison (u.a. mit klaren Niederlagen in Hartberg und Ried) sah Daxbacher rasch von seinem normalen Spielprinzip ab. Er adaptierte seine Taktik passte seine Mannschaft trotz der eigenen Favoritenrolle in 90% aller Spielen an die jeweiligen Gegner an. In einem Interview mit Sky Sport Austria erklärte er dies folgendermaßen:

Ich würde schon sagen, wir haben uns so richtig adaptiert an die Liga. Wir haben nach fünf, sechs Runden im Herbst unseren Spielstil geändert. Wir haben mehr auf Konter gespielt, haben die anderen Mannschaften mehr heraus gelockt. (…) Das war dann letztendlich die richtige Entscheidung.”

1.2) Was Hartberg besser gemacht hat

Auf Hartberg trifft das Merkmal der Anpassungsfähigkeit an den Gegner ebenso zu. Besonders bemerkenswert war für mich ein Interview mit Christian Ilzer, welches vor dem Auswärtsspiel in Ried mit dem ORF geführt wurde. Dabei wurde er von Dennis Bankowsky gefragt, worauf er seine Umstellungen begründet, warum der dribbelstarke Flügelspieler Kröpfl nur auf der Bank sitzen würde. Dabei gab Ilzer zu Buche, dass man mit Christian Ilic die Zentrale verstärkt um ein Übergewicht im Mittelfeld zu schaffen und gleichzeitig an Kopfballstärke bei Standards gewinnen würde.

Nicht nur, dass ein Kopfball von Ilic nach vier Minuten an die Latte landete – mit diesem recht logischen Rezept wurden Grgic und Wießmeier im 4-4-2 der Rieder quasi permanent ausgeschalten, was zur Folge hatte, dass Chabbi und Fröschl stets in der Luft hingen und sich die Bälle zumeist selber holen wollten/mussten. Dies wiederum hatte die Konsequenz, dass beide dann auch öfters selber in der Sturmspitze fehlten und das Rieder Offensivspiel auseinander brach.

1.3) Ried war zu oft leicht berechenbar

Ein weiteres Beispiel dafür, wie berechenbar die SVR heuer zumeist agierte, waren die Spiele im Frühjahr gegen BW Linz und den FAC. Beim glücklichen 4-2 Sieg in Floridsdorf brachten die Wiener die SVR-Defensive mit einem einzigen Kniff laufend in Bedrängnis: hohe Bälle auf Lubega in die Schnittstelle der Innenverteidigung. Wäre Edrisa Lubega ein Stürmer mit Abschlussqualität, hätte er in dieser Partie wohl vier bis fünf Tore erzielen können, da er die Langsamkeit von Haring und Reifeltshammer wiederholt schamlos aufdecken konnte. Für eine ähnliche Schwimmstunde in Sachen Defensivarbeit sorgten die schnellen Koita und Lüchinger dank eines ähnlichen Prinzips beim 2-2 im zweiten OÖ-Derby bei BW Linz.

1.4) Im Rieder Spielplan gab es keinen Plan B

Dies bringt mich gleich zu meinem nächsten Kritikpunkt: der SVR fehlte die gesamte Saison über ein Plan B. In elf Spielen dieser Saison (30%) geriet man in Rückstand. Die Bilanz aus diesen Spielen? Lediglich ein Sieg (gegen den FAC), ein Unentschieden (gegen Wacker) und acht Niederlagen. Noch schlimmer ist jedoch die Statistik, wenn man mit 0:1 in Rückstand geriet. Hier holte man in acht Fällen nur einen einzigen Punkt.

Runde Gegner Zwischenstand Endstand Punkte
1 Wiener Neustadt 0:1 0:1 0
3 FAC 1:2 3:2 3
4 Liefering 0:1 0:4 0
9 Kapfenberg 1:2 1:2 0
15 Innsbruck 0:1 1:1 1
16 Hartberg 0:1 2:3 0
24 Wacker 1:2 1:3 0
25 Hartberg 0:1 0:1 0
28 Wiener Neustadt 0:1 0:1 0
33 Wacker 0:1 1:3 0
34 Hartberg 0:1 0:1 0

Selten bis gar nie wurde bei Rückstand eine spieltaktische Anpassung durchgeführt, echte Impulse von außen fanden kaum statt. In dem alles-oder-nichts-Spiel gegen Hartberg wurde nach 72 Minuten Prosenik für Fröschl eingewechselt. Positionsgetreue Wechsel wie dieser dominierten die gesamte Saison, egal ob unter Lassaad Chabbi oder den Interimstrainern Franz Schiemer und Thomas Weissenböck. Der Mut zum vollen Risiko wurde zu keinem Zeitpunkt gezeigt.

1.5) Anfälligkeit in der Schlussphase

Die Schlussphase des 35. Spieltags war stellvertretend für die gesamte Saison der sky Go Erste Liga. Wiener Neustadt erzielte einmal mehr in den letzten Minuten eines Spiels den Siegtreffer durch einen Stürmerroutinier. Die SVR ging mit 1-0 in Führung, kassierte aber in der Nachspielzeit (mal wieder) den Ausgleich aus einer Standardsituation (mal wieder). Weder das eine noch das andere war für mich ein Zufall.

SV Ried Gegentore Erste Liga

In der Schlussviertelstunde kassierte man gleich 15 Gegentore und damit so viele wie in der gesamten ersten Halbzeit zusammen. Besonders bitter in Erinnerung: das 1-1 in Linz, beide Tore beim 2-2 in Hartberg, das 1-2 in Kapfenberg, das 2-2 gegen Wiener Neustadt, das 0-1 in Wiener Neustadt sowie das 1-1 in Wattens. Insgesamt wurden in der Schlussviertelstunde 11 Punkte verschenkt, jedoch nur 1 Punkt gewonnen (beim späten 1-1 in Innsbruck).

Noch schlimmer ist die Statistik, wenn man Punkteverluste nach Führungen den Punktegewinnen nach Rückstand gegenüberstellt.

Runde Gegner Zwischenstand Endstand Punkte Gegentore
5 BW Linz 1:0 1:1 2 83. Minute
7 Hartberg 2:0 2:2 2 78., 90.
9 Kapfenberg 1:0 1:2 3 44., 80.
19 Wiener Neustadt 2:0 2:2 2 36., 91.
21 FAC 1:0 1:1 2 60.
22 Liefering 1:0 1:1 2 27.
23 BW Linz 1:0 / 2:1 2:2 2 15., 64.
35 Wattens 1:0 1:1 2 91.

Auf der Soll-Seite stehen hier unfassbare 17 Punkte. Auf der Haben-Seite? Nur vier Punkte (beim erwähnten 1-1 bei Wacker sowie beim 3-2 gegen den FAC im Sommer). Ergibt ein Minus von 13 Punkten.

In vielen dieser Spielen konnte man nach dem Ausgleich (oder gar Rückstand) nicht mehr zusetzen. Neben dem fehlenden Plan B hat für mich auch der spieltaktisch bedingte Kräfteverschleiß bei vielen ernüchternden Ergebnissen eine Rolle gespielt.

Denn der unter Sportdirektor Schiemer angestrebte RB-Fußball zeichnet sich durch ein massives Offensivpressing aus und ist daher auch übermäßig kräfteraubend. Genau dies wurde der SVR in der heurigen Saison in der Schlussphase scheinbar laufend zum Verhängnis, obwohl man mit Tamasz Tiefenbach zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte über einen hauptberuflichen Konditionstrainer verfügte.

1.6) Anfälligkeit bei Ecken und Freistößen

Ebenfalls frappant war die Anfälligkeit bei Standardsituationen. Hier fallen mir spontan die Spiele gegen Wiener Neustadt und Hartberg ein, in denen vielen Punkte durch gegnerische Eckbälle und Freistöße verloren gingen. Und zuletzt der Ausgleich von Wattens nach 91 Minuten durch einen Freistoß. In einer Raumdeckung deckt man den Raum. Diese Aussage nahmen die Rieder Verteidiger oft zu wörtlich. Ein gutes Beispiel hierfür der bereits erwähnte Lattenkopfball von Ilic (Hartberg), der nach einer Ecke völlig unbedrängt im Fünfmeterraum zum Kopfball kam. So eine Szene sieht man sonst nicht einmal in der 2. Klasse West.

1.7) Mit 41 Gegentoren in 36 Spielen gewinnt man keinen Blumentopf

Die ständige Rotation in der Innenverteidigung zu Beginn des Frühjahres mit vier Paarungen in ebenso vielen Spielen (Haring – Reiner; Haring – Boateng; Boateng – Reifeltshammer, Haring – Reifeltshammer) verunsicherte die gesamte Defensive. Dieser Fehler der permanenten Rotation setzte sich auch unter Schiemer und Weissenböck fort.

Anstatt auf die einigermaßen solide Paarung aus dem Herbst (Haring – Boateng) zu setzen, forcierte etwa Weissenböck mit Reifeltshammer den ehemaligen Abwehrchef der SVR und machte diesen wieder zum Fixposten. In der entscheidenden Phase der Saison agierte das Urgestein gegen Wacker und Hartberg leider alles andere als souverän und musste gegen Wattens aus Sicherheitsgründen sogar ausgewechselt werden.

Von allen vier Aufstiegskandidaten kassierte die SV Ried die meisten Gegentore. Auch hier gibt es einen Spruch, der wieder einmal seine Gültigkeit beweist: offense wins games, defense wins championships. Und so erscheint es irgendwie logisch, dass die beste Defensive auf Platz 1 steht, die zweitbeste Defensive auf Platz 2 und die drittbeste Defensive auf Platz 3.

Niemand aus dem Trio Haring, Boateng und Reifeltshammer ragte über die Saison gesehen wirklich heraus oder erlaubte sich weniger Fehler als ein anderer. Ein unumstrittener Abwehrchef fehlte augenscheinlich. Ronny Marcos spreche ich nach seinen Leistungen im Frühjahr jegliche Tauglichkeit für eine Profimannschaft ab, neben seinen beiden Ausschlüssen gegen Kapfenberg und den FAC verschuldete er u.a. auch den Ausgleich in Linz und sorgte mit vielen konfusen Aktionen laufend für Kopfschütteln unter den Fans. Nicht umsonst hatte er kurz vor Saisonende seinen Platz gegenüber Christian Schilling verloren und rutschte nur dank dessen Verletzung wieder in die Startelf. In der Offensive fand er quasi nicht statt: ein Assist (bei 61 Toren) ist für einen Außenverteidiger in einem 4-4-2 System nicht akzeptabel. Sein Pendant auf der rechten Abwehrseite, Manuel Kerhe, war wohl der stabilste Defensivmann im Verbund, jedoch ohne wirklich zu glänzen.

1.8) Das Toreschießen wurde verlernt

Doch nicht nur die Defensive sorgte (vor allem im Frühjahr) für viel Kopfzerbrechen. Auch die Offensive schien bei warmen Temperaturen zunehmend ihr gelerntes Handwerk zu vergessen. So besagt eine weitere deprimierende Statistik zum Frühjahr, dass (wenn man jetzt das 7-1 gegen Kapfenberg ausnimmt) nur BW Linz (13) und der FAC (15) zwischen Februar und Mai weniger Tore als die SVR (17) erzielten. Im Herbst war die SV Ried (44) noch jene Mannschaft, welche die meisten Tore erzielen konnte (+5 auf Liefering, +11 auf Neustadt, +13 auf Wacker). Ilkay Durmus konnte an seine Form aus dem Herbst nicht annährend anknüpfen, Clemens Walch war wieder einmal Clemens Walch (= meistens verletzt oder krank) und auf die Verschwendung von Julian Wießmeier komme ich später zu sprechen. Auch Chabbi und Fröschl konnten an ihre Torquote aus dem Herbst nicht annähernd anknüpfen.

1.9) In direkten Duellen wurde stets versagt

Generell funktionierte (das ist ein Trend meiner Analyse) im Frühjahr fast gar nichts mehr. Vor allem das Versagen in den direkten Duellen mit den Aufstiegskonkurrenten verursachte das Abrutschen in der Tabelle. Im Herbst konnte die Mannschaft aus sieben Duellen mit den direkten Gegnern (Wacker Innsbruck, Hartberg und Wiener Neustadt) noch akzeptable neun Punkte holen und belegte damit in einer Mini-Tabelle sogar den ersten Tabellenplatz. Außerdem erzielte man im Schnitt zwei Tore pro direktem Duell.

HERBST 2017   SP S U N TV P
1. Ried 7 2 3 2 14:10 9
2. Neustadt 6 3 0 3 3:7 9
3. Hartberg 6 2 2 2 8:7 8
4. Wacker 6 2 2 2 7:8 8

Doch wenn man selbige Mini-Tabelle aus den Spielen im Frühjahr erstellt, so ergibt sich ein Bild des Grauens. In fünf Spielen setzte es ebenso viele Niederlagen. Dazu waren die zwei geschossenen Tore (jeweils gegen Wacker) ein weiterer Faktor, wieso man einfach keine Spiele für sich entscheiden konnte.

FRÜHJAHR 2018
  SP S U N TV P
1. Wacker 6 4 1 1 10:3 13
2. Hartberg 6 3 2 1 5:4 11
3. Neustadt 6 2 2 2 6:8 8
4. Ried 5 0 0 5 2:9 0

Das Gesamtbild (wenn man Herbst und Frühjahr zusammenrechnet) ist desaströs. Aus den insgesamt zwölf Duellen mit diesen Gegnern konnte man lediglich zwei gewinnen und verlor gleich vier von sechs Spielen vor eigenem Publikum.

GESAMT    SP S U N TV P
1. Wacker 12 6 3 3 17:11 21
2. Hartberg 12 5 4 3 13:11 19
3. Neustadt 12 5 2 5 09:15 17
4. Ried 12 2 3 7 16:19 9

Da die Punkte aus solchen Duellen bekannterweise doppelt zählen, kann dies als zentraler Aspekt im Versagen der Mannschaft stilisiert werden. Klar war manchmal auch Pech mit Schiedsrichterentscheidungen dabei (der nicht gegebene Elfer an Kerhe in Hartberg ist für mich weiterhin der klarste Elfer aller Zeiten, der nicht gegeben wurde).

Im Endeffekt war jedoch eine Mischung aus den bereits genannten Faktoren (Anpassungsfähigkeit bzw. Plan B) ausschlaggebend, welche mit teilweise apathischer Abschlussschwäche und fehlendem Killerinstinkt angereichert wurde. Denn sowohl auswärts und daheim gegen Hartberg als auch in Wiener Neustadt hätten Chabbi, Durmus oder Wießmeier die Spiele jeweils bereits frühzeitig entscheiden oder zumindest positiv beeinflussen können.

Nebenbei bemerkt war die Steiermark kein guter Boden für die SV Ried, aus den vier Ausflügen in die Ost- bzw. Obersteiermark konnte man nur einen von zwölf möglichen Punkten holen, in zwei der vier Spielen blieb man sogar ohne Tor. Abgesehen von Hartberg und Kapfenberg kann man mit der Punkteausbeute gegen die „Kleinen“ einigermaßen zufrieden sein – dies ist gewissermaßen ein Hauptgrund, wieso man knapp vor Saisonende überhaupt noch im Aufstiegs- bzw. Relegationsrennen war.

Die nachfolgende Statistik zeigt überblicksmäßig die Punkteausbeute gegen jeden Gegner an, sowie den eigenen Punkteschnitt und im Vergleich dazu den Punkteschnitt des Gegners gegen alle anderen Gegner (* Stand nach 35 Runden).

Gegnertabelle SV Ried

Die Ausbeute in den Derbys hätte man vor der Saison wahrscheinlich unterschrieben, ebenfalls die Ergebnisse gegen Wattens, FAC und dem anderen selbsternannten Aufstiegsfavoriten aus Lustenau. Aber gleichzeitig kann man ableiten, dass man neben den „Top3“ wie bereits erwähnt auch gegen Kapfenberg überdurchschnittlich schlecht abschnitt.

1.10) Im Winter hat man alles falsch gemacht

Egal welche Spielanlage man im Winter weiterentwickeln wollte – dieser Schuss ist nach hinten losgegangen. Anstatt sich auf Automatismen (wie etwa auf Defensivverhalten oder Standardsituationen) zu fokussieren, wollte man etwas am Spielkonzept verändern, das eigentlich ganz passabel funktionierte – immerhin überwinterte man an der Tabellenspitze.

Ich habe bereits mehrmals erwähnt, dass mit Julian Wießmeier ein potentieller Spieler des Jahres gnadenlos verschenkt bzw. verheizt wurde. Als klassischer 10er nach Ried gekommen, musste er zumeist als zentraler Mittelfeldspieler oder rechter Flügelspieler im 4-4-2 agieren. Als ZM ist er jedoch zu wenig robust, als RM zu langsam. Eingesetzt wurde er dennoch auf beiden Positionen.

Mit Marko Stankovic durfte ein Routinier den Verein im Winter zum FC Pune nach Indien verlassen, der im Frühjahr mit seiner Erfahrung und seinen Standards schmerzlich vermisst wurde. Die Eckbälle von Kerhe (gefühlte 34 gegen Wacker, gefühlte 18 gegen Hartberg) waren an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Und aus Standardsituationen aus dem Spiel ging sowieso gar nichts mehr. Entweder wollte Stankovic unbedingt weg, oder man war sich des Aufstiegs schon zu sicher und ließ ihn deswegen ziehen. Rückwirkend gesehen war er trotz seiner altersbedingten Behäbigkeit trotzdem immer zumindest für 50-60 Minuten ein ideenreicher Offensivfaktor im Team der SVR.

Gabriel Lüchinger wurde nach Linz verliehen, wo er in den ersten vier Spielen fünf Tore erzielen konnte. Warum der quirlige Schweizer mit dem starken Distanzschuss unter Chabbi überhaupt keine Chance bekam, war/ist für den Beobachter von außen nicht wirklich erkennbar. Bei jedem Testspiel gehörte er zu den Aktivposten im Spiel der Rieder. Klarerweise hatte er mit Ilkay Durmus einen der (zumindest im Herbst) beständigsten Gegenspieler – dennoch wurde sein Talent auf der Tribüne oder in der OÖ Liga verschenkt.

Auf die Neuzugänge im Winter will ich nur mehr mehr wenigen Worten eingehen: Prosenik war ein epochaler Flop, Reiner nach seinem Fehler im Spiel gegen den FAC fast ausnahmslos bei den Amateuren in der 4. Liga im Einsatz und Flavio sitzt passbedingt noch immer auf seiner Heimatinsel fest. Anstatt die Mannschaft punktuell zu verstärken, wurde das Spielgefüge mit den Wintertransfers tendenziell sogar geschwächt. Und auch die Comebacks von Reifeltshammer und Ziegl verliefen enorm kontraproduktiv. Beide sind nach ihren langwierigen Verletzungen noch nicht annäherend dort, wo sie vor wenigen Jahren einmal waren.

1.11) Der ÖFB Cup war eine Ablenkung und kein Bonus

Das Weiterkommen im ÖFB-Cup und die Vorfreude auf das Viertelfinalduell mit Rapid wurde offensichtlich zum mentalen Problem für die Mannschaft. Allen Unkenrufen zum Trotz wurde der FAC in der ersten Runde im Frühjahr unterschätzt, ein behäbiges 1-1 gegen den Tabellenletzten die Folge. Gegen eine Mannschaft, die im Frühjahr lange Zeit bei diesem einen erzielten Tor bleiben würde. Was dieses Ergebnis für mich noch schlimmer gestaltete, war, dass kein Hehl daraus gemacht wurde, dass „die Gedanken der Spieler schon bei Rapid waren“ – somit nicht einmal versucht wurde, eine Ausrede zu finden.

Abgesehen davon litt man auch an einem Post-Cup-Kopfweh: Nach dem 4-0 beim Wiener Sport Club setzte es ein 0-1 gegen Wiener Neustadt, nach dem 4-1 gegen den LASK ein 2-3 gegen Hartberg und nach dem 1-2 in Hütteldorf (immerhin) in 1-1 in Liefering.

Kapitel 2) Ein kurzer Ausblick in die Zukunft

Einer aus St. Pölten, Hartberg und Wiener Neustadt muss kommende Saison in der 2. Liga spielen. Man wird man sechs Derbys (gegen BW Linz, Vorwärts Steyr und die OÖ Juniors) austragen können. Dazu verzerren neben den OÖ Juniors mit Liefering, Wacker und Austria drei weitere Amateurteams die Liga. Aus dem Süden des Landes bekommt man es neben Kapfenberg nun auch mit Lafnitz und Austria Klagenfurt zu tun. Aus dem Osten hat Horn den sofortigen Wiederaufstieg geschafft, dazu kommt mit Amstetten ein weiterer Verein aus Niederösterreich sowie der FAC aus Wien. Ergänzt wird die Liga westwärts durch Wattens und Austria Lustenau.

Hier eine kleine Übersicht auf die Gegner der 30 Spiele in der kommenden Saison:

Oberösterreich Niederösterreich Steiermark Tirol
SV Ried SV Horn Kapfenberger SV WSG Wattens
BW Linz SKU Amstetten SV Lafnitz Wacker Amateure
Vorwärts Steyr (Wiener Neustadt / St. Pölten) (Hartberg)
OÖ Juniors
Wien Vorarlberg Salzburg Kärnten
FAC Austria Lustenau FC Liefering Austria Klagenfurt
Austria Wien Amateure

2.1) Wie schaut’s eigentlich mit dem Nachwuchs aus?

Bevor ich mich der Vereinsführung und den Spielern der Profimannschaft widme, noch ein kleiner Sidestep zu den Amateuren und der Akademie. Beim letzten Aufstieg aus der Bundesliga waren mit Schiemer, Lasnik und Sulimani gleich drei Nachwuchskicker regelmäßig im Einsatz. Doch seit Patrick Möschl im Jahre 2013 zum Stammspieler avancierte, schaffte es kein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mehr, zu einer Stammkraft im Profiteam zu werden. Mehrfache Umstrukturierungen und Trainerwechsel verbesserten diese (in dem Fall langjährige) Situation nicht. Aufgrund der intensiven Tätigkeiten von RB Salzburg und mittlerweile auch dem LASK ist es natürlich auch immer schwieriger, wirklich talentierte und gleichzeitig hungrige Nachwuchskicker für das kleine Ried gewinnen zu können.

Wie auch immer – in der aktuellen Saison spielten Stefano Surdanovic und Arne Ammerer (bis zum gestrigen Spiel) im Frühjahr keine Rolle mehr, nachdem sie im Herbst von Chabbi zumindest ab und zu ins Spiel gebracht wurden. Dies kommt nicht von ungefähr. Die Ried Amateure liegen derzeit auf dem viertletzten Platz der OÖ Liga und kämpfen zwei Spieltage vor Saisonende noch immer gegen den Abstieg, was den Rückfall in die sportliche Bedeutungslosigkeit zur Folge hätte. Das Leistungsgefälle zwischen diesen beiden Ligen ist einfach zu groß.

Nur zum Vergleich – die Amateure von Wacker Innsbruck, Austria Wien und auch vom LASK (als Mogelpackung „OÖ Juniors“ analog zu Liefering) spielen kommende Saison in der zweithöchsten Spielklasse, was eine viel bessere Annäherung an die Profimannschaft und eine gesteigerte sportliche Wettbewerbsfähigkeit als Konsequenz mit sich ziehen wird.

Die AKA U18 liegt derzeit im Tabellenmittelfeld, die AKA U16 im hinteren Drittel, die AKA U15 ist abgeschlagen Letzter.

Kapitel 3) Wer trägt die Schuld am Nichtaufstieg?

Geld schießt keine Tore. Dieses Zitat wurde früher immer wieder gerne verwendet, wenn die großen Mannschaften aus Hütteldorf, Favoriten oder Graz in das beschauliche Innviertel kamen und mit einer Niederlage heimgeschickt wurden. Nun erfährt man am eigenen Leib, dass dieses Zitat noch immer Gültigkeit besitzt.

Trotz „Top-Budget“, „Top-Infrastruktur“ (Stadion, Trainingszentrum), „Top-Fansupport“ und (vermeintlichem) „Top-Kader“ belegt man in der Endabrechnung eben nur diesen unrühmlichen 4. Platz. Eine kurze Chronologie der letzten eineinhalb Jahre:

7. Februar 2017: Langzeitmanager Stefan Reiter wird von der Vereinsführung der SV Ried (rund um Finanzvorstand Roland Daxl) beurlaubt. Grund für die Trennung sei, dass man „mit Reiter nicht zufrieden sei“. Kurz darauf wird Franz Schiemer als neuer Sportdirektor vorgestellt und als mittelfristiges Ziel wird (in akuter Abstiegsbedrohung) die Rückkehr in den Europacup ausgegeben.

28. Mai 2017: Nach einem Katastrophenfrühjahr mit nur 15 Punkten aus 18 Spielen steigt man zum zweiten Mal nach 2003 aus der höchsten Spielklasse ab. Der Wiederaufstieg wird als klares Ziel ausgegeben, man sei Topfavorit, so die Devise vor Saisonbeginn und auch noch in der Winterpause.

25. Mai 2018: Der sofortige Wiederaufstieg wird kläglich verpasst. In einem Jahr, in dem es mit 2.5 Aufstiegsplätzen (dank Relegation) so viele wie nie zuvor gibt, beendet man die Saison nur auf dem 4. Tabellenplatz, unter anderem hinter dem steirischen Underdog aus Hartberg, der vielleicht ein Drittel des Rieder Budgets zur Verfügung hatte.

Die bittere Realität lautet nun Lafnitz statt Leverkusen, Amstetten statt Atalanta und Horn statt Hibernian.

3.1) Die Vereinsführung hat versagt

Eigentlich muss dies nach dem letzten Absatz nicht mehr extra erwähnt werden.

Es bleibt abzuwarten, ob diese kommende Saison noch mit Roland Daxl (der seinen Rückzug bei Nichtaufstieg angekündigt hatte und nach den Spielen gegen Hartberg und Kapfenberg von der Westtribüne schwer angefeindet wurde) und Franz Schiemer stattfinden wird. Beide Herren sind seit 15 Monaten für die Geschicke eines ehemals sportlich soliden Vereins verantwortlich und haben diesen in eine permanente Abwärtsspirale geführt. Beachtlich für das CV: 2017: Abstieg aus der Bundesliga. 2018: Nichtaufstieg in die Bundesliga.

„Ich muss aber ganz offen sagen, dass ich den Verein im Falle eines Nichtaufstiegs wohl übergeben würde.“

Roland Daxl am 23. Februar im Interview mit den OON

Ich hoffe stark, dass Daxl sein Wort hält. Eigentlich müssten beide Personen die Konsequenz aus ihrem Versagen ziehen und von ihren jeweiligen Posten zurücktreten. Daxl hat Stefan Reiter (der übrigens noch nie abgestiegen ist, jedoch zweimal aufstieg und zweimal Cupsieger wurde) wie vorher erwähnt knapp vor dem Beginn der Frühjahrsaison 2017 rausgeworfen und damit einen ganzen Verein destabilisiert. Mit Franz Schiemer wurde ein Novize installiert, der Fußball bisher nur als aktiver Spieler sowie als Co-Trainer bei einem Verein miterlebt hatte, in dem es eigentlich um nichts geht. Der Zeitpunkt war so katastrophal schlecht, dass Schiemer auch keine Transferperiode zur Kaderverstärkung zur Verfügung hatte.

Entlarvend auch das Interview von Daxl mit den OON:

OON: Im Frühjahr 2017 hat sich der Klub von Langzeit-Manager Stefan Reiter getrennt und mit Franz Schiemer einen „Rookie“ engagiert. War das richtig?

Daxl: Das war nicht allein meine Entscheidung, sondern die des Präsidiums. Und die war nicht einfach.

Hier schafft er mit einem Satz, dass Schiemer wie ein Fehler klingt und die Entscheidung in Wahrheit sowieso die anderen getroffen haben. Der Fisch fängt jedoch immer am Kopf zu stinken an und Daxl hat sich im Februar 2017 ganz klar als Kopf dieses Vereins positioniert und deklariert.

Wenigstens hat Franz Schiemer gestern Eier gezeigt, seinen Kopf hingehalten und sich für das Scheitern als Hauptverantwortlicher hingestellt. Im Gegensatz dazu folgte ein weiteres Kapitel aus dem Buch der Selbstgefälligkeit von Daxl. Aus dem gestrigen Interview mit Sky Sport Austria:

Es wissen sehr viele Rieder Urgesteine, die den Verein schon 30, 40 Jahre begleiten, sehr wohl, was der Vorstand hier leistet und welches Herzblut und welche Energie wir hier reinstecken. […] Bin sehr stolz darauf und freue mich auch, dass die echten Protagonisten der SV Ried nach wie vor zu uns stehen!”

Ich kenne viele Menschen, die den Verein seit 20 oder 30 oder 40 oder 50 Jahren begleiten (bei mir selber sind es auch bereits 29 Jahre) und mit nur einem Satz diskreditiert Daxl alle Menschen, die es gewagt haben, (berechtigte) Kritik anzubringen. Natürlich stehe ich zur SV Ried. Aber ich stehe nicht zu Daxl und ich stehe nicht zu allen anderen austauschbaren Personen die den Bezug zur Realität und den Menschen abseits des VIP-Clubs offenbar völlig verloren haben.

Doch auch Schiemer hat zumindest einen Fehler (mit-)gemacht: der Rauswurf von Lassaad Chabbi fand zum falschen Zeitpunkt statt und hätte schon viel früher, zumindest aber in der Länderspielpause unmittelbar nach dem 1:3 gegen Wacker stattfinden müssen. Auch die Übergabe an einen Berufstrainer (Thomas Weissenböck) nach seiner Interimstätigkeit erfolgte mindestens eine Woche zu spät (unter Schiemer setzte es ein lasches 2-0 gegen Wattens, ein vergessenswertes 0-0 in Kapfenberg sowie ein im Endeffekt fatales 0-1 in Wiener Neustadt).

In der medialen Farce rund um die Bestellung von Thomas Weissenböck zum Cheftrainer (der aus einer relativ sicheren Quelle bis knapp vor seiner Bestellung nichts von seinem Glück wusste – von wegen „Wunschkandidat“) haben beide Akteure übrigens auch ihr wahres Gesicht gezeigt. Amateurhaft Hilfsausdruck.

3.2) Die Spieler haben (auch menschlich) versagt

Die Zusammenstellung des vermeintlichen Aufstiegskaders durch die sportliche Führung rund um Schiemer, Chabbi und auch Daxl funktionierte augenscheinlich nach zwei Gesichtspunkten: es wurden Spieler geholt, die entweder aus Lustenau (Haring, Wießmeier, Grabher, Chabbi, Durmus) oder vom LASK (Grgic, Kerhe, Boateng, Mayer) bekannt waren. Dazu wurden (aus sentimentalen Gründen?) Spieler in Ried belassen (Gebauer, Reifeltshammer, Walch, Marcos, Ziegl, Fröschl), die jedoch leider teilweise ihren Zenit im Verein schon überschritten hatten. Mit den „Spielerblöcken“ verfolgte man die Idee einer schnelleren Spielfindung, vergaß aber auf menschliche Aspekte bzw. bestehende Vorurteile. So kam es einigen Quellen zufolge zu massiven Gruppenbildungen innerhalb der Mannschaft welche zu Saisonende in handfeste Auseinandersetzungen ausarteten.

Diese Gruppenbildungen hatten definitiv keinen positiven Effekt auf die spielerischen Leistungen. Man hatte als Fan auf der Westtribüne des Öfteren das Gefühl, dass nicht jeder Spieler für jeden anderen bedingungslos laufen und kämpfen würde. Mit ganz wenigen Ausnahmen wie etwa Lukas Grgic können sich daher alle Spieler von mir aus gerne (wieder) aus Ried verabschieden, weil sie größtenteils keine Ahnung haben, was es bedeutet das schwarzgrüne Trikot zu tragen. In Ried wird Fußball immer noch primär gearbeitet. Überhebliche Interviews wie jenes von Chabbi nach dem Match gegen Wattens, in dem er dem Schiedsrichter die notwendige Klasse abspricht, sind übrigens auch bezeichnend. Von Selbstreflexion und einem Suchen der Fehler bei der eigenen Person teilweise keine Spur.

Um einen Kollegen aus dem ASB zu zitieren: die Menschen im Innviertel sind fußballverrückt – über die Rieder (und nicht „Wikinger“, weil kein echter Rieder Anhänger mit diesem Terminus über seinen Verein spricht) wird überall und jederzeit diskutiert. Beim Wirt, im Café, beim Friseur (passiert mir immer mal wieder), an der Tankstelle oder im Supermarkt.

Natürlich war, ist und wird Ried nie die Endstation für einen ambitionierten Spieler sein – aber jeder Spieler hat die gottverdammte Pflicht, sein Maximum zu geben und zu laufen und zu kämpfen bis er sich übergeben muss, solange er das Trikot dieser Mannschaft anziehen darf. Apropos kämpfen: auch wenn Gelbe Karten kein Indikator für Einsatz sind – aber beim 0:1 gegen Hartberg wurde exakt ein Spieler verwarnt. Ich lasse das einfach einmal im Raum stehen.

Wenn kein Einsatz am Platz stattfindet, kann auch kein Funke auf die Menschen überspringen. Daher war die Verbindung zwischen Mannschaft und Fans in der abgelaufenen Saison wohl so schwach wie noch nie zuvor. Wer sich an die Aufstiegsmannschaft aus 2004/2005 erinnert: das waren ganz andere Typen, welche sich mit dem Verein identifizieren konnte und daher eine ganze Region im positiven Sinne anstecken konnten. Dieses Phänomen blieb in dieser Saison über weite Stecken (verständlicherweise) aus. Im Frühjahr folgten dann nach dem katastrophalen Beginn mit acht sieglosen Spielen auch diverse Supportstreiks und eine (noch) weitere Entfernung von Mannschaft und Fans. Das Band wurde nach dem Scheitern nun vorübergehend zerschnitten.

4) Einmal mehr: Quo vadis, SV Ried?

Zum nunmehr dritten Mal binnen eineinhalb Jahren muss ich leider diese Frage aufwerfen. Zum ersten Mal sind einige Fragen aber wirklich existenzieller Natur:

  • Kann man die finanziellen Mittel auf die Beine stellen, um in der nächsten Saison den Wiederaufstieg anzustreben?
  • Welche Spieler verfügen über einen gültigen Vertrag für eine weitere Zweitligasaison? Welche Spieler will man überhaupt behalten?
  • Wie stark muss das Budget aufgrund der (viel) niedrigeren Fernsehgelder reduziert werden?
  • Welche Konsequenzen ziehen Roland Daxl, die anderen Vorstandsmitglieder und Franz Schiemer aus ihrem Scheitern?
  • Hat die Kooptierung von Maximilian Schmidt als Vorstandsmitglied im April schon den ersten Schritt eines größeren Plans dargestellt?
  • Wie will man verärgerte Fans, Sympathisanten und Sponsoren aus der Region wieder für sich gewinnen?

Ich persönlich habe im April mit meinem Artikel #desisnetmeiverein schon ein klares Statement abgegeben, was ich von den letzten Entwicklungen bei der SV Ried halte. Überheblichkeit und unrealistische Ziele passen nicht in diese bodenständige Region. Vor allem, wenn man dann wie im Mai 2017 und auch im Mai 2018 kläglich scheitert. Understatement und Demut wären wie schon früher wieder deutlich passendere Grundhaltungen.

Alle, die mich kennen und in den letzten Wochen und Monaten auf mich zugegangen sind und mich auf meine Blogeinträge angesprochen haben, wissen wie vernarrt ich eigentlich in diesen Verein bin.

Doch das letzte Jahr, die letzten Monate, die letzten Wochen haben mich immer emotionsloser werden lassen. Es ist gut, dass die Saison zu Ende ist. Denn aktuell fühle ich mich von der SV Ried so weit entfremdet wie noch nie zuvor in meinem 34-jährigen Leben.

Vielen Dank an alle, welche sich bis zum Ende dieses Artikels durchgekämpft haben, man sieht/hört/liest sich.

 

Bildangaben: Zuschauerschnitt via weltfussball.at, Gegentore via bundesliga.at. Titelfoto (c) Florian Ertl, GEPA

Keine Sorgen Arena Ried

Ich wollte eigentlich niemals inflationär über die SV Ried schreiben. Daher will ich mich prophylaktisch für zwei Beiträge innerhalb von vier Tagen entschuldigen. Aber die Ereignisse rund um die Trainersuche bei der SV Ried haben sich im Laufe der aktuellen Kalenderwoche mehrmals überschlagen. Somit fühlte ich mich jetzt am Abend kurzfristig dazu gezwungen, einen neuen Eintrag in mein Logbuch des Wahnsinns schreiben zu müssen.

So viel vorab: zur Amtszeit von Stefan Reiter war im Vorhinein stets wenig oder gar nichts über Transferpläne oder konkrete Transferziele (Spieler und Trainer) bekannt. Dies änderte sich im Sommer 2017 unter der Führung Daxl/Schiemer drastisch – man möchte sogar sagen um 180°. In der Sommerpause war bei so gut wie jedem Transfer bereits am Vortag (oder noch länger davor) bekannt, welcher Spieler neu in den Verein eintreten würde.

Bei den verschiedensten Trainerkandidaten der letzten Woche war selbiges der Fall. Die Vermutung liegt nahe, dass Reiter sein Netzwerk (welches u.a. aus Managern, Agenten, Fußballfunktionären und Journalisten besteht) hinsichtlich Informationssperren (besser) im Griff hatte. Denn die peinliche Reality Soap der letzten Tage wäre bei der SV Ried noch vor zwei Jahren kaum vorstellbar gewesen.

Kandidat 1: Frenkie Schinkels

Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass Frenk „Frenkie“ Schinkels am Dienstag als neuer Cheftrainer bei der SVR installiert werden solle. Der Dancing Star aus Niederösterreich (am 14. August auf dem feuchtfröhlichen Copa Pele Kickerdampfer unterwegs) hatte sich am Sonntag bereits mit Franz Schiemer getroffen und die Details schienen geklärt. Als die Information der bevorstehenden Verpflichtung von Schinkels jedoch am Montagnachmittag an die Öffentlichkeit durchsickerte, hatte dies einen massiven Shitstorm in sozialen Medien und Fanforen zur Konsequenz. Die Vereinsführung rund um Roland Daxl, durch diese Geschehnisse offensichtlich stark verunsichert (überrascht? gehemmt?) nahm infolgedessen Abstand an einer Verpflichtung des aktuellen Sportdirektors von Krems.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, hat Schinkels dann am Mittwoch übrigens auch noch selbst abgesagt ;- )

Kandidat/en 2: Paul Gludovatz & Gerhard Schweitzer

Ohne (zumindest für den Laien) erkennbare Linie wandte man sich noch am Montagnachmittag einem altbekannten Duo zu. Paul Gludovatz und Gerhard Schweitzer – das Erfolgsduo rund um den Cupsieg 2011 –  hätten für eine dritte Amtszeit im Innviertel reaktiviert werden sollen. Nach einer kurzen (nächtlichen) Bedenkzeit hagelte es jedoch bereits am Dienstagvormittag schallende Absagen, sowohl vom Burgenländer als auch vom Vöcklamarkter (der als Sportdirektor bei der UVB derzeit Tabellendritter in der Regionalliga Mitte ist).

Der mittlerweile 71-Jährige Gludovatz trat auch verbal nach: in einem Interview mit den OON (Anm: in dem er die SVR mit „wir“ und „unser“ bezeichnete) gab er zu Protokoll, dass er bereits in der Länderspielpause mit einem Anruf gerechnet hatte. Zu diesem Zeitpunkt hätte er seiner Aussage nach auch noch die notwendige Zeit gehabt, um Dinge wirklich zu bewegen. Die verlorenen Sechspunkter gegen die direkte Konkurrenz aus Hartberg und Wiener Neustadt sowie das inferiore 0-0 in Kapfenberg fallen übrigens genau in die Zeit zwischen der Länderspielpause und heute.

Paul Gludovatz im Rieder Stadion

Deswegen auch vollstes Verständnis meinerseits, dass sich Gludovatz dieses Himmelfahrtskommando nicht antun wollte. Auch mit dem Hintergrund, dass er von Daxl während seiner letzten Amtszeit in Ried (2015/2016 nach der Beurlaubung des glücklosen Helgi Kolvidsson) auch nicht ins Klare darüber gesetzt wurde, dass hinter seinem Rücken nach einem anderen Trainer für die Nachfolgesaison 2016/2017 gesucht wurde. Zudem wurde bei der aktuellen Trainersuche auch Schinkels zuerst kontaktiert. Ein mehrfacher Vertrauensbruch, der nicht zu kitten ist.

Kandidat 3: Heimo Pfeifenberger

Nach den Absagen von Gludovatz/Schweitzer und der Distanzierung von Schinkels sickerte am frühen Abend des Dienstags durch, dass Heimo Pfeifenberger nun Favorit auf das Amt des Trainers während der acht letzten Saisonrunden sein solle. Der ehemalige Coach von Grödig und Wiener Neustadt war nach seiner Entlassung beim Wolfsberger AC auf dem Trainermarkt. Die oberösterreichische Medienlandschaft schrieb in den mittwöchlichen Ausgaben mehr oder minder unisono darüber, dass der Salzburger am Mittwochvormittag nach Ried kommen werde, dort einen Vertrag unterschreiben und am Nachmittag bereits das Training leiten solle. Doch erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt. Aus derzeit noch unbekannten Gründen konnte man sich mit dem Ex-WAC-Trainer nicht einigen. So verging der Mittwoch ohne jegliche Vollzugsmeldung.

Kandidat 4: Thomas Weissenböck

Am Mittwochnachmittag machte dann ein Gerücht die Runde, dass Thomas Weissenböck (aktuell Akademieleiter in Ried) und Miron Muslic (AKA 18 Trainer) die Mannschaft bis Saisonende übernehmen würden.

Thomas Weissenböck SV Ried

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dies klang zunächst nach einer internen (und verhältnismäßig kostengünstigen) Lösung, welche auch dafür spräche, dass die liquiden Mittel knapp bemessen sind. Es kann natürlich auch sein, dass sich nach dem Chaos der vergangenen Tage niemand mehr die (sportliche) Selbstmordmission antun wollte. Dass falsches Timing mittlerweile zur Vereinsphilosophie gehört, habe ich bereits am Sonntag ausführlich beschrieben.

Das Nachmittagstraining am Mittwoch leiteten übrigens Dieter Alge und Tamasz Tiefenbach (die ehemaligen Co-Trainer von Lassaad Chabbi). Thomas Streif hat heute am Nachmittag in den OON geschrieben, dass die Trainerfrage noch ungeklärt sei.

Sieger: Kandidat 4

Knapp nach 19:35 wurde Thomas Weissenböck dann per Pressemeldung (Anm.: Nein, das ist kein Fake. Kein(e) Grafiker(in) dieser Welt sollte bitte auf diesen Link klicken) offiziell bestätigt. Er wird morgen um 14:00 im Trainingszentrum am Voglweg der Öffentlichkeit präsentiert.

In seiner ersten Amtszeit in Ried erreichte er zusammen mit Gerhard Schimpl in 18 Spielen einen Schnitt von 0.78 Punkten/Spiel (10 Niederlagen standen nur 3 Siegen gegenüber). Dies ist ziemlich genau 10 Jahre her – am 5. April 2008 wurde er drei Spieltage vor Saisonende entlassen und durch den damaligen Trainernovizen Michael Angerschmid ersetzt.

Die letzte Chance (schon wieder)

Ich würde mir natürlich wünschen, dass die Mannschaft unter neuer Führung am Freitag gegen Austria Lustenau nochmal mit einer „Jetzt erst recht“-Einstellung in das Spiel der letzten Chance geht. Vorstellen kann ich mir dies freilich nicht mehr. Das Hin und Her der letzten Tage kann auch an der Mannschaft nicht spurlos vorübergegangen sein. Wohlgemerkt an der massiv verunsicherten Mannschaft, die unter Druck sowieso nicht reüssieren kann und eigentlich mehr als genug mit sich selber zu kämpfen hat. Auch wenn das Training heute bemerkenswert gut gelaunt absolviert worden ist.

Genug ist genug

Auf den sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter hagelt es seit Tagen bzw. Wochen unerbittlichen Spott bzw. mittlerweile sogar Mitleid (was noch schlimmer ist). Ironischerweise hat Laola1 heute einen Podcast über den Lokalrivalen aus Linz mit dem Titel „Vom Chaos-Klub zum Vorzeige-Verein“ veröffentlicht. Das Timing könnte kaum passender sein.

Denn anders als undurchschaubares Chaos und kollektives Versagen der sportlichen Vereinsführung (wie einst bei Peter-Michael Reichel beim LASK) kann man die Zustände bei der SVR nicht mehr bezeichnen.

Krisenmanagement und richtiger Umgang mit den Medien sind zwei Fremdwörter in diesem überregional bekannten Unternehmen mit Millionenumsatz. Aber gut – polemisch formuliert wird dieses auch nebenberuflich von einem Autohändler und hauptberuflich von einem Berufseinsteiger geleitet. In der realen Wirtschaft wäre eine solche Konstellation undenkbar.

Auch mein Vertrauen (und nicht nur meines) gegenüber den agierenden Personen ist mittlerweile nicht mehr vorhanden. Sollte dieser Verein durch den drohenden Nichtaufstieg nicht sowieso zu Grunde gehen, dann sollten der gesamte Vorstand und der Sportdirektor eigentlich den gebührenden Anstand besitzen und zurücktreten.

Apropos reale Wirtschaft: seit Sommer 2017 wird für Marketingzwecke der Slogan „Des is mei Verein“ eingesetzt. Noch nie war dies jedoch unpassender als zum aktuellen Zeitpunkt. Der Ruf des früheren Vorzeigevereins aus dem Innviertel wurde im Laufe der letzten Monate durch planlosen Aktionismus nachhaltig ruiniert. Dies kann auch ein Aufstieg nicht mehr retten.

Wie Harald Bartl von den OON heute in einem Kommentar richtigerweise bemerkt hat, wenn sich selbst Sir Paul von der SVR abwendet, dann ist dies nicht mehr der uns bekannte Verein. Also #desisnetmeiverein.

In diesem Sinne beende ich meinen Beitrag diesmal mit einem Zitat, dessen Urheber unbekannt ist. Dieses kann man auf Fans, Sympathisanten und auch (langjährige) Sponsoren anwenden:

Trust takes years to build, seconds to break, and forever to repair.

 

Bilderquelle:
Paul Gludovatz: (c) GEPA
Thomas Weissenböck: (c) Daniel Scharinger

Julian Wießmeier von der SV Ried

Nach dem 0-1 in Wiener Neustadt liegt die SV Ried (der selbsternannte Aufstiegsfavorit #1) exakt 40 Tage vor Saisonende nur mehr auf dem 5. Tabellenplatz. Der Meistertitel wird nach Innsbruck gehen, Hartberg ist aufgrund der Form klarer Favorit auf den Vizemeistertitel (der gleichbedeutend mit dem Aufstieg ist). Wiener Neustadt ist nach dem Sieg im direkten Duell nun im Vorteil beim Kampf um den Relegationsplatz gegen St. Pölten. Diese werden nach der Verpflichtung von Didi Kühbauer ein ziemlich unguter Gegner sein.

Die Selbstdemontage beim ehemaligen Vorzeigeclub scheint kein Ende zu nehmen. Im Laufe der letzten beiden Monate wurde alles zerstört, was im Herbst mühevoll aufgebaut wurde.

Pausenloses Schönreden

Die neueste Edition der Rückrundentabelle zeichnet ein Bild des Grauens. Mit einem erbärmlichen Schnitt von 0.9 Punkten pro Spiel liegt man nur marginal über den 0.83 Punkten pro Spiel, die man in der Rückrunde der Abstiegssaison erreichen konnte.

Rückrundentabelle Erste Liga 2018

Nur der FAC (der im Kalenderjahr 2018 bisher ein Tor erzielen konnte: beim 1-1 in Ried) und der KSV haben weniger Tore erzielt. Rechnet man das Cup-Out gegen Rapid mit ein, dann wurde seit dem 17. November 2018 (das ist ziemlich genau fünf Monate her) nur eines von elf Spielen gewonnen. Der Bonus des besten Torverhältnisses wurde vollständig aus der Hand gegeben, mittlerweile hat Hartberg neben dem Vorsprung von sechs Punkten auch einen Vorsprung von fünf Toren, was den Abstand quasi auf sieben Punkte erhöht.

Und trotzdem nimmt das bereits unter Chabbi kritisierte pausenlose Schönreden der Ergebnisse kein Ende. Man sollte Chuzpe zeigen und klar formulieren, dass Punkteausbeute und Ergebnisse einfach nicht gut genug sind. Die ohne Zweifel fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen (gegen Wacker, gegen Hartberg und nun auch gegen Wiener Neustadt) werden thematisiert um vom viel wichtigeren Thema abzulenken.

Denn der Manager Schiemer müsste den Trainer Schiemer nach den „Leistungen“ gegen das inferiore Kapfenberg und das ebenfalls formschwache Wiener Neustadt eigentlich beurlauben. Doch man befindet sich bei weitem nicht nur in einer Ergebniskrise.

Moderner Fußball…?

Auch die Art des Fußballspielens ist einfach nicht anzuschauen. Wenn das moderner Fußball sein sollte, dann habe ich erstens keine Ahnung davon und will zweitens auch nichts damit zu tun haben. Der Versuch, den Red-Bull-Fußball nachzuahmen, ist für mich schon länger gescheitert. Früher wurde in Ried die Taktik stets an den vorhandenen Spielerkader angepasst (man erinnere sich nur an das 3-3-3-1 unter Paul Gludovatz), unter Schiemer wird hingegen der Kader der Taktik angepasst. Und was nicht passt, soll passend gemacht werden – wenn nötig auch mit der Dampfwalze.

Lediglich 13 Tage sind seit der Trainerentlassung von Lassaad Chabbi vergangen. Drei Spiele, vier Punkte und zwei Tore später ist augenscheinlich, dass der Vorarlberger vermutlich ein Bauernopfer der Vereinsführung rund um Franz Schiemer und Roland Daxl war. Die Entlassung war notwendig, aber folgende Fragen muss man sich mittlerweile stellen: konnte Chabbi seine Art des Fußballspielens nicht umsetzen, weil ihm ständig vom Sportdirektor dazwischengefunkt wurde? Oder war beim Amtsantritt von Chabbi fix definiert, welche Art von Fußball man in Zukunft spielen wolle? Dann mangelte es bei Chabbi aber an der notwendigen Kompatibilität. Summa summarum sind die Personalentscheidungen der letzten 15 Monate zumindest fragwürdig.

Schlechtes Timing als Vereinsphilosophie

Bei diesen stets im Fokus: Roland Daxl und Franz Schiemer. Im Februar 2017 wurde der Verein ohne wirklich notwendigen Anlass destabilisiert. Und zwar durch den Rauswurf von Langzeitmanager Stefan Reiter durch den Finanzvorstand. Dem Vernehmen nach hatte letzterer über längere Zeit hinweg am Stuhl des ersteren gesägt. Dies dürfte Reiter zunehmend entnervt bzw. aus dem Konzept gebracht haben, sodass er vielmals ratloser und handlungsunfähiger denn je erschien. Mitten im Abstiegskampf hatte Daxl damals phantasiert, dass man in naher Zukunft wieder um die Europacupplätze mitspielen wolle und daher ein belebendes Element brauche. Die Quittung für diesen Realitätsverlust kassierte man am Ende der Saison.

Das Timing bei dieser Entmachtung hätte schlechter nicht sein können – nur wenige Tage vor Beginn der Rückrunde stand der Verein plötzlich ohne seinen größten Kenner da. Als Nachfolger wurde von Daxl zur Überraschung aller Franz Schiemer ernannt, zu diesem Zeitpunkt als Co-Trainer in Liefering aktiv. Der unerfahrene Schiemer (um mich hier nicht der Tonalität von Georg L. anzunähern, verzichte ich auf das Wort „Lehrbub“) hatte in seiner Karriere zuvor noch keine strategisch verantwortliche Position bei einem Profiverein bekleidet.

Der damalige Trainer Christian Benbennek hatte nach dem Rauswurf von Reiter seine Rückendeckung im Verein verloren. Man war als Tabellenachter in die Winterpause gegangen, der Vorsprung auf das Schlusslicht Mattersburg betrug sechs Punkte. Nach einem verpatzten Start (dem Vernehmen zufolge hatte Schiemer mehrmals die Kabinenansprache für seinen de-facto entmachteten Trainer übernommen) wurde jedoch nicht nach einem 1-6 Heimdebakel gegen RB Salzburg reagiert. Nach einem solchen Spiel ist eigentlich kein Trainer mehr haltbar. Reagiert wurde erst eine Woche später nach einem 0-1 in der Südstadt gegen die Admira. Ich weiß bis heute nicht, was man sich damals in dieser Woche erwartet oder erhofft hatte.

Und dennoch wurde ein Jahr später der gleichen Fehler begangen. Lassaad Chabbi wurde nicht nach dem 1-3 gegen Wacker Innsbruck beurlaubt, sondern erst nach dem Sechspunktespiel in Hartberg, welches dann ebenfalls verloren ging. Schlechtes Timing (egal ob bei Aussagen oder Aktionen) wurde zur Vereinsphilosophie gemacht.

Keine Fehlerkultur

Doch nicht nur das Timing ist schlecht. Man gesteht auch keine Fehler ein. In der Halbzeitpause des Heimspiels gegen Wattens hat Daxl dem Pay-TV-Sender sky ein Fernseh-Interview gegeben. In diesem hat er eine persönlich positive Bilanz der letzten Jahre gezogen. Dies ist aus zweierlei Gründen verheerend. Zum einen gibt es das englische Sprichwort „There is no I in TEAM„, welches auf den Finanzvorstand offensichtlich nicht zutrifft. Und zum anderen ist dies doch extrem wundersam, wie man nach einem mitverschuldeten Abstieg und einem Katastrophenfrühjahr (der den Klub in eine existenzielle Krise führen könnte) auch nur irgendwie von einer positiven Bilanz sprechen kann.

Das Nichteingestehen von Fehlern trifft übrigens nicht exklusiv auf Daxl zu. Auch von Schiemer hat man bisher kaum ein selbstkritisches Statement gehört (das Schönreden wurde bereits thematisiert) und auch Chabbi hatte vor seiner Entlassung (zumindest in der Außendarstellung) eine zweifelhafte Beziehung zur fußballerischen Realität.

Grad darf keine Option sein

Bei einem Nichtaufstieg ist Daxl übrigens mit ziemlicher Sicherheit weg – dies hat er am 23. Februar in einem Interview mit den OON angekündigt. In diesem Szenario würde wohl ein massiver Umbruch im Vorstand eingeleitet werden. In der letzten Woche hat ein großes Boulevardblatt über ein finanzielles Interesse von Franz Grad an der SV Ried berichtet. Für alle Menschen, die sich mit Fußball eher wenig befassen: wo auch immer der 79-jährige in den Fußball eingegriffen hat, wurde nichts als verbrannte Erde hinterlassen.

Franz Grad SV Ried

Der Totengräber des Fußballs in Oberösterreich ist für die de-facto Auflösung des FC Linz (nach der „Fusion“ mit dem LASK), für die Übersiedelung des FC Pasching nach Klagenfurt und die Eliminierung des Traditionsvereins St. Magdalena verantwortlich. Und demnächst werden wohl auch im beschaulichen Oedt die Lichter ausgehen.

Selbst wenn davon gesprochen wird, dass es sich um „reines Sponsoringinteresse ohne aktiver Rolle im Verein“ handelt – dieser Mann würde seine Finger trotzdem im Spiel haben – egal was er behauptet. Bevor man einen Pakt mit dem Teufel eingeht, ist es besser, dieser Verein tritt den Gang in die Fünftklassigkeit an. Kommt Grad, gehe ich. Und da bin ich nicht der Einzige.

Das Vertrauen ist weg

Apropos gehen. Die Vorfreude auf Heimspiele ist mittlerweile inexistent. Mittlerweile scheut man den Freitagabend, ähnlich wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Die Geisterstimmung beim Match gegen Wattens war deprimierend und wird am kommenden Freitag gegen Austria Lustenau wohl ein Revival finden. Natürlich werde ich bei den fünf verbleibenden Heimspielen im Stadion anwesend sein, dies hat aber mehr mit Freunden und Bekannten zu tun als mit dem Verein an sich.

Ich habe im Lauf der letzten Wochen mit vielen langjährigen Anhängern gesprochen – Ratlosigkeit, Verzweiflung und Wut über die aktuelle Situation waren lange Zeit prädominante Gefühlslagen.

Doch mittlerweile ist es noch schlimmer. Ein Freund, West-Kollege und langjähriger Fan, der die SVR ebenfalls schon zu Landesligazeiten begleitet hat, ist im Grunde der größte Optimist den ich kenne. Dieser hat am Freitag attestiert, dass ihm mittlerweile alles gleichgültig ist. So sehr haben die letzten 15 Monate geprägt und selbst den größten Optimisten gebrochen.

Das Band des Vertrauens zwischen dem Verein und mir ist nach mehr als einem Vierteljahrhundert bedingungsloser Unterstützung zum ersten Mal (zumindest temporär) zerschnitten. Die verantwortlichen Akteure (auf dem Platz, in den Logen) haben ihren Kredit vollständig aufgebraucht. Selbst ein unvorhergesehener Erfolgslauf würde dies nur mehr marginal beeinflussen. Denn selbst wenn der Aufstieg noch gelingen sollte (womit ich derzeit nicht rechne), ginge man vermutlich ohne die dazugehörige Euphorie in die kommende Saison.

Eure letzte Chance

Ich weiß mittlerweile, dass meine Gedanken auch ihren Weg zum Vereinsgebäude am Volksfestplatz 2 finden.  Daher will ich abschließend noch einen Hinweis platzieren und ändere dabei die Ansprache:

Ihr habt noch acht Runden Zeit, um das Worst Case Szenario abzuwenden. Es brennt lichterloh. Wir wollen keine Plattitüden mehr hören sondern nur mehr Taten auf dem Platz sehen. Wenn ihr versagt, werdet ihr als Hauptakteure der womöglich dunkelsten Stunde in die Rieder Vereinsgeschichte eingehen. Und dies wird man euch nicht vergessen.

Update 16. April 2018

Dem Vernehmen nach steht Frenk „Frenkie“ Schinkels als neuer Trainer ante portas. Der gebürtige Rotterdamer war zuletzt als Sportdirektor bei St. Pölten im Einsatz, diese Position bekleidet er derzeit bei Krems in der Regionalliga Ost. Wie es scheint, bleibt uns Riedfans derzeit wirklich nichts erspart. Aber wie heißt es so schön im österreichischen Welthit aus 2013? „Never give up, never give up, machmal kommt es knüppelhart„.

 

Titelbild: (c) GEPA-Pictures via nachrichten.at
Franz Grad: (c) 
ligaportal.at/Heiduck/LUI

Fußball auf Rasen

Today I looked for the quittance of the postal office in order to verify my claims for the money from the Keane-ticket I had sold four weeks ago. With its help I was able to look up the way of transportation of the ticket via the Internet-page of EMS. And guess what – I was right and he was wrong, the ticket had been delivered right in time, 30 minutes before noon on the 18th of March. Well, bad luck for him, but as far as he completes the bank transfer I am quite satisfied.

Tomorrow I have got an appointment at the oral surgeon, he has to remove the sutures deriving from my wisdom teeth surgery last week. Furthermore I will arrange an appointment for the next surgery – the one of my left jaw, which will be great fun because my wisdom tooth in the lower left jaw underlies the gingival. That means he has to cut it off with a scalpel first – another job for those marvellous painkillers I will get by recipe again. Alright, have to stop talking about it now, since the pain descending from my right jaw has disappeared some days ago, I can enjoy everyday life pretty well again and so I wanna do until the next surgery.

Right now I am back in Ried – because of the reason mentioned before, but I have to get back to Salzburg tomorrow at about 10am again because of some lectures. After that we’ll practice for the OÖ-football-tournament next week in Hagenberg, where our FH will participate as a guest team from another federal state. I am looking forward to playing out in the grass again – football in the hall is quite funny, but it’s just – as said before – football in the hall. As you may have already recognized, football plays some role in my life. I watch approximately 250-300 matches every year, a combination of live football and football on TV. If somebody would ask me for the best three matches I have ever seen, I gave him following answer:

Live at a stadium:

  1. SV Ried vs. FC Tirol Innsbruck 5:0 (1999 – Tirol was leading the table and unbeaten since that day, the standing at half time break was 0:0 – in the 2nd half we sent them back to the Alps)
  2. GAK vs. SV Ried 3:2 (2004 – although we lost, it was a heroic fight against 12 opponent players, including the referee, against the later Austrian champion and cup winner)
  3. SV Ried vs. FC Linz 1:0 (1995 – maybe not a great match, but maybe the most important in the history of Ried, a thrilling game that secured us the place in the Austrian Bundesliga)
  4. LASK vs. SV Ried 0:1 (2004 – first victory against the arch enemy on their own territory – sealed by a header after a corner kick in the first minute of injury time – right in front of the fans from Ried)
  5. SV Ried vs. Austria Wien 1:0 (2003 – the big city against the small village. 25 millions against 4 millions. glorious win against the later champion, even if it was a bit lucky)

Live on TV:

  1. Chelsea vs. Vicenza Calcio 3:1 (1998 – cup of cupwinners, semifinals. Chelsea needed a 2-0 after a 0-1 loss in Vicenza. At the standing of 1-1 it was maybe one of the fastest played games I ever saw)
  2. Czech Republic vs. Netherlands 3:2 (2004 – the best game during the EM in Portugal – by far – after trailing a 0-2, our neighbours came back and turned the game to their favour)
  3. Arsenal vs. Manchester United 2:4 (2005 – unbeaten at Highbury, the Gunners suffered a defeat that was highly impressive because of the strength and the will United had shown that day)
  4. Manchester United vs. Bayern Munich 2:1 (1999 – the legendary Champions League final where the Germans were in front until injury time – losing it thanks to two goals after corner kicks in the 91st and 93rd minute)
  5. Can’t think of a fifth match right now, probably I will complete this line later.

Gotta go now, need to see Bayern Munich losing against Chelsea (even though I don’t like the Blues neither).

* quotation in the topic by Ernest Hemingway

© 2018 – Gerald Emprechtinger – [email protected]